Ola Källenius

Källenius löst Zetsche ab Daimlers Zukunft liegt in neuen Händen

Stand: 22.05.2019 08:30 Uhr

Der Generationswechsel bei Daimler wird Realität. Auf der Hauptversammlung übergibt Dieter Zetsche nach mehr als 13 Jahren das Zepter an den Schweden Ola Källenius. Der Nachfolger von „Dr. Z“ wird mit dem Konzernumbau einiges zu tun haben – und nicht nur damit.

Nach 13 Jahren endet die Ära Dieter Zetsche, der im Jahr 2006 den Posten als Vorstandschef von Jürgen Schrempp übernommen hatte. Damals war Zetsche Chef eines Konzerns namens DaimlerChrysler. Zetsche habe eine Perle aus Daimler gemacht, meint der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer mit Blick auf die Rekordzahlen der vergangenen Jahre. Jetzt erbt der 49-jährige Schwede Ola Källenius seinen Job.

Ola Källenius (l.) und Dieter Zetsche
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Ola Källenius (l.) und Dieter Zetsche

Aber die fetten Jahre scheinen vorbei zu sein. Zuletzt zeigte die Tendenz abwärts. Sowohl die Zahlen des Gesamtjahres als auch der Start ins laufende Geschäftsjahr fielen für Daimler etwas enttäuschend aus. Die letzten Jahre seien die wirtschaftlich besten der Automobilgeschichte mit Rekordabsätzen und hohen Gewinnen gewesen, meint der Direktor des Center of Automotive Studies (CAM), Stefan Bratzel. „Diese 'goldene Periode', die wesentlich noch auf den etablierten Geschäftsmodellen basierte, geht jetzt aber zu Ende.“ Källenius wird Antworten finden müssen.

Elektromobilität und autonomes Fahren sind die aktuellen Themen, die derzeit die gesamte Automobilbranche beschäftigen – und nicht nur die. Auch das Silicon Valley versucht, die Zukunft der Mobilität mitzubestimmen. Wer wird den Wettlauf gewinnen? Der Umbau der Daimler-Flotte wird jedenfalls viele Milliarden kosten. Bratzel vom CAM fasst die Lage zusammen: „Die Autohersteller sind mit der Frage konfrontiert, wie sie die Rieseninvestitionen stemmen können, die jetzt erforderlich sind und die sich eventuell erst in einigen Jahren rechnen werden. Es geht schließlich um einen künftigen Milliardenmarkt, die Hoffnung auf ein Riesengeschäft ist groß.“

„Pioniergeist ist Teil unserer DNA“

Vor wenigen Tagen stellte Källenius die neue Nachhaltigkeitsstrategie „Ambition2039“ vor. Während der nächsten 20 Jahre soll die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars CO2-neutral werden. Im Jahr 2030 peilt das Unternehmen mehr als 50 Prozent des Pkw-Absatzes mit Plug-In Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen an.

So lässt sich Källenius auf der Website zitieren: „First Move the World – das ist unser Purpose bei Mercedes-Benz Cars. Das ist der tiefere Sinn unserer Arbeit, unser Antrieb, unser ‚wozu‘. Dieser Pioniergeist ist Teil unserer DNA.“ Pioniergeist in der Autobranche ist teuer, die Entwicklungskosten hoch. Und das drückt auf die Rendite. Der neue Boss wird um ein Sparprogramm nicht herumkommen.

Weitere Kursinformationen zu Daimler

Die Aktionäre sind vorbereitet: Daimlers scheidender Vorstandschef Zetsche hatte bei der Bilanzpressekonferenz im Februar bereits „Gegenmaßnahmen“ angekündigt, um die Profitabilität der Pkw-Sparte zu steigern. „Wir müssen an die bestehenden Kosten ran, um Mittel freizuschaufeln für die Investitionen der Zukunft“, hatte auch Daimlers Personalvorstand Wilfried Porth gesagt. Der Fokus liegt laut Porth aber stärker auf der Verwaltung als auf der Produktion. Zumindest für die Beschäftigten in Deutschland gibt es eine Jobgarantie bis Ende 2029.  

