Eon-Konzernzentrale in Essen

Vor Übernahme von Innogy Steiniger Weg für Eon

Stand: 13.05.2019 11:08 Uhr

Eon will die RWE-Tochter Innogy komplett übernehmen und damit zum größten Stromlieferanten Deutschlands aufsteigen. Doch der Weg zum Ziel ist steiniger als gedacht.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Seit Monaten ist die geplante Übernahme von Innogy Gegenstand intensiver Prüfungen durch die EU-Kommission. Doch die Behörde braucht mehr Zeit. Ende vergangener Woche teilte sie mit, dass die Untersuchungen bis zum 23. August fortgesetzt werden sollen. Der ursprünglich anvisierte Termin war der 23. Juli.

Die Brüsseler Beamten befürchten eine Einschränkung des Wettbewerbs. Bereits im März hatten sie Bedenken geäußert, "dass der verbleibende Wettbewerbsdruck nicht ausreichen würde, um die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens zu beschränken und Preiserhöhungen für die Verbraucher zu vermeiden".

Teile sind bereits genehmigt

Eon-Chef Johannes Teyssen
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Eon-Chef Johannes Teyssen

Tatsächlich würde Eon nach der Innogy-Übernahme zum mit Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland mit mehr als zwölf Millionen Kunden aufsteigen. Weitere 2,1 Millionen Kunden würde der Konzern mit Gas beliefern und vielerorts die Verteilnetze betreiben. Europaweit hätte Eon dann 50 Millionen Kunden. Daher fürchten Konkurrenten und Verbraucherschützer um den Wettbewerb. Die EU-Kommission prüft deshalb intensiv, ob den Stromkunden Preiserhöhungen drohen.

Einen Teil des Deals haben die Wettbewerbshüter bereits durchgewunken. So hat RWE die Genehmigung zur Beteiligung an Eon - geplant sind 17 Prozent - und zur Übernahme der erneuerbaren Energien erhalten. Auch die Übernahme der Innogy-Netze durch Eon gilt nach Einschätzung von Kartellrechtlern als weitgehend unproblematisch, da dieses Geschäft von der Bundesnetzagentur kontrolliert wird.

Bedenken beim Vertrieb

Dass die Kommission den Deal also komplett stoppen könnte wie im Fall der geplanten Fusion von Thyssenkrupp mit Tata, halten Experten für höchst unwahrscheinlich. Vielmehr wird erwartet, dass die Transaktion unter Auflagen genehmigt wird. Eon wird sich, wie in solchen Fällen üblich, in einigen Bereichen oder Ländern, etwa der Slowakei, von Geschäften trennen müssen.

Dennoch sieht Eon die geplante Übernahme des Konkurrenten Innogy im Zeitplan. Bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag zeigte sich der Konzern zuversichtlich, die erforderlichen Genehmigungen "in der zweiten Jahreshälfte" zu erhalten.

ARD-Börse: Eon hofft auf Übernahme von Innogy

13.05.2019 11:36 Uhr

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5.000 Arbeitsplätze fallen weg

Eon erhofft sich von der Übernahme und anschließenden Verschmelzung von Innogy eine neue Schlagkraft. Die erwarteten Synergien schätzt die Führungsspitze um Johannes Teyssen auf 600 bis 800 Millionen Euro im Jahr. Dieses Ziel lässt sich aber nur erreichen, wenn Innogy komplett mit Eon verschmolzen wird. Insgesamt 5.000 Arbeitsplätze sollen dabei wegfallen.

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Um dieses Projekt ohne Hindernisse durchziehen zu können, sollen die restlichen Innogy-Aktionäre per Squeeze out aus dem Unternehmen gedrängt werden. Dies ist laut Gesetz erst ab 90 Prozent möglich. 76,8 Prozent der Anteile hat Eon von RWE bereits erhalten und seinen Anteil seitdem auf knapp unter 90 Prozent ausgedehnt.

Muss Eon mehr zahlen?

Um auch die Minderheitsaktionäre los zu werden, wird Eon möglicherweise tiefer in die Tasche greifen müssen. Das wissen die Hedgefonds, die nach Bekanntwerden der Kaufpläne bei Innogy eingestiegen sind und nun auf eine Abfindung spekulieren. Den Anfang März 2018 enthüllten Plänen zufolge wurde Innogy mit 22 Milliarden Euro bewertet, was knapp 37 Euro je Innogy-Aktie entsprach.

Seitdem ist der Preis weiter gestiegen - zeitweise waren die Papiere fast 42 Euro wert. Eon-Finanzvorstand Marc Spieker hat die Hoffnungen der verbliebenen Aktionäre auf einen Preisaufschlag zwar zurückgewiesen - "Von uns aus wird es keine Aufstockung des Angebots in Zukunft geben" - doch die Innogy-Aktie hält sich weiter über der Schwelle von 40 Euro.

Innogy-Zentrale in Essen
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Innogy-Zentrale in Essen

Zudem könnte Eon auch ohne Überschreiten der 90-Prozent-Schwelle das Geschäft mit dem von Innogy verschmelzen. Die verbliebenen Innogy-Aktionäre würden dann Minderheitsaktionäre von Eon selbst. Allerdings gilt ein solcher Schritt als aufwendig und riskant, weil die Anleger dagegen klagen könnten.

Viele Fragen auf der HV

Zunächst kommt es jedoch darauf an, das grüne Licht der EU-Kommission zu erhalten. Die von der Übernahme erwarteten Synergien dürfte Eon aber erst mittelfristig realisieren können. Das Unternehmen selbst rechnet erst ab 2022 damit.

Kein Wunder also, wenn sich die Führungsspitze von Eon um Johannes Teyssen auf der morgigen Hauptversammlung in Essen vielen Fragen hinsichtlich der Übernahme von Innogy und dessen Ausgestaltung wird stellen müssen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Mai 2019 um 13:43 Uhr.

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