Eine Geschäftsfrau telefoniert

Fünf Jahre Frauenquote Frauen bringen mehr

Stand: 25.11.2019 06:45 Uhr

Seit 2016 gibt es eine Frauenquote für Aufsichtsräte und eine Reihe von Verpflichtungen zur Förderung weiblicher Führungskräfte. Bewirkt hat das laut einer aktuellen Studie wenig. Dabei ist ein höherer Frauenanteil im Management offenbar ein echter Erfolgsfaktor.

Von Andreas Braun, boerse.ARD.de

Vor fünf Jahren, am 25. November 2014, hat der Bundestag das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" beschlossen. Seit 2016 ist es in Kraft. Es sieht eine Quote von 30 Prozent für Frauen in Aufsichtsräten von 100 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen vor. Und es verpflichtet Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, verbindliche Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Vorständen und obersten Managementebenen festzulegen.

Kein weiterer Fortschritt

In den zurückliegenden Jahren seitdem hat sich laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wenig getan. Danach sind Frauen nach wie vor als Führungskräfte in den Betrieben unterrepräsentiert. 2018 waren 26 Prozent der Führungskräfte der obersten Leitungsebene in der Privatwirtschaft Frauen. Auf der zweiten Führungsebene lag ihr Anteil bei 40 Prozent. Beide Werte haben sich verglichen mit 2016 nicht verändert. Das IAB hat dabei 16.000 Betriebe repräsentativ befragt.

Kleine Betriebe werden danach häufiger von Frauen geführt als große: In Großbetrieben der Privatwirtschaft mit mindestens 500 Beschäftigten sind 14 Prozent der Führungspositionen auf der ersten Ebene mit Frauen besetzt. In Betrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es 25 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten 27 Prozent.

Frauenanteile in Dax-Chefetagen weiter niedrig

Schaut man auf die börsennotierten Konzerne sieht es eher noch schlechter aus, das haben die Berater von EY herausgefunden. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es 61 Frauen in den Vorständen der 160 Unternehmen aus den deutschen , die in den drei Börsenindizes Dax, MDax und SDax gelistet sind. Das ist ein Frauenanteil von 8,7 Prozent. Im Dax wurde erst jüngst mit SAP-Co-Chefin Jennifer Morgan eine erste Frau ganz an die Spitze eines der 30 größten börsennotierten Konzerne berufen.

Dabei haben mehrere Studien inzwischen zumindest einen deutlichen Zusammenhang zwischen der finanziellen Performance und dem Börsenkurs eines Unternehmens und einem erhöhten Frauenanteil in Führungspositionen herausgearbeitet. Bereits 2007 hatte die Beratungsgesellschaft McKinsey gezeigt, dass bereits eine Frau im Aufsichtsrat eines Unternehmens einen Unterschied auch bei der Börsenentwicklung macht.

Rendite ist weiblich

Jüngst hat die "CS Gender 3000" Credit Suisse Research Institute ähnliche Erkenntnisse gebündelt: Eine überdurchschnittliche Frauenquote an der Firmenspitze sorgt für eine bessere Aktienkursentwicklung als eine unterdurchschnittliche Quote. Zudem ist der Aktienkurs umso höher, je mehr Frauen in der Geschäftsleitung operative Verantwortung tragen.

Den Fakten hat sich die Finanzwelt auf der Produktseite durchaus nicht verschlossen. Es gibt eine Reihe von aktiv gemanagten Investmentfonds und sogar einen ETF auf einen "Gender Equalty Index", die sich genau das zunutze machen. Sie picken gezielt Unternehmen fürs Fondsportfolio heraus, in denen größere Frauenanteile in Führungs- oder Vorstandsebenen vertreten sind oder Förderprogramme laufen, mit dem Ziel dies zu erreichen.

Nachhaltigkeitskriterien bringen Schwung ins Gender-Thema

Noch mehr Schwung bekommt die Finanzindustrie dabei vom Interesse vieler auch großer Investoren an Aktien, die gute ESG-Werte aufweisen. Das Kürzel steht für Environment (Umwelt), Social und Governance (Unternehmensführung). Diese Kriterien für nachhaltiges Wirtschaften in den Unternehmen werden dank verschiedener Vorgaben der EU und auch der UN immer stärker beachtet. Und bei höheren Renditechancen stehen zumindest die Anleger mehr Frauen im Management nicht im Weg.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2019 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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