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Ölkonzern in der Krise ExxonMobil streicht tausende Jobs

Stand: 01.12.2020 13:45 Uhr

Der US-Ölmulti ExxonMobil wird die Mitarbeiterzahl deutlich reduzieren und muss zum Jahresende einen Milliardenbetrag abschreiben. Corona macht der ohnehin gebeutelten Branche schwer zu schaffen.

Sparen: So lautet die Strategie des Exxon-Managements angesichts der großen Herausforderungen, mit denen die an Milliardengewinne gewöhnte Ölindustrie derzeit umgehen muss. Bis Ende 2021 werde die weltweite Mitarbeiterzahl um 15 Prozent reduziert, teilte der Konzern mit. Ende 2019 hatte Exxon inklusive freier Angestellter etwa 88.000 Beschäftigte, es dürften also deutlich mehr als 10.000 Jobs wegfallen.

Aber das ist noch nicht alles. In den letzten drei Monaten des Jahres 2020 sollen zwischen 17 Milliarden und 20 Milliarden Dollar (16,8 Milliarden Euro) auf Erdgasanlagen abgeschrieben werden. Die Investitionen in Ausrüstung sowie Erkundungs- und Förderprojekte sollen 2021 zudem auf das niedrigste Niveau seit 15 Jahren gesenkt werden. Exxon leidet stark unter den Folgen der Pandemie, die die globale Nachfrage nach Öl und Gas stark gedämpft hat.

Erdölplattform | colourbox.de

Erdölplattform: Corona drückt auf die Nachfrage Bild: colourbox.de

Geschäftsmodelle beginnen zu wanken

Der Konzern, der in normalen Zeiten wie eine Gelddruckmaschine funktioniert und im Quartalstakt Milliardengewinne scheffelt, hatte zuletzt das dritte Quartal in Folge mit Verlust beendet. Das Management sucht deshalb dringend nach Antworten, die langfristig Gewinne versprechen. Sparkonzepte können nur ein erster Schritt sein, denn echtes Wachstum erzeugen sie nicht.

Aber nicht nur bei ExxonMobil, auch bei der Konkurrenz wachsen die Zukunftssorgen. Denn neben der aktuellen globalen Konjunkturschwäche aufgrund der Corona-Pandemie führt die sich beschleunigende Abkehr von fossilen Brennstoffen dazu, dass die Geschäftsmodelle der Ölriesen langsam in Bedrängnis geraten.

Öltanker | picture alliance / dpa

Öltanker Bild: picture alliance / dpa

Dann eben irgendwas mit Erneuerbaren

Wiederholt strich die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Nachfrage-Prognose zusammen. Selbst die Zulassung von Impfstoffen würde den Rohölmarkt nicht rasch beleben, hieß es im jüngsten Monatsbericht. Im gesamten Jahr 2020 dürfte die Nachfrage demnach um 8,8 Prozent schrumpfen. Das hat Konsequenzen für den Ölpreis.   

Viele Ölkonzerne versuchen deshalb, sich im Segment Nachhaltigkeit zu positionieren und sich insgesamt breiter aufzustellen. Auch Erneuerbare Energien werden plötzlich interessant, aber vergleichbare Gewinne sind damit wohl nicht zu erzielen. Der Energiekonsum verschiebe sich von fossilen Brennstoffen hin zu Erneuerbaren Energien, stellt der Ölkonzern BP in seinem jüngsten Energy Outlook fest: Das Ölzeitalter sei beendet.

BP investiert deshalb beispielsweise verstärkt in das Zukunftsthema Wasserstoff. Aber ähnlich wie Exxon streichen auch BP oder Shell Zehntausende Stellen.