Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main | Bildquelle: picture alliance / Arne Dedert/d

Konzernumbau Tiefrotes Quartal für die Deutsche Bank

Stand: 30.10.2019 08:36 Uhr

Der Konzernumbau hat der Deutschen Bank im dritten Quartal einen drastischen Einbruch der Erträge eingebrockt. Wegen gleichzeitig gestiegener Kosten fiel ein riesiger Verlust an.

So verbuchte die Deutsche Bank im dritten Quartal 2019 einen Verlust nach Steuern von 832 Millionen Euro und einen Verlust vor Steuern von 687 Millionen Euro. Angesichts der im ersten Halbjahr aufgetürmten Verluste von 3,2 Milliarden Euro beläuft sich das Defizit bis Ende September nun auf gut vier Milliarden Euro.

Wie aus dem am Morgen vorgelegten Quartalsbericht vorgeht, musste die Bank zwischen Juli und September einen drastischen Rückgang der Einnahmen verbuchen: Sie fielen auf 5,4 Milliarden Euro, nach 6,2 Milliarden im Vorjahresquartal, ein Rückgang um fast 15 Prozent. Die Bank erklärt dies vor allem mit der Entscheidung, sich aus dem Aktienhandel zurückzuziehen.

Abbaueinheit macht eine Milliarde Euro Verluste

Während die Erlöse sanken, kletterten die Aufwendungen um vier Prozent auf 5,77 Milliarden Euro. Somit ging die Schere in der Gewinn- und Verlustrechnung weiter auseinander. Besonders hart hat es erneut die Investmentbank getroffen. Wegen gestiegener Kosten bei gleichzeitig gesunkenen Einnahmen brach der Gewinn vor Steuern um 73 Prozent auf 64 Millionen Euro ein. Auch in der Unternehmensbank sowie im Privatkundengeschäft musste die Bank deutliche Gewinneinbußen hinnehmen. Ähnlich sieht es in der Vermögensverwaltung aus: Hier sank das Ergebnis vor Steuern um 39 Prozent auf 105 Millionen Euro.

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Immerhin: Alle vier Kernbereiche der Bank waren operativ profitabel. Dass die Bank dennoch einen Verlust von 832 Millionen Euro ausgewiesen hat, liegt vor allem an der Bilanz der sogenannten "Abbaueinheit zu Freisetzung von Kapital". Hier bündelt die Bank all jene Geschäfte, von denen sie sich trennen will, wie den verlustbringenden Aktienhandel, sowie jede Menge faule Kredite. In dieser "Einheit" ist im dritten Quartal ein Verlust von einer Milliarde Euro vor Steuern angefallen.

Zahl der Mitarbeiter unter 90.000 gesunken

Im Juli hatte die Bank bekanntgegeben, im Zuge ihre Umbaus 18.000 Stellen zu streichen. Zum Quartalsende verringerte sich die Zahl der Vollzeitstellen auf 89.958, ein Rückgang um rund 4.750 im Jahresvergleich. Damit liegt die Mitarbeiterzahl erstmals seit der Übernahme der Postbank im Jahr 2010 unter 90.000.

Trotzdem bestätigte die Bank die erst im Juli herausgegebenen Mittelfristziele nur bedingt. "Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben unsere Ertragsbestrebungen sowie die Ziele für die Eigenkapitalrendite nach Steuern für das Jahr 2022 unverändert", hieß es im Zwischenbericht der Bank. Den sinkenden Erträgen durch das eingetrübte Zinsumfeld wolle das Institut unter anderem mit höheren Gebühren gegensteuern.

Weihnachtsfeier gestrichen

Wie schlecht es der Deutschen Bank geht, zeigt eine Meldung von gestern. Danach streicht das Geldhaus in diesem Jahr seinen Ruheständlern die Weihnachtsfeiern. Weil die Deutsche Bank sparen müsse, habe dies "auf allen Ebenen des Konzerns Einschnitte sowohl in personeller Hinsicht als auch in sonstigen Kostenaspekten" zur Folge, heißt es in einem Schreiben an die Pensionäre und Pensionärinnen. Die Gewerkschaft findet das Vorgehen kleinlich.

An der Börse stießen die Quartalszahlen auf ein verhaltenes Echo: Auf Tradegate gaben die Papiere der Deutschen Bank leicht nach. Analysten hatten sich bereits im Vorfeld kritisch geäußert. So beließ die Credit Suisse ihre Einstufung auf "Underperform" mit einem Kursziel von 6,00 Euro.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. Oktober 2019 um 12:39 Uhr.

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