Das Logo der Deutschen Bank spiegelt sich in einer Hochhausfassade in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Deutsche-Bank-Krise Skandale kosten Geld

Stand: 01.02.2019 14:09 Uhr

Wie von Konzernchef Sewing versprochen, hat die Deutsche Bank 2018 zum ersten Mal seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Doch die anhaltenden Skandale haben dem Haus sehr geschadet.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Von wegen "die größten Rechtsstreitigkeiten sind beigelegt". Tatsächlich sitzt der Deutschen Bank weiterhin die Justiz im Nacken. Erst im November wurde das Geldhaus erneut von seiner Vergangenheit eingeholt. Eine große Ermittlertruppe von 170 Fahndern durchsuchte die Büros, weil Mitarbeiter Kunden bei der Gründung von Briefkastenfirmen in der Karibik geholfen haben sollen schmutziges Geld in sauberes zu verwandeln.

Kurz vor Weihnachten wurden dann Ermittlungen wegen möglicher illegaler Absprachen beim Handel mit US-Dollar-Anleihen bekannt. Ende Januar kam heraus, dass die Demokraten die Geschäftsbeziehungen zwischen Trump und der Deutschen Bank genauer untersuchen wollen. Und auch die US-Notenbank scheint noch nicht von der Effizienz der internen Kontrollmechanismen der Bank überzeugt zu sein.

Weitere Kursinformationen zu Deutsche Bank

Skandale kosten Geld

So prüft die Fed im Geldwäsche-Skandal um die dänische Danske Bank, ob die US-Niederlassung der größten deutschen Bank die bei ihr durchgeleiteten Vermögen der estländischen Danske-Sparte richtig kontrolliert habe.

Für die Bank sind die neuesten Skandale eine Katastrophe, haben sich doch vor allem im Investmentbanking, dem größten Geschäftszweig des Konzerns, zahlreiche Kunden abgewandt - mit verheerenden Folgen für die Erträge, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen. Allein die Durchsuchungen im November hätten die Bank einen Einnahmeausfall im dreistelligen Millionenbereich gekostet, hieß es.

Erlöse im vierten Quartal gesunken

James von Moltke
galerie

James von Moltke, CFO Deutsche Bank

Finanzvorstand James von Moltke sprach auf der Jahrespressekonferenz von Einbußen im Emissions- und Beratungsgeschäft. Allein im Anleihe- und Devisenhandel gingen die Erlöse im vierten Quartal um 23 Prozent zurück. Das gesamte Investmentbanking machte in diesem Zeitraum einen Verlust vor Steuern von 303 Millionen Euro.

Doch auch in der Vermögensverwaltung hat die Deutsche Bank wegen der Skandale Kunden und Anlagegelder verloren. Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden sind die Erträge im vergangenen Jahr um 274 Millionen Euro auf 1,75 Milliarden Euro gesunken. Und die Fondstochter DWS musste allein im vierten Quartal Kapitalabflüsse in Höhe von sieben Milliarden Euro hinnehmen.

Vertrauen verloren

Karl von Rohr
galerie

Deutsche Bank-Vorstand Karl von Rohr

Dabei hatte die Bankführung noch im September erklärt, sie habe die größten Rechtsstreitigkeiten aus der Vergangenheit hinter sich gelassen. Glaubt man Karl von Rohr, dem Rechtsvorstand der Bank, sind inzwischen 19 der 20 größten Rechtsstreitigkeiten, auf die fast 90 Prozent der Rückstellungen entfielen, ganz oder teilweise abgeschlossen. Zur Erinnerung: Seit der Finanzkrise haben die zahlreichen Gesetzesverstöße der Deutschen Bank rund 14 Milliarden Euro verschlungen.

Bankchef Christian Sewing weiß, wieviel Vertrauen die Deutsche Bank wegen der andauernden Skandale inzwischen verloren hat. Er äußert sich daher für einen Deutsch-Banker erstaunlich kleinlaut: "Wir haben das größte Interesse daran, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, und wir sind den vielen Kunden dankbar, die auch in den vergangenen Wochen zu uns gehalten haben."

6.000 Stellen abgebaut

Auf der jüngsten Jahrespressekonferenz gibt sich Sewing auch selbstbewusst. Im vergangenen Jahr habe die Bank die Bank den Grundstein für neues Wachstum gelegt. Besonders stolz ist Sewing, die Kosten um 1,1 Milliarden Euro gesenkt zu haben. 6.000 Mitarbeiter mussten gehen.

"Der Kostenabbau war uns wichtigstes Ziel für das vergangene Jahr - und wir haben es erfüllt. Das war wichtig für unsere Glaubwürdigkeit", so Sewing. An dieser Kostendisziplin will Sewing auch in diesem Jahr festhalten. So soll die Zahl der Mitarbeiter soll auf unter 90.000 sinken - das wären noch einmal 2.000 Stellen weniger als derzeit.

Positive Gedanken aus Berlin

Ziel ist, in diesem Jahr die Rendite von 0,5 Prozent auf vier Prozent zu steigern - und das aus eigener Kraft. Dank der breiten Aufstellung, vom Investmentbanking bis zur Vermögensverwaltung, einer eisernen Kostendisziplin und einer im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigeren Steuerquote sei dieses Ziel zu schaffen - vorausgesetzt natürlich, die Bank wird nicht erneut von Rechtsstreitigkeiten und Skandalen erschüttert.

Zentrale der Danske Bank
galerie

Fassade der Zentrale der Danske Bank

Von einer Fusion mit der Commerzbank der Vorstandschef hält Sewing offenbar sehr wenig. Zwar wollte er auf der Pressekonferenz die zahlreichen Spekulationen über ein Zusammengehen der beiden Institute nicht kommentieren, sagte aber, dass er es "positiv" finde, dass sich das Finanzministerium Gedanken um den Finanzstandort Deutschland mache.

Geringes finanzielles Risiko

Alles andere sei jenseits dessen, woran er derzeit denke. Zu den Auswirkungen der Skandale überließ Sewing das Wort Rechtsvorstand Karl von Rohr. Der versicherte, dass aus heutiger Sicht "keiner dieser Sachverhalte ein finanzielles Risiko" mit sich bringe wie die Rechtsstreitigkeiten der Vergangenheit. Und im Fall des Geldwäsche-Skandals der Danske-Bank habe die Deutsche Bank nichts falsch gemacht.

hr-iNFO-Kollegengespräch zu den Commerzbank-Zahlen

01.02.2019 17:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Zu dumm nur, dass die Anleger der Deutschen Bank weiter misstrauen. Am Tag der Jahrespressekonferenz, der ein Gespräch mit Analysten vorangegangen war, rutscht die Deutsche Bank-Aktie deutlich ins Minus, ans Dax-Ende.

1/6

Die jüngsten Skandale der Deutschen Bank

Razzia bei der Deutschen Bank

Durchsuchung der Zentrale
Große Aufregung im November. 170 Beamte der Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamts durchsuchen die Räume der Deutschen Bank. Grund waren Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit den sogenannten "Panama Papers".

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Februar 2019 um 15:40 Uhr in der Wirtschaft.

Darstellung: