Hamburger Hafen

Erholung von Corona-Krise Deutsche Exporte legen wieder zu

Stand: 08.09.2020 10:49 Uhr

Deutschlands Exporteure arbeiten sich langsam aus dem Corona-Tief. Im Juli wurden 4,7 Prozent mehr Waren ins Ausland verkauft als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Allerdings liegen die Ausfuhren immer noch deutlich unter dem Niveau vor am Ausbruch der Corona-Pandemie.

Die deutschen Exporte sind im Juli den dritten Monat in Folge gewachsen. Der Zuwachs um 4,7 Prozent im Juli gegenüber dem Vormonat, die das Statistische Bundesamt am Morgen meldete, sind etwas weniger als Experten erwartet hatten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 5,0 Prozent gerechnet. Damit lagen die deutschen Ausfuhren lagen im Juli immer noch um 12,1 Prozent unter dem Stand von Februar 2020 - dem Monat vor Beginn der coronabedingten Einschränkungen.

Damit erholt sich der Export-Europameister weiter von den Corona-bedingten Einbrüchen im März und April, wenn auch in einem verlangsamten Tempo. Im Juni hatte es noch zu einem Plus von 14,9 Prozent gereicht, im Mai von 9,0 Prozent.

Lieferketten waren unterbrochen

Zeitweise Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten hatten das Geschäft mit "Made in Germany" in den vergangenen Monaten ausgebremst. Die allmähliche Erholung der Wirtschaft in vielen Ländern kommt den Exporteuren nun zugute.

Von Januar bis Juli sanken die Ausfuhren trotz der Aufholjagd der vergangenen Monate um 13,1 Prozent auf 679 Milliarden Euro. Dabei schrumpfte das Geschäft mit den EU-Staaten um 13,6 Prozent, das mit dem Rest der Welt um 12,4 Prozent. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die deutschen Exporte in diesem Jahr wegen der Corona-Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern um mehr als zwölf Prozent einbrechen werden. 2021 sollen sie dann um knapp neun Prozent wachsen. Die deutschen Importe zogen im Juli um 1,1 Prozent an. Auch das ist das dritte Wachstum in Folge. Hier waren Experten von einem wesentlich stärkeren Plus von 3,3 Prozent ausgegangen.

"Strukturelle Herausforderungen"

Experten kommentieren die Daten in ersten Stellungnahmen positiv. Laut Carsten Brzeski von der ING halten die starken Exporte "die Hoffnungen auf eine V-förmige Erholung aufrecht. Hinter ihnen verbergen sich aber auch unterschwellige und anhaltende strukturelle Herausforderungen für die deutsche Exportwirtschaft. Tatsächlich leidet der deutsche Exportsektor nach wie vor unter strukturellen Herausforderungen wie Handelsspannungen, Brexit und Unterbrechungen in der globalen Lieferkette sowie Schwierigkeiten seiner wichtigsten Handelspartner, mit dem Virus fertig zu werden."

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sieht eher Grund zu einer verhaltenen Freude: "Verglichen mit Februar liegt das Exportniveau dennoch rund zwölf Prozent niedriger. Kapazitäten werden daher vorerst unterausgelastet bleiben. Die wieder besser gefüllten Auftragsbücher sprechen zwar für eine zunehmende Auslastung. Die Corona-Pandemie wird jedoch den Takt vorgeben, wie rasch diese abgearbeitet werden können."

AB

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. September 2020 um 09:00 Uhr.

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