Daimler-Chef Dieter Zetsche posiert vor einem Wagen. | Bildquelle: REUTERS

Quartalszahlen Daimler noch schwächer als erwartet

Stand: 06.02.2019 15:21 Uhr

Daimler hat im vergangenen Jahr einen noch größeren Gewinneinbruch erlitten als befürchtet. Vor allem im Pkw-Geschäft gab es heftigen Gegenwind. Den bekommen auch die Aktionäre zu spüren. Sie erwartet eine schwächere Dividende.

Die Ausschüttung soll von 3,65 Euro im Vorjahr auf 3,25 Euro sinken. Analysten hatten dagegen mit 3,45 Euro gerechnet. Auch das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ging stärker zurück als Experten erwartet hatten. So sank das Ebit im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 12,1 Milliarden Euro gerechnet.

Unter dem Strich verdiente Daimler noch 7,6 Milliarden Euro, das waren drei Milliarden Euro weniger als 2017. Auch die rund 130.000 Tarifmitarbeiter in Deutschland erhalten dieses Mal einen geringeren Bonus von 4.965 Euro nach 5.700 Euro 2018.

Zahlreiche Bremsfaktoren

Daimler AG-Chef Dieter Zetsche
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Daimler AG-Chef Dieter Zetsche nachdenklich

Der Umsatz kletterte hingegen um zwei Prozent auf 167,3 Milliarden Euro bei einem leicht gestiegenen Absatz. "Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche zur Präsentation seiner letzten Jahresbilanz nach 13 Jahren an der Konzernspitze. Vor allem die Diesel-Diskussion, das neue Abgastestverfahren WLTP und der weltweite Handelsstreit belasteten.

Die Aktie des Dax-Konzerns reagierte im Frühhandel mit Abschlägen von 1,5 Prozent auf die Zahlen. Dabei ist das Papier bereits im Vorjahr um 35 Prozent eingebrochen. Vor allem im größten Geschäftsfeld Pkw hatte der Autobauer mit hohen Ausgaben und Sonderlasten zu kämpfen. Höhere Importzölle in China gegenüber den USA im Handelsstreit verteuerte die SUV-Importe aus Amerika, was die Nachfrage dämpfte und die Gewinnspanne verringerte.

Rendite bei Mercedes sinkt auf 7,8 Prozent

Die Rendite der Marke mit dem Stern knickte um rund anderthalb Prozentpunkte auf 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein und lag damit noch unter der Zielmarke des Konzerns von acht bis zehn Prozent. Diese soll erst wieder 2021 erreicht werden. Bis zuletzt hatte der Konzern die Ambition, bei Mercedes-Benz eine Rendite von zehn Prozent zu erreichen, jetzt sind es noch sechs bis acht Prozent.

Weitere Kursinformationen zu Daimler

Die kleinere Lastwagensparte Daimler Trucks konnte hingegen von einer hohen Nachfrