Die Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt. | Bildquelle: REUTERS

Deutsche Bank Bald mehr als 100 Filialen weniger

Stand: 22.09.2020 15:06 Uhr

Wie die Konkurrenz, allen voran die Commerzbank, will auch die Deutsche Bank ihr Filialnetz immer weiter ausdünnen. Zugleich bereitet sich das Institut auf eine Fusionswelle in der Branche vor.

"Wir planen, das Filialnetz im Laufe des kommenden Jahres möglichst rasch auf die Zielgröße von 400 zurückzubauen", sagte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Ende vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bank 511 eigene Filialen, derzeit sind es nach Angaben der Bank etwas mehr als 500. Zusätzlich stehen den Kunden für einfache Bankgeschäfte wie Überweisungen die 800 Filialen der zum Konzern gehörenden Postbank zur Verfügung.

Mit den Schließungen sei auch ein Stellenabbau verbunden, die Zahl der Berater solle aber stabil bleiben, sagte Philipp Gossow, Leiter des Privatkundengeschäfts der Marke Deutsche Bank, der Nachrichtenagentur Reuters.

Online-Banking immer beliebter

Philipp Gossow
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Philipp Gossow, Deutsche Bank

Die wegfallenden Arbeitsplätze gehören zu den 18.000 Stellen, deren Abbau im Rahmen der neuen Konzernstrategie Vorstandschef Christian Sewing im Juli 2019 angekündigt hatte. "Die Anforderungen an die Beratung und das Filialgeschäft haben sich durch Corona weiter verändert", sagte Gossow. "Selbst Kunden, die früher nicht viel anfangen konnten mit Online-Banking, erledigen mittlerweile viele einfache Bankgeschäfte am Computer oder iPad von zu Hause aus."

Auch komplexe Beratungen wie etwa bei Wertpapieren fänden mittlerweile häufiger über Video oder Telefon statt. Seit Ausbruch der Pandemie seien auch Bargeldabhebungen weniger geworden, Kunden zahlten mehr mit Karten oder dem Smartphone. "Die Nachfrage der Kunden nach Beratung ist seit der Corona-Krise deutlich gestiegen. Die Kunden gehen aber für die Beratung seltener in die Filiale."

Für die Kundenberatung will die Bank zusätzlich sogenannte DB Anlagezentren einrichten. Kunden sollen diese bei Bedarf nach vorheriger Terminvereinbarung aufsuchen können und werden von ihrem Berater in einer Art Bankbüro beraten", sagte Gossow. "Auf die sonst übliche Infrastruktur einer Filiale wie SB-Zone oder Schalterraum verzichten wir."

Nullzinspolitik macht den Banken das Leben schwer

Neben den wegbleibenden Kunden ist es natürlich auch die Nullzinspolitik sowie durch die Pandemie entstandenen Risiken, die Banken dazu zwingen ihr Filialnetz immer weiter auszudünnen und die Kosten zu senken. Auch die Commerzbank will Zweigstellen schließen und arbeitet derzeit eine neue Strategie aus, der zufolge gut die Hälfte der Filialen wegfallen sollen.

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Die gesamte Branche versucht seit Jahren den Spagat zwischen teurem Filialnetz und digitalen Angeboten. Selbst die öffentlich-rechtlichen Sparkassen sowie die genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken sind diesem Kostendruck und den veränderten Kundengewohnheiten ausgesetzt, so dass auch insgesamt die Zahl der Bankfilialen in Deutschland schon seit Jahren abnimmt.

Gleichzeitig blickt die Deutsche Bank aber etwas optimistischer in die Zukunft als noch im Frühjahr. So bestätigte Finanzchef James von Moltke am Morgen die Jahresprognose des Instituts in Sachen Risikovorsorge. Sie werde im laufenden dritten Quartal rund 300 Millionen Euro betragen und müsse nicht erhöht werden, so der Finanzvorstand. Auch für den Rest des Jahres befinde sich die Bank auf Kurs.

Fusionen machen viel Sinn

Dennoch bereitet sich Deutschlands größte Bank auf eine erneute Konsoliderungswelle in der Bankenbranche vor. Man wolle die Gelegenheit am Schopfe fassen, sagte von Moltke auf einer Analystenkonferenz. Auch der Chef der Schweizer Konkurrentin Credit Suisse, Thomas Gottstein, steht Zusammenschlüssen von Banken offen gegenüber.

In der Schweiz hatte es zuletzt in Medienberichten geheißen, die Großbank UBS spiele ein Zusammengehen unter anderem mit den Rivalen Credit Suisse und Deutsche Bank durch. "Wir fokussieren uns auf die Umsetzung unserer eigenen Strategie und wir sind der Überzeugung, dass uns diese Strategie auf Fusionen vorbereitet, wenn die Zeit gekommen ist und sich die richtigen Gelegenheiten ergeben", sagte von Moltke.

Auf Fusionswelle vorbereiten

Das Institut arbeite "hart" daran, sich auf eine Fusionswelle vorzubereiten. "Die Konsolidierung wird in Europa an Fahrt aufnehmen." Die industrielle Logik hinter Bankenfusionen sei groß. Übernahmen im Heimatmarkt seien aber nach wie vor schwierig. 2019 hatte die Deutsche Bank auf Bitten der Commerzbank eine Fusion der beiden Häuser ausgelotet, das Vorhaben aber nach einigen Wochen abgesagt.

Auch CS-Chef Gottstein sieht Hürden bei Zusammenschlüssen innerhalb der Landesgrenzen. Diese seien mittlerweile komplizierter als früher, weil Aufsichtsbehörden Widerstände hätten gegen zu große heimische Banken. Doch die anhaltend niedrigen Zinsen belasteten die Erträge und erhöhten den Fusionsdruck auf die Banken. "Schauen wir mal, wie sich das entwickelt", sagte der Manager bei einer Branchenveranstaltung. "Aber prinzipiell machen sie sehr viel Sinn."

lg/rtr/dpa

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. September 2020 um 15:00 Uhr.

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