Mercedes-Benz Cars
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Mercedes-Benz Cars

Um Kosten zu sparen, hatte Daimler zuletzt auf Kooperationen gesetzt. Die Kleinwagenmarke Smart wird künftig ganz wesentlich in China gefertigt und dort vom Band rollen. Daimler gründet dazu ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Auto-Hersteller Geely, der als Großaktionär an Bord ist. Mit BMW entwickelt Daimler eine gemeinsame Plattform für autonomes Fahren und plant, die Mobilitätsdienste zu bündeln.

Das „Projekt Zukunft“: Die neue Konzernstruktur

Neue Daimler-Struktur
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Die neue Daimler-Struktur

Aber der Umbau betrifft nicht nur die Elektromobilität. Auf der Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre auch über eine neue Konzernstruktur. Unter der Führung einer Holding, der Daimler AG, sollen drei rechtlich selbstständige Geschäftseinheiten entstehen. In der Mercedes-Benz AG werden die Bereiche Cars & Vans gebündelt, die Daimler Truck AG vereint die Truck- und Bus-Sparte. Die Daimler Mobility AG umfasst Mobilitäts- und Finanzdienstleistungen.

Das kostet richtig viel Geld: Im auf der Daimler-Website verfügbaren Ausgliederungsbericht werden die Kosten auf 610 Millionen Euro beziffert, allein 220 Millionen davon müssen für Transaktions- und Beratungskosten aufgewendet werden. 2019 und 2020 werden die anfallenden laufenden Kosten demnach auf rund 155 Millionen Euro steigen. Und was bekommt Daimler dafür? „Um auf die hohe Dynamik des Umfeldes, der Märkte, der neuen Wettbewerber und Technologien reagieren zu können, brauchen wir eine Organisation, die schnelles und agiles Handeln ermöglicht“, heißt es dazu auf der Firmenseite.

Ob das zutrifft, wird die Praxis zeigen. Die „Stuttgarter Zeitung“ zitiert ein ehemaliges Daimler-Vorstandsmitglied, das Reibereien und einen teuren Dauerkonflikt zwischen der Holding und den Töchtern prophezeit, weil Doppelstrukturen aufgebaut würden.

Källenius erbt zudem ein Kartellverfahren der EU, die EU-Kommission verdächtigt BMW, Daimler und Volkswagen, Wettbewerb bei der Verringerung von Abgasen durch Absprachen vermieden zu haben. Auch beim Dieselskandal droht noch Ungemach. Der Handelsstreit zwischen den USA und China und Trumps Zolldrohungen werden ihn ebenfalls beschäftigen.

ARD-Börse: Gute Noten für Daimler-Chef Zetsche

22.05.2019 17:19 Uhr

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Es sind also keineswegs nur angenehme Aufgaben, denen sich Källenius widmen muss. Der Manager wird - wie alle, auf die seine Jobbeschreibung zutrifft - harte Entscheidungen treffen müssen. Das sollte kein Problem sein. Stefan Bauknecht, Automobilanalyst der Deutsche-Bank-Tochter DWS, sagte gegenüber Reuters, Källenius könne nach seinem Eindruck gut zuhören, sich eine Meinung bilden und dann durchgreifen.

ts

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Die Daimler-Geschichte

1883: Daimler-Geschichte

1883: Gründung Benz & Cie.

Im Jahr 1883 gründet der Ingenieur Carl Benz (1844-1929) die "Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim" zusammen mit Max Caspar Rose und Friedrich Wilhelm Eßlinger. Durch sein neues Unternehmen sieht Benz bessere Möglichkeiten, um den zuvor entwickelten, ersten funktionierenden Zweitaktmotor zu vermarkten. Schnell werden 800 Stationärmotoren verkauft.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Mai 2019 um 09:00 Uhr.

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