Delivery Hero

Delivery Hero in Corona-Zeiten Boom in der Krise - Bestellungen verdoppelt

Stand: 28.07.2020 08:43 Uhr

Nach Hause gelieferte Pizza, Sushi oder vegetarische Kost - das war im Corona-Lockdown der große Trend. Der Online-Essenslieferdienst Delivery Hero konnte die Bestellungen im zweiten Quartal verdoppeln. Nun strotzt das Start-up aus Berlin vor Optimismus.

Das Geschäft mit dem Bestellen von Mahlzeiten im Internet läuft so gut, dass Delivery Hero nun die Jahresprognose anhebt. Das Unternehmen aus dem MDax rechnet nun mit einem Umsatz von  2,6 bis 2,8 Milliarden Euro. Bisher waren Erlöse von 2,4 bis 2,6 Milliarden Euro angepeilt gewesen. Mit der neuen Prognosespanne liege das Unternehmen deutlich über dem Marktkonsens, sagte ein Händler. Das Wachstum sei weiterhin beeindruckend, forciert vor allem durch die Corona-Krise.

Umsatz fast verdoppelt, Verlust vergrößert

Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um satte 96 Prozent auf 612 Millionen Euro. Die Bestellungen verdoppelten sich fast auf 281 Millionen Euro.

Profitabel ist Delivery Hero aber trotz des Corona-Booms noch lange nicht. Im ersten Halbjahr vergrößerte sich der Verlust sogar noch. Das bereinigte Ebitda stieg auf minus 319,5 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch bei knapp der Hälfte (171,1 Millionen Euro) gelegen.

Weitere Kursinformationen zu Delivery Hero

Aktie im Höhenflug

Anleger ignorieren die roten Zahlen. Sie sehen die große Wachstumsstory. Die Aktie von Delivery Hero gewinnt vorbörslich auf Lang & Schwarz 2,6 Prozent auf 97 Euro. Damit nähert sie sich wieder dem Anfang Juli erreichten Rekordhoch von 106,20 Euro. Seit dem Corona-Krisentief Mitte März bei gut 50 Euro hat sich der Kurs zeitweise mehr als verdoppelt.

Wann Delivery Hero die Gewinnschwelle erreicht, ist offen. "Ich weiß es wirklich nicht", antwortete Vorstandschef Niklas Östberg am Freitag auf die Frage des "Handelsblatts" zum Zeitpunkt des Break Even. "Ich möchte mich nicht auf ein fixes Ziel festlegen."

Er habe schon einmal ein Datum genannt und sich dann geirrt. Tatsächlich wollte Delivery Hero schon 2018 operativ schwarze Zahlen schreiben. Von diesem Ziel distanzierte sich der Online-Essenslieferdienst dann wieder. Seither weicht Östberg den Break-Even-Fragen immer wieder aus. "Wir werden die Gewinnschwelle knacken, wenn wir groß genug sind", sagte er zuletzt Ende April. Man müsse einfach nur geduldig sein.

Steigt Delivery Hero bald in den Dax auf?

Mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen 19 Milliarden Euro gilt der Online-Essenslieferdienst als heißer Kandidat für den Dax-Aufstieg. Das Berliner Start-up könnte die Skandalfirma Wirecard ersetzen. Delivery Hero gilt als einer der Gewinner der Corona-Krise und profitiert gerade in der Phase der sozialen Einschränkungen und geschlossenen Restaurants von Essensbestellungen nach Hause.

ARD-Börse: Delivery Hero bald im Dax?

28.07.2020 12:03 Uhr

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Doch ob das Geschäftsmodell der Berliner auch nach Corona tragfähig ist, bezweifeln manche Experten. Sie glauben, dass das Geschäft mit eigenen Fahrern nicht profitabel werden kann. Online-Lieferdienste müssten vor allem Aufträge an Gastronomen mit eigener Lieferflotte vermitteln, also etwa an klassische "Pizzataxis". Delivery Hero setzt dagegen auf eigene Lieferanten.

Immer mehr Konkurrenz

Zudem drängen immer mehr Konkurrenten in das Lieferdienst-Geschäft. So sind Uber und Grab in den Markt eingestiegen. Delivery-Hero-Chef Östberg hat das überrascht. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass Konzerne wie Uber all ihre Anstrengungen in Speisen legen."

Delivery Hero wäre der erste Dax-Konzern ohne nennenswertes Deutschland-Geschäft. Die deutschen Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de hat das Berliner Unternehmen vor zwei Jahren an Takeaway.com verkauft. Der Schnell-Lieferservice ist in 35 Ländern in Europa, im Nahen Osten, in Asien und in Lateinamerika präsent. "75 Prozent unseres Geschäfts ist profitabel", sagt Östberg.

Nun will Delivery Hero ab dem dritten Quartal auch Essen in Japan ausliefern. Vorstandschef Östberg sieht dort gute Erfolgschancen.

nb

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk im Börsenausblick am 28. Juli 2020 um 07:35 Uhr.

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