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Konzern Deutsche Wohnen Mietendeckel trübt die Aussicht

Stand: 13.11.2019 11:15 Uhr

Die Deutsche Wohnen verdient trotz der Debatte um mehr Schutz für Mieter gut mit ihren Wohnungen. Doch die geplanten Gesetzesänderungen in Berlin werden den Wohnungskonzern stark belasten.

Von Januar bis September stiegen die Vertragsmieten auf vergleichbarer Basis um 6,4 Prozent auf 622,5 Millionen Euro. Im Durchschnitt betrug die Miete pro Quadratmeter 6,82 Euro, nach 6,55 Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis (kurz FFO 1) kletterte im Jahresvergleich um 12,8 Prozent auf 416,3 Millionen Euro. Die Leerstandsquote lag wie im Vorjahr bei 2,1 Prozent. 

Unter dem Strich blieben in den ersten neun Monaten 634,7 Millionen Euro als Gewinn hängen und damit gut 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Dazu trug bei, dass der Wert der Wohnungen geringer eingeschätzt wird als vor einem Jahr. Den Ausblick für 2019 bestätigte der Konkurrent von Vonovia, LEG Immobilien und TAG Immobilien.

Abwertungen des Wohnungsbestands

Die Abwertungen des Wohnungsbestands in der Bilanz dürften die Folge die Konzentration auf den Großraum Berlin sein. Von den bundesweit knapp 167.000 Wohnungen des Konzerns befinden sich dort knapp 116.000 Einheiten.

Durch den geplanten Mietendeckel in der Hauptstadt erwartet die Deutsche Wohnen nun hohe Einbußen. Während der Konzern seine Wohnungen in Berlin derzeit für durchschnittlich 6,83 Euro je Quadratmeter vermietet, laufe der Gesetzentwurf auf eine Begrenzung der Miete auf 6,20 Euro je Quadratmeter hinaus, erklärte Deutsche Wohnen am Mittwoch. Das Gesetz soll bis Anfang 2020 endgültig beschlossen werden und rückwirkend ab 18. Juni 2019 gelten.

330 Millionen Euro Risiko

Das im MDax gelistete Unternehmen sieht auf Sicht von fünf Jahren ein Risiko für den Cashflow von rund 330 Millionen Euro. Davon entfallen rund 190 Millionen Euro auf nicht realisierte Mietsteigerungen und rund 140 Millionen Euro auf zu erwartende Mietminderungen.

Wegen des Mietendeckels will das Unternehmen angekündigte Sanierungsmaßnahmen sowie Neubauinvestitionen in Höhe von knapp einer Milliarde Euro auf den Prüfstand stellen. Es könnten also zukünftig weniger Wohnungen in Berlin gebaut werden.

Widerstand und Charmeoffensive

Die Deutsche Wohnen hält den geplanten Mietendeckel für verfassungswidrig und geht davon aus, dass etwaige nicht realisierte Mietsteigerungen und Mietminderungen von den Mietern zurückgefordert werden könnten.

Andererseits hat der Konzern vor kurzem als Reaktion auf die geplanten Mietrechtsänderungen in Berlin ein Charmeoffensive begonnen. Ab dem ersten Juli will die Deutsche Wohnen Mieterhöhungen so begrenzen, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden muss. Das soll auch dann gelten, wenn eine Wohnung modernisiert werden sollte. Zudem soll jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben werden.

Deutsche Wohnen kauft eigene Aktien

Außerdem kündigte die Deutsche Wohne bereits am Dienstagabend ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. Der Unternehmen will bis zu 25 Millionen eigene Papiere an der Börse zurückkaufen. Das entspricht einem Anteil von rund sieben Prozent am Grundkapital. Dafür will das Unternehmen maximal 750 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Weitere Kursinformationen zu Deutsche Wohnen

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. November 2019 um 19:03 Uhr.

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