Auf einem Smartphone ist die App der Fast-Food-Kette McDonald's zu sehen. | picture alliance / Karl-Josef Hi

Neue Fast-Food-Welt Wie Corona McDonald’s & Co verändert

Stand: 09.11.2020 13:44 Uhr

Auch der Fast-Food-Anbieter McDonald's ist massiv von den Corona-Einschränkungen betroffen - und setzt deshalb vermehrt auf die Digitalisierung und neue Serviceangebote.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Nach dem massiven Einbruch im Frühjahr hat sich das Geschäft von McDonald's in den Sommermonaten spürbar erholt. Im dritten Quartal fielen die Erlöse auf vergleichbarer Fläche weltweit im Vergleich zum Vorjahreswert um nur noch 2,2 Prozent. In den USA zogen sie sogar um 4,6 Prozent an, während das internationale Geschäft noch schwächelte.

Mit 5,42 Milliarden Dollar waren die Einnahmen insgesamt aber höher als erwartet. Auch der Gewinn von 2,22 Dollar pro Aktie übertraf die Schätzungen der Analysten deutlich. Im zweiten Quartal war der flächenbereinigte Umsatz noch um fast ein Viertel eingebrochen. Der Gewinn war sogar noch stärker gesunken.

Über den Berg ist die Branche damit aber noch lange nicht. Die erneuten Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen werden der Gastronomie weiter zusetzen. Das dürfte auch den Branchenprimus der Schnellrestaurants McDonald’s belasten.

"Die Welt wird nach dieser Krise anders aussehen"

Dessen Chef, Chris Kempczinski, ist sogar überzeugt, dass viele der in den Pandemie-Zeiten veränderten Gewohnheiten auch danach bestehen bleiben. Bereits im Frühjahr sagte er: "Die Welt wird nach dieser Krise anders aussehen, und viele dieser Veränderungen werden von Dauer sein." So dürften die Kunden auf absehbare Zeit mehr zu Hause essen als vor der Pandemie.

Chris Kempczinski

McDonald's-CEO Chris Kempczinski

Restaurants, auch Fast-Food-Anbieter, werden deshalb massiv investieren müssen: in den Ausbau der Lieferdienste, die Digitalisierung der Bestellungen sowie in die Automatisierung bei der Herstellung der Speisen.

Weltweit agierende Ketten wie McDonald's sind nach Ansicht von Experten auf diese veränderten Bedingungen besser vorbereitet als kleine lokale Betriebe. So ist das Burger-Brater-Imperium aus Chicago bereits seit Jahren einem grundlegenden Wandel in der Branche ausgesetzt: mehr Konkurrenz sowie veränderte Essgewohnheiten.

Der Kunde ist König

Die daraus folgenden Rückschläge in Form von Umsatz- und Gewinneinbußen konnte der Konzern bisher stets überwinden Die Kunden verlangen mehr Salate und Desserts, wollen schöner eingerichtete Räume und vegane Burger? Kein Problem, die Wünsche wurden erhört. Selbst der Hunger nach Tiramisu und Croissants kann bei McDonald's inzwischen gestillt werden.

Der Konzern habe seine Hausaufgaben gemacht, zitiert das "Manager Magazin" den Gastronomie-Berater Axel Weber. Schließlich sei der Gast auch bei Fast-Food-Anbietern wichtiger als der Gastronom. Der Koch dürfe also nie vergessen, was der Kunde will.

McDonald's

McDonald's

Gut gerüstet

Deshalb sei McDonald's auch gut für die kommenden Veränderungen gerüstet, findet Weber, gerade weil sich das Unternehmen bereits seit Jahren im Umbruch befinde und auch über das nötige Kapital verfüge, um die kommenden Investitionen stemmen zu können.

So wird McDonald's auch in Europa einen Lieferservice anbieten müssen. Derzeit liefern in Deutschland bislang nur 170 der insgesamt 1.500 Filialen die Bestellungen nach Hause. Doch das dürfte sich bald ändern. Vorbilder für den Wandel sind Asien und der Nahe Osten, wo das Unternehmen schon seit Jahren auf Lieferservices setzt.

Weitere Kursinformationen zu McDonald's

Digitalisierung vorantreiben

Zudem wird auch in dieser Branche die Digitalisierung weiter vorangetrieben. Bereits jetzt kann über die McDonald's App eine Bestellung von unterwegs abgegeben und bezahlt werden, bevor sie dann in der Filiale abgeholt wird.

Immer öfters übrigens am Autoschalter. Während vor der Corona-Krise nur 30 Prozent der Burger über den Drive-in verkauft wurden, habe sich der Anteil nun auf 60 Prozent verdoppelt, verriet McDonald’s-Deutschlandchef Holger Beeck dem "Manager Magazin".

Und es geht sogar noch besser: In einigen Filialen in den USA wird bereits eine Software getestet, die Autoschilder erkennen kann und den Kundinnen und Kunden entsprechend ihrer vorherigen Bestellungen speziell auf sie zugeschnittene Menü-Angebote macht.

Viele Arbeitsplätze bedroht

Die Umsetzung dieser Innovationen verschlingt allerdings Millionen. Für die Kunden bedeutet dies, dass sie künftig wohl etwas mehr für ihre Burger und Pommes berappen müssen. Doch eins zu eins werden sich die Ausgaben für die Investitionen nicht weitergeben lassen. Deshalb dürfte der Konzern auch bei den Lohnkosten das Fallbeil ansetzen, schätzen Experten.

So könnten demnächst Roboter viele Angestellte ersetzen. McDonald’s testet bereits entsprechende Maschinen, die das Braten der Burger übernehmen. Das dürfte viele Arbeitsplätze kosten. Denn Ware und Personal machen 65 Prozent der Kosten aus. Wenn dieser Anteil nicht sinke, sei es schwer, profitabel zu arbeiten, zitiert das "Manager Magazin" den McDonald's Deutschland-Chef.