Mark Zuckerberg

Drohende Wettbewerbsklage US-Staaten nehmen Facebook ins Visier

Stand: 09.12.2020 22:49 Uhr

Die US-Regierung und 40 Bundesstaaten stehen offenbar davor, gegen das soziale Netzwerk Facebook eine Klage wegen unfairen Wettbewerbs zu erheben. Für den Internetgiganten könnte es ungemütlicher werden.

Der Vorstoß werde bereits für Mittwoch vorbereitet, schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf informierte Personen. Dabei sollen unter anderem die Übernahmen des Fotodienstes Instagram und des Chatdienstes WhatsApp angeprangert werden, hieß es.

Die Deals zeigten, wie das weltgrößte Online-Netzwerk Gefahren durch Wettbewerber neutralisiert und die Nutzer um Alternativen gebracht habe, laute das Argument. Das Vorgehen werde mit der US-Handels- und Wettbewerbsbehörde FTC koordiniert.   

Erst Google, dann Facebook?

Eine Klage gegen Facebook käme nicht überraschend. Die Internetkonzerne wurden im Heimatmarkt USA lange Zeit nur sehr lasch reguliert. Zuletzt scheint die Stimmung aber umgeschlagen zu sein. Die gigantische Marktmacht von Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon oder Microsoft gerät immer mehr ins Visier der Behörden.

Erst im Oktober nahmen die US-Regierung und elf Bundesstaaten den Internet-Riesen Google mit einer Wettbewerbsklage ins Visier. Google schütze seine dominierende Position bei der Internet-Suche und der damit verbundenen Werbung auf illegale Weise, lautet der Vorwurf in einer Klage des US-Justizministeriums.

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Wird sich zu wehren wissen: Google-Chef Sundar Pichai

Das Unternehmen wies den Vorwurf zurück. Rechtsexperten zeigten Zweifel, ob die Regierung sich mit der Klage durchsetzen kann. Denn sie muss unter anderem nachweisen, dass die amerikanischen Verbraucher durch ein wettbewerbswidriges Verhalten von Google zu Schaden kommen. Auch die EU hat Google längst im Visier.

Schrumpfbefehl für Facebook?

In der Klage solle laut "Washington Post" als eine mögliche Maßnahme auch vorgeschlagen werden, Facebook zum Verkauf einzelner Geschäftsbereiche zu zwingen. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren bereits die technische Infrastruktur hinter der Plattform seines Online-Netzwerks sowie Instagram und WhatsApp enger zusammengeführt. Das würde eine Aufspaltung technisch erschweren.

Facebook hatte Instagram 2012 für rund eine Milliarde Dollar und WhatsApp im Jahr 2014 für etwa 22 Milliarden Dollar gekauft. Die Übernahmen lösten damals keinen Widerspruch der Regulierer in den USA aus. Dabei hatten Kritiker argumentiert, dass Facebook sich damit Konkurrenten einverleibt habe, die dem Konzern hätten gefährlich werden können.

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Apps von Instagram, Facebook, WhatsApp: Verkauf einzelner Geschäftsbereiche?

Auch die EU-Kommission hatte die WhatsApp-Übernahme freigegeben. Bei ihr musste Facebook später jedoch eine Strafe zahlen, weil das Online-Netzwerk irreführende Angaben gemacht habe. Bei Ankündigung der Übernahme hatte es geheißen, dass eine Zusammenführung von Daten der Nutzer von Whatsapp und von Facebook technisch nicht möglich sei. Später fand Facebook aber doch einen Weg dafür.

Gewinnmaschine Facebook

Die jüngsten Geschäftszahlen des dritten Quartals zeigen, über welche ungeheure Schlagkraft Zuckerbergs soziales Netzwerk verfügt. Facebooks vor allem mit Werbung erzielter Umsatz belief sich auf mehr als 21 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 7,85 Milliarden Dollar hängen - eine fantastische Umsatzrendite.

Allein die sagenhaften Gewinne vieler Internetkonzerne könnten zumindest Zweifel daran wecken, dass in diesem Bereich ein funktionierender marktwirtschaftlicher Wettbewerb herrscht, wie ihn die reine ökonomische Lehre an sich für wünschenswert hält.     

Inzwischen zählt der Facebook-Konzern, zu dem neben der gleichnamigen Plattform auch der Messenger Whatsapp und die Foto-Plattform Instagram gehören, monatlich 2,74 Milliarden aktive Nutzer. Dies entspricht in etwa mehr als jedem dritten Bewohner der Welt.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Dezember 2020 um 22:15 Uhr.

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