Disney +

Mehr Konkurrenz Disney+ drängt auf den Streamingmarkt

Stand: 12.11.2019 06:45 Uhr

Heute erreicht der Wettbewerb der Streamingdienste einen Höhepunkt: Disney+ geht an den Start - mehr Konkurrenz, niedrigere Preise. Für den Kunden ist das eine feine Sache. Für die Umwelt ist der Streaming-Trend allerdings immer mehr ein Problem.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Losgehen wird es in den USA, Kanada und in den Niederlanden. Zu Disney gehören unter anderem auch Pixar, Lucasfilm, die Marvel Studios und 21st Century Fox – für Inhalte ist also gesorgt. Bei Disney+ wird man sich die bekannten Disney-Familienfilme ansehen können, auch "Star Wars" sowie die Superheldenfilme aus dem Marvel-Universum sind im Programm.    

Unlängst gab Disney-Chef Bob Iger auch den Starttermin für West- und Mitteleuropa bekannt. Ab dem 31. März 2020 soll Disney+ in England, Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland laufen. Mehr als 500 Filme und rund 7.500 Serienepisoden werden verfügbar gemacht.

Harte Konkurrenz der Dienste

Die Streaming-Konkurrenz wird immer größer. AppleTV+ startete am 1. November und bietet ebenfalls Eigenproduktionen an, wenngleich das Angebot insgesamt deutlich kleiner ist. Im Mai 2020 wird mit HBO Max ein weiteres Schwergewicht an den Start gehen. Gezeigt werden soll irgendwann ein Prequel zur Fantasy-Erfolgsserie "Game of Thrones", bis dahin können sich die Kunden zum Beispiel an den Sitcoms "Friends" und "The Big Bang Theory" erfreuen. Zielgruppe soll verstärkt ein weibliches Publikum sein.

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So langsam braucht man Flügel, um nicht in Angeboten zu versinken: Netflix, Amazon Prime, Disney+, Apple TV, Hulu, HBO Max, YouTube Originals, dazu wird 2020 noch Peacock kommen, das Angebot von NBC Universal, und noch ein ganze Reihe anderer Anbieter wie Maxdome, Magenta TV und so weiter.

Robert Iger
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Robert Iger, CEO von Disney

Immerhin ist der harte Wettbewerb grundsätzlich gut für die Nutzer, denn die Konkurrenz zwingt – zumindest noch – zu günstigen Preisen und Lockangeboten. In den USA wird Disney+ monatlich 6,99 Dollar kosten, Apple TV 4,99 Dollar, HBO Max wird 15 Dollar verlangen, Netflix ist hierzulande ab 7,99 Euro zu sehen.

Ohne Verbraucherberatung geht nicht viel

Allein in den USA werden in diesem Jahr rund 500 Serien produziert, im Vorjahr waren es ebenso viele. Hinzu kommen nationale Produktionen, die auch auf den internationalen Markt drängen. Niemand kann das Angebot noch überblicken. Darunter dürfte auch jede Menge Serienschrott stecken. Wie soll man ihn aussortieren? Die Zeit der Nutzer ist begrenzt. Und mit dem Komaglotzen der gerade angesagten Serie ist es nicht getan.

So werden Video-Streams genutzt
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So werden Video-Streams genutzt

Wegen der Fülle der Anbieter und des fragmentierten Markts ist der Kunde gezwungen, das Angebot einigermaßen zu beobachten. Deshalb boomt Verbraucherberatung: Wir lesen über "Die besten Netflix-Serien", "Die besten Amazon-Prime-Serien", "Das sollten sie nicht verpassen", "Serienplaner 2019". Und die "Top-100-Seriencharts" wollen auch irgendwie verarbeitet werden. Der Druck, wenigstens halbwegs informiert zu sein, steigt, wenn man mit den Abonnements jonglieren möchte, um immer da zu sein, wo gerade die Serienmusik spielt.

Bitte Angebote bündeln

Eine aktuelle Umfrage aus den USA spiegelt die steigende Skepsis der umworbenen Kunden wider. Die Marktbeobachter von "TV Time" und "UTA" haben herausgefunden, dass sich nicht wenige bereits überfordert fühlen. 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, das Angebot werde zu umfangreich. 87 Prozent sorgen sich darüber, dass es für Nutzer zu teuer werde, auf dem Laufenden zu bleiben.

Neben den Kosten sehen 67 Prozent das höchste Frustrationspotenzial beim Umschalten zwischen den Diensten, 58 Prozent sorgen sich um das Management der verschiedenen Accounts. Rechnungen an verschiedene Anbieter, Passwörter, unterschiedliche Bedienung – all das muss zeitaufwändig organisiert werden. Gefallen dürfte der Branche aber, dass immerhin 42 Prozent der Kunden bereit sind, einen weiteren Streaming-Anbieter zu abonnieren, 20 Prozent sogar zwei.

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Chewbacca und Han Solo: Auch Star Wars ist im Angebot von Disney+

Der mündige Konsument muss heutzutage ständig im Grunde genommen banale Entscheidungen treffen - ein Phänomen, das man auch aus anderen Branchen kennt. Kein Wunder also, dass es unter Nutzern den Wunsch nach gebündelten Angeboten gibt: Das Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte hat dazu jüngst 2.000 Konsumenten in Deutschland befragt: "35 Prozent der Befragten sind an einem gebündelten Content-Angebot interessiert, rund die Hälfte davon würde im Gegenzug ein oder mehrere bestehende Abonnements kündigen", schreiben sie in ihrer Studie.

Zur Klimabilanz des Komaglotzens

Nicht nur viel Zeit wird beim Komaglotzen vergeudet, auch der Energieverbrauch ist horrend. Muss sich der Konsument nach der Flug-Scham jetzt auch noch mit dem Thema Streaming-Scham auseinandersetzen? Wenn man sich die Daten ansieht, die der französische Think Tank "The Shift Project" ermittelt hat, sollte man das zumindest in Erwägung ziehen.

Denn digitale Technologien sind demnach für rund vier Prozent der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Die Tendenz ist steigend. Bis zum Jahr 2025 könnten sie sich verdoppeln. Das entspreche den Emissionen der zivilen Luftfahrt, schreiben die Fachleute in ihrer Studie.

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Aufgebrochene, rissige Erde im Norden von Kenia - Auswirkungen des Klimawandels

Streaming allein soll für rund 60 Prozent des globalen Datenverkehrs verantwortlich sein. Mehr als 300 Millionen Tonnen Treibhausgase wurden dadurch 2018 in die Atmosphäre gepustet. Zum Vergleich: Deutschland kommt für das Jahr 2018 laut Umweltbundesamt auf insgesamt 907 Millionen Tonnen.

Für klimabewusste Streaming-Abonnenten könnte das bedeuten: Nur noch das glotzen, was unbedingt sein muss, Qualität vor Quantität  - oder lieber gleich zum Buch greifen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. November 2019 um 09:23 Uhr.

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