Herbert Diess

Zukunft des Autokonzerns Führungskrise bei VW abgewendet

Stand: 15.12.2020 09:30 Uhr

Im Konflikt zwischen Vorstandschef Herbert Diess und dem Betriebsrat über die künftige Strategie von Volkswagen hat es einen Kompromiss gegeben. Der Aufsichtsrat stellt sich geschlossen hinter den Topmanager.

Die Führungskrise bei Volkswagen ist fürs erste abgewendet. Der Aufsichtsrat sprach Vorstandschef Herbert Diess bei einer Sondersitzung am Montagabend seine "volle Unterstützung" aus. Die geplante "Ausrichtung des Unternehmens auf Elektromobilität und Digitalisierung" habe die "uneingeschränkte Unterstützung" des Kontrollgremiums, hieß es. 

Der entsprechende Beschluss sei einstimmig gefasst worden. Das bedeutet, dass auch der Betriebsrat sowie die Anteilseigner, allen voran die Familien Porsche und Piech, zugestimmt haben.

Keine vorzeitige Vertragsverlängerung

Im Gegenzug soll Herbert Diess auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung, auf die er laut Medienberichten gedrungen hatte, verzichtet haben. Die Frage wurde in der offiziellen Mitteilung jedenfalls nicht erwähnt.

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf "informierte Kreise" berichtet, soll der 62-Jährige diese Forderung im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung fallen gelassen haben.  Der Zeitung zufolge soll auf Diess "massiver Druck aller Beteiligten" ausgeübt worden sein, auf diese Forderung zu verzichten.

Der aktuelle Vertrag von Herbert Diess läuft noch bis April 2023. Der 62jährige Vorstandschef wollte aber eine vorzeitige Verlängerung bis Ende 2025. Er begründete dies damit, dass seine Stellung im Konzern ansonsten zu schwach sei.

Volle Rückendeckung für die Neuausrichtung

Im Gegenzug auf diesen Verzicht lobt der Aufsichtsrat explizit die von Diess vorangebrachte Neuausrichtung des Konzerns. "In den kommenden Jahren wird der Vorstand der Volkswagen AG die Strategie mit Herbert Diess an der Spitze umsetzen," heißt es in der Erklärung des Aufsichtsrats.

Und weiter: Der Aufsichtsrat schätze die "Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit", mit der Diess "den technologischen Wandel, den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, aber auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens vorantreibt". Ohne Diess' Einsatz wäre die bisherige Transformation des Unternehmens "nicht so konsequent und erfolgreich verlaufen", betonte das Gremium.

Diess hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden im April 2018 mit dem Ziel angetreten, verkrustete Strukturen im Konzern aufzubrechen, die Bewältigung des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte voranzutreiben und bei Volkswagen die Ära des Elektroantriebs einzuläuten.

Betriebsrat erklärt "absolute Einigkeit"

Die Wolfsburger wollen 35 Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen investieren und zum Marktführer Tesla aufschließen. Diess' ehrgeizige Pläne zum Konzernumbau führten allerdings in den vergangenen Monaten zu heftigen Konflikten mit Arbeitnehmervertretern, darunter mit Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Nun aber erklärte Osterloh, zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaftsvertretern herrsche "absolute Einigkeit über die konsequente Ausrichtung des Konzerns auf unsere strategischen Ziele der Transformation". Bei der Umsetzung würden sich alle Beteiligten weiterhin "zur Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung sowie zur Bedeutung der Ausbildung" bekennen. 

Personalvorschläge von Diess werden umgesetzt

Diess selber betonte: "Wir treiben die größte Transformation in der Geschichte von Volkswagen gemeinsam und entschlossen voran." In den kommenden Jahren werde Volkswagen weiter in die E-Mobilität, die Digitalisierung und Batterietechnologie investieren.

Als Vertrauensbeweis für Diess gilt auch, dass seine Personalvorschläge für den Vorstand vom Aufsichtsrat abgesegnet wurden. Nachfolger des auf eigenen Wunsch im Juni ausscheidenden Finanzvorstands Frank Witter wird Arno Antlitz, der bislang Vorstandsmitglied der Tochter Audi für Finanz und Recht ist. Antlitz solle sich "vor allem auf weitere Effizienzsteigerungen konzentrieren", hieß es. 

Auch wird den Angaben zufolge im Konzernvorstand ein neues eigenes Ressort für Technik geschaffen. Geführt wird es ab 1. Januar von Thomas Schmall, dem Chef der Konzerntochter für Komponenten. Schmall wird unter anderem für die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen verantwortlich sein. Murat Aksel übernimmt im Vorstand die Zuständigkeit für den Bereich Einkauf. Dafür ist er bislang bereits im Vorstand der Marke Volkswagen Pkw verantwortlich. Diesen Aufgabenbereich bei der Marke wird Aksel beibehalten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Dezember 2020 um 11:20 Uhr in der Wirtschaft.