Just Eat

Essenslieferdienste Fressen und gefressen werden

Stand: 03.03.2020 08:38 Uhr

Der Trend, Essen online zu bestellen, boomt. Doch um Geld zu verdienen, kommt es entscheidend auf Größe an. Deshalb herrscht in der Branche ein ständiges Fressen und Gefressen werden.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Als besonders "hungrig" erwies sich zuletzt der niederländische Essenslieferdienst Takeaway. Das Unternehmen aus Amsterdam lieferte sich im vergangenen Jahr monatelang einen erbitterten Kampf um die Übernahme des dreimal so großen britischen Konkurrenten Just Eat. Nachdem sich die beiden Konzerne im August auf eine Übernahme geeinigt hatten, grätschte plötzlich ein südafrikanischer Investor, der Medienkonzern Naspers, dazwischen.

Den anschließenden Bieterkampf konnten die Niederländer erst Ende des Jahres für sich entscheiden. Just Eat wurde dabei von Takeaway mit umgerechnet 7,2 Milliarden Euro bewertet. Das niederländische Unternehmen selbst war Ende 2019 an der Börse rund 5,4 Milliarden Euro wert.

Satte Wachstumsraten

Dabei hatte Takeaway erst 2018 das Deutschland-Geschäft des Berliner Essenslieferanten Delivery Hero mit Marken wie Foodora, Lieferheld oder Pizza.de für 930 Millionen Euro übernommen.

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Dass der Markt für Essenslieferdienste derart umkämpft ist, liegt an den hohen Wachstumsraten. So dürften die weltweiten Erlöse in der Branche bis zum Jahr 2022 auf über 270 Milliarden Euro zulegen, prognostizieren die Experten von Euromonitor. Das entspricht einem jährlichen Plus von 13 Prozent.

Gleichzeitig hat sich die bisherige Fragmentierung in viele kleine Anbieter als Margenkiller und Kostentreiber erwiesen. Allein die Werbung verschlang Millionen. Dabei setzte sich in der Branche rasch die Erkenntnis durch, dass nur derjenige Geld verdienen kann, der über große Onlineplattformen mit zahlreichen Kunden verfügt. Die Folge war eine Welle von Fusionen und Übernahmen - und zwar weltweit.

Delivery Hero expandiert im Ausland

So beteiligte sich Delivery Hero 2019 an dem indischen Konkurrenten Zomato und kaufte ihm das Geschäft in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Inzwischen sind rund eine halbe Million aktive Restaurants im weltweiten Delivery Hero-Netzwerk.

Seitdem gelten der Nahe Osten und Nordafrika als Wachstumsträger des Konzerns. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftete Delivery Hero in diesen Regionen. Diese Verteilung dürfte sich bald ändern. Denn im Dezember 2019 kaufte Delivery Hero für 3,6 Milliarden Euro den führenden südkoreanischen Essenslieferanten Woowa.

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Vor dem Aufstieg in den Dax?

Das kam bei den Investoren gut an, die Aktie legte zu. Inzwischen bringt es das Berliner Unternehmen an der Börse auf einen Marktwert von 13,2 Milliarden Euro. Vor der Corona-Krise waren es sogar 15 Milliarden. Zum Vergleich: Konkurrent Takeaway ist rund elf Milliarden Euro wert.

Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Bewertung machten zuletzt schon Spekulationen über einen Aufstieg von Delivery Hero in den deutschen Leitindex Dax die Runde. Mit Blick auf die Marktkapitalisierung steht das Unternehmen zwar gut da. Doch der Börsenumsatz hinkt noch hinterher.

Auch Amazon und Uber eingestiegen

Das gewaltige Potenzial lockt auch Schwergewichte wie Amazon und Uber in den Markt. So hat sich Amazon mit 575 Millionen Dollar beim britischen Konkurrenten Deliveroo eingekauft. Noch haben die britischen Kartellwächter dem Deal nicht zugestimmt. Falls er scheitert, haben die Amerikaner bereits angekündigt, einen neuen, eigenen Anlauf auf dem Markt wagen.

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Auch das Mobilitätsunternehmen Uber liefert über die Tochter Uber Eats Essensbestellungen aus. Zunächst nur in den USA, ist der Dienst inzwischen auch in einigen europäischen Staaten wie Frankreich und den Niederlanden präsent. 2018 erzielte das Unternehmen damit 1,46 Milliarden Dollar.

Deutsche Firmen vorne mit dabei

In diesem Haifischbecken sind noch zwei deutsche Anbieter übrig geblieben: Neben Delivery Hero ist das vor allem der Kochboxenversender Hellofresh.

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Die Berliner legten am Morgen ihren abschließenden Geschäftsbericht für 2019 vor. Hellofresh steigerte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 37 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro - das ist deutlich mehr als die eigene Prognose, die Hellofresh erst im Oktober erhöht hatte. Gleichwohl bleibt unter dem Strich immer noch ein Verlust von 7,4 Millionen Euro - nach minus 90,6 Millionen im Jahr 2018.

Durch die Corona-Krise müssen die Prognosen der meisten Unternehmen zwar deutlich nach unten revidiert werden. Doch am Trend, Essen online nach Hause zu bestellen, dürfte die Epidemie wohl kaum etwas ändern.

Quelle: boerse.ard.de
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