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Quartalsbilanz vorgestellt Facebook befürchtet schlechtere Zeiten

Stand: 31.10.2018 10:34 Uhr

Facebook hatte in den vergangenen Monaten mit etlichen Skandalen zu kämpfen. Auch wenden sich in den westlichen Ländern vor allem junge Menschen von dem Netzwerk ab. Doch die Gewinne sprudeln weiter - noch.

So ist der Reingewinn im dritten Quartal, trotz massiv gestiegener Kosten, auf 5,12 Milliarden Dollar gestiegen, neun Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie kletterte sogar um elf Prozent auf 1,76 Dollar und übertraf damit deutlich die Schätzungen der Analysten.

Die Einnahmen, fast ausschließlich aus Werbeanzeigen, machten einen Sprung um 33 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Also alles wie gehabt? Mitnichten. Das auf den ersten Blick beeindruckende Umsatzplus ist das schwächste seit sechs Jahren.

Kosten sind explodiert

Gleichzeitig sind die Kosten im dritten Quartal regelrecht explodiert auf jetzt 7,95 Milliarden Dollar - 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund sind die Regelungen der seit Ende Mai in Europa greifenden Datenschutz-Grundverordnung sowie der weltweite Kampf gegen Hass und Hetze. Diese Entwicklung wird weitergehen. Im Gesamtjahr sollen die Ausgaben um über 50 Prozent steigen und 2019 um weitere 40 bis 50 Prozent. Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg versicherte aber bei der Präsentation am Abend, dass er das Gleichgewicht von Kosten und Einnahmen nicht aus den Augen verlieren werde.

Eine gemischtes Bild bietet auch der Blick auf die Nutzerzahlen. So sank im vergangenen Quartal zwar die Zahl monatlich aktiver Mitglieder von 376 auf 375 Millionen. Die Zahl derer, die Facebook täglich nutzen, ist aber gestiegen.

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Wachstum geht weiter - auch in den USA

Auch weltweit gesehen geht das Wachstum des Online-Netzwerks weiter. Die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Facebook-Nutzer legte binnen drei Monaten von 2,23 auf 2,27 Milliarden zu. In den USA und Kanada kommt Facebook nun auf 242 Millionen monatlich aktive Nutzer - eine Million mehr als vor drei Monaten. Es ist der mit Abstand lukrativste Markt für das Online-Netzwerk: Hier machte Facebook im vergangenen Quartal einen Umsatz von 27,61 Dollar pro Nutzer. In Europa sind es 8,82 Dollar pro Nutzer und weltweit 6,09 Dollar.

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Facebook-Schriftzug auf einem Notebook

Zuckerberg bereitete Investoren in einer Telefonkonferenz auf gebremstes Wachstum in der Zukunft vor, weil sich das Nutzerverhalten geändert habe. Die Mitglieder teilten ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt im Newsfeed, der bisher das Herzstück der Facebook-Nutzung war, so Zuckerberg.

Geschäft vor dem Umbruch

Facebook muss deswegen sein Geschäft umbauen. Der Newsfeed bietet viel Platz für Anzeigen - und das Online-Netzwerk erzielt damit Milliardengewinne. Bei Werbung in den neuen Formaten steht Facebook aber erst am Anfang und muss sich unter anderem bei den Anzeigenpreisen noch durchtasten. "Das ist eine Reise, die Jahre und nicht Quartale dauern wird", sagte Finanzchef Dave Wehner.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Zu den neuen Formaten gehören zum Beispiel die sogenannten "Stories", bei denen Nutzer ihre Fotos und Videos typischerweise für einen Tag für ausgewählte Freunde veröffentlichen. "In nicht allzu ferner Zukunft werden die Leute mehr in Stories als in Feeds teilen", prognostizierte Zuckerberg.

Aktie fährt Achterbahn

Facebook durchlebte bereits einen ähnlichen Umbruch, als Nutzer vom PC auf Smartphones wechselten. Damals hatte das Online-Netzwerk zunächst kein Geschäftsmodell für das Handy und Anleger zweifelten an den Zukunftsaussichten der Firma.

Doch die Newsfeed-Anzeigen als Lösung für das Problem erwiesen sich als eine Goldgrube. Zuckerberg und Geschäftsführerin Sheryl Sandberg erinnerten jetzt daran, um besorgte Investoren zu beruhigen. Das klappte ganz gut: Die Aktie, die nach Zuckerbergs Warnungen erst fast vier Prozent verlor, erholte sich auf ein Plus von über drei Prozent.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Oktober 2018 um 06:36 Uhr.

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