Deutsche Bank, Commerzbank

Deutsche Bank und Commerzbank Auch eine deutsche Großbank wäre ein Zwerg

Stand: 04.04.2019 13:17 Uhr

Der von der Bundesregierung gewünschte nationale Bankenchampion würde auch im internationalen Vergleich zu den zehn größten Banken der Welt aufschließen. Doch der Abstand zu den Chinesen bliebe riesig. Gemessen am Marktanteil wäre die neue Großbank weiterhin ein Zwerg.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Als Deutsche Bank-Chef Christian Sewing Anfang Februar die Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 vorstellte, erwähnte er die bereits damals zirkulierenden Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank mit keinem Wort. Auch die nun auf Druck von Berlin begonnenen Gespräche stellt die Deutsche Bank unter den Vorbehalt der wirtschaftlichen Logik eines Zusammengehens.

"Wir werden ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen, mit denen wir an unsere Fortschritte von 2018 anknüpfen können", schrieb Sewing in einer Mitteilung an die Mitarbeiter. Und weiter: "Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können."

Größe ist nicht alles

Tatsächlich hat gerade der ab 2008 erfolgte Zusammenschluss zwischen Commerzbank und Dresdner Bank gezeigt, dass Größe an sich kein Garant ist für höhere Gewinne. Auch nachhaltig höhere Marktanteile lassen sich damit nicht generieren. Ganz im Gegenteil.

Marktanteile der Banken in Deutschland
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Marktanteile der Banken in Deutschland

Zwar entstünde im Fall einer Fusion ein Koloss mit 38 Millionen Kunden und 130.000 Mitarbeitern, doch an der Dominanz der Sparkassen, Volksbanken und ausländischen Institute im deutschen Markt würde sich nichts ändern. Im Geschäft mit Privatkunden käme die fusionierte Großbank lediglich auf knapp 20 Prozent. Ein Wettbewerbsrisiko im Sinne einer übergroßen Dominanz entstünde also nicht.

Bald wieder unter den Top Ten?

Im internationalen Vergleich könnte sich die Bundesregierung über einen Champion freuen, der, gemessen an der Bilanzsumme, wieder zu den weltweit zehn größten Banken aufsteigen würde. Derzeit belegt die Deutsche Bank Platz 15. Zeitweise war sie sogar auf Platz 17 abgerutscht. Die Commerzbank spielt in dieser Rangordnung keine Rolle, sie kommt gerade mal auf Platz 59.

Banken im internationalen Vergleich
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Banken im internationalen Vergleich, Bilanzsumme in Milliarden Dollar

Dabei war die Deutsche Bank schon einmal weit oben. 2012, also vor sieben Jahren, belegte sie den weltweit dritten Rang, hinter der chinesischen ICBC und der britischen HSBC. Doch wie viele andere Institute auch, musste sie ihre Bilanz von den zahlreichen Risiken befreien, von faulen Krediten und undurchsichtigen Derivaten bereinigen und deutlich abspecken. Damit fiel sie im internationalen Vergleich deutlich zurück.

Chinesen unter den ersten vier

Inzwischen hat sich die internationale Rangordnung völlig neu sortiert. Vier der weltweit größten Banken kommen aus China, allen voran die Industrial & Commercial Bank of China, die mit einer Bilanzsumme von über vier Billionen Dollar die uneinnehmbare Nummer eins ist. Mit Blick auf den Markenwert wird die chinesische Dominanz noch offensichtlicher: Fünf der zehn wertvollsten Banken-Marken stammen aus China.

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Zuletzt kamen nur noch drei der zehn größten Banken der Welt aus Europa, darunter zwei aus Frankreich, die BNP Paribas und der Credit Agricole (CA). Beide verdanken ihre heutige Größe übrigens Fusionen und Übernahmen.

So hat die auf Privatkunden ausgerichtete BNP im Jahr 2.000 die Geschäftsbank Paribas übernommen. Auch der Crédit Agricole, die weltweite Nummer zehn im Bankenmarkt, verdankt seine Größe einer Übernahme, nämlich des Crédit Lyonnais, heute unter der Abkürzung LCL am Markt aktiv. Eine Fusion zwischen Deutscher und Commerzbank würde voraussichtlich den CA aus dem Ranking der ersten zehn verdrängen.

Hier geht es nur um Größe

Die Beispiele zeigen, dass ein Zusammenschluss von Banken durchaus gelingen kann und nicht wie im Falle der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank in einem Fiasko enden müssen. Doch sie machen auch die Unterschiede zu Deutschland deutlich. So waren die dortigen Übernahmen stets komplementär, die BNP stieg erst durch die Übernahme der Handels- und Geschäftsbank Paribas zu einer Universalbank auf. Und dem Crédit Agricole war daran gelegen, mit Hilfe des Crédit Lyonnais seine bis dahin schwache Präsenz in den Großstädten zu verbessern.

Dagegen geht es bei der vom Berliner Finanzministerium gewollten Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank um schiere Größe. Ergänzend, sind die Geschäfte der beiden Banken nicht. Einzig die Commerzbank würde dank des Investmentbankings der Deutschen Bank an Stärke gewinnen. Auch ließen sich mittelfristig hohe Einsparungen bei der Informationstechnologie realisieren - auf Kosten allerdings von mehreren Zehntausend Arbeitsplätzen.

Neue Fusionsgerüchte in Europa

Dabei könnte der Größenvorteil rasch wieder dahin sein. Im vergangenen Jahr berichteten Medien über ein mögliches Zusammengehen von UniCredit, dem größten italienischen Kreditinstitut, und Frankreichs Société Générale. Die beiden Banken würden dadurch zu ähnlicher Größe aufsteigen wie die beiden deutschen Institute.

In England gab es Gerüchte einer Fusion von Barclays und Standard Chartered. In den USA zeichnet sich ebenfalls eine größere Fusion ab. Dort wollen BB&T und SunTrust zusammengehen und würden danach zu den größten sechs amerikanischen Banken gehören. Es kann also nicht überraschen, dass Deutsche Bank-Chef Christian Sewing nur unter Vorbehalt zu Fusionsgesprächen bereit war.

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Die größten Banken der Welt

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Mögliche Bankenfusion: Wenig Begeisterung aber viel Kritik an Scholz
D. Rodenkirch, ARD Berlin
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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. März 2019 um 11:00 Uhr.

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