Würfel mit ETF und Geldscheinen.

20 Jahre ETF in Deutschland Indexfonds schreiben Erfolg

Stand: 09.04.2020 06:33 Uhr

Eine stille Anlagerevolution haben die Indexfonds vor 20 Jahren auch hierzulande begonnen. Die Produkte haben sich in zunächst als Lieblingsinstrumente für Großinvestoren etabliert. Aber auch Privatanleger nutzen die ETFs immer häufiger. Dabei fehlt es auch nicht an Kritik.

Vor 20 Jahren schwappte die Welle über den Atlantik nach Europa: Am 11. April 2000 wurden erstmal zwei gänzlich neue Produkte an der Deutschen Börse notiert: Es waren iShares des britischen Finanzunternehmens Barclays, das die Fonds im selben Jahr entwickelt hatte. Sie bildeten die beiden europäischen Auswahlindizes Dow Jones Stoxx 50 und Dow Jones EuroStoxx 50 nach.

Mit einem Anlageprodukt konnte man damit die Wertentwicklung von 50 Einzeltiteln "kaufen". Eine Neuerung auch für die Köpfe vieler Profiinvestoren. Sie waren fast allesamt der Meinung, dass nur eine gezielte Titelauswahl eine ansehnliche Rendite einbringen könne, die höher als die Marktrendite liege.

Der Index ist besser als der Fondsmanager

Von diesem Gedanken hatte sich der "Urvater" der Indexfonds schon Jahrzehnte zuvor verabschiedet: John Bogle, Gründer des US-Vermögensverwalters Vanguard, entwickelte 1975 den ersten Indexfonds, den Vanguard 500, der die Titel des US-Leitindex' S&P 500 exakt nachbildet. Bogle setzte damit auch die Erfahrung um, dass nur die Minderheit der "aktiven" Fondsmanager die Vergleichsindizes schlägt. Eine Erkenntnis, die sich auch heute immer wieder durch entsprechende Studien belegen lässt.

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Bogles Idee, von Fondsmanagern zunächst als Wahnwitz verschrieen, hat sich in den folgenden Jahrzehnten immer mehr durchgesetzt. Vanguard wurde neben Blackrock, das sich die iShares von Barclays 2009 einverleibte, der größte Anbieter der "Exchange Traded Funds", kurz ETFs.

Transparent, liquide, kostengünstig

Die Vorteile der Indexprodukte sind vielfältig: Zunächst ist die Wertentwicklung der Fonds höchst transparent, sie entspricht praktisch zu jeder Zeit der des zugrunde liegenden Index'. Dabei kann es sich um einen Aktienindex wie den Dax, den Dow-Jones-Index oder den Industrieländerindex MSCI World handeln. Längst sind aber auch Renten, Rohstoff- oder Immobilienindizes per ETF handelbar.

Die Handelbarkeit ist ein zweiter schlagender Vorteil der ETFs. Wie eine Aktie kann der ETF an verschiedenen Börsenplätzen oder auch außerbörslichen Handelsplätzen in Sekundenschnelle gehandelt werden. Die Emittenten sorgen dabei neben den restlichen Marktteilnehmern für hohe Liquidität. Eine Order wird deshalb in der Regel mit einem "engen Spread", also einer geringen Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, abgewickelt.

Dadurch, dass ein ETF stets Indizes mit vielen Einzeltiteln abbildet, erhält der Anleger eine breite Diversifikation seiner Geldanlage. Dies können bis zu mehrere hundert Aktien oder Anleihen in einem Produkt sein. Und nicht zuletzt ist die Kostenseite ein schlagendes Argument für immer mehr Anleger: Ein ETF auf den Dax etwa ist für 0,1 Prozent an jährlichen Gebühren zu haben, das ist weniger als ein Zehntel der Kosten, die ein üblicher "aktiv gemanagter" Investmentfonds erhebt.

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Das Billionengeschäft

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre hat sich Xetra, das Handelssystem der Deutschen Börse zum führenden europäischen Handelsplatz in Europa für ETFs entwickelt. Dort notieren inzwischen mehr als 1.500 der "passiven" Fonds. Von 400 Millionen Euro Ende 2000 stieg das ETF-Fondsvermögen auf 710 Milliarden Euro Ende 2019. Im vergangenen Jahr flossen allein 100 Milliarden Euro frisches Geld das Anlage-Segment. In Europa liegen eine Billion Euro in den Produkten, weltweit waren es Ende 2019 rund sechs Billionen Dollar.

Zu viel Macht für wenige Anbieter?

Bei so viel Licht gibt es aus Kritikersicht auch einige Schattenseiten der ETF-Welle: Dazu gehört zum Beispiel die Marktmacht, die die ETF-Anbieter insgesamt, vor allem aber die Platzhirsche Blackrock, Vanguard und die französische Lyxor inzwischen erhalten haben. Sie sind durch die hohen Zuflüsse in den vergangenen Jahren bei beinahe jedem mittleren und größeren börsennotierten Unternehmen mit nennenswerten Anteilen vertreten. Ein Einfluss, der prinzipiell auch geltend gemacht werden kann, auch wenn sich die Anbieter derzeit noch etwa auf Hauptversammlungen ganz überwiegend nicht zu Wort melden.

Dazu kommt eine zunehmende Machtkonzentration weniger Anbieter, die sich in einem gnadenlosen Preis- und Verdrängungswettbewerb untereinander befinden. Blackrock und Vanguard erobern weltweit immer größere Marktanteile. Im europäischen ETF-Markt ist Blackrock mit rund 45 Prozent der absolute Dominator.

ETFs als Brandbeschleuniger?

Und nicht zuletzt werden ETFs immer wieder als mögliche "Krisenverstärker" ins Visier genommen. Schnelle Abwärtsbewegungen, wie in den vergangenen Wochen im "Corona-Crash" an den Finanzmärkten, könnten durch hohe Abflüsse aus ETFs noch verstärkt werden, so das Argument. Einen klaren Beleg dafür können Kritiker dafür (noch) nicht vorlegen, auch die Wissenschaft kann das mögliche "systemische Risiko" noch nicht genau definieren. Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat keinen Beleg dafür gefunden, dass ETFs stärker als herkömmliche Fonds auf Kursstürze einwirken können. Allerdings könnte der Trend zu den Indexprodukten das "prozyklische Verhalten" von Anlegern erhöhen, zu deutsch: Den Herdentrieb.

AB

Quelle: boerse.ard.de
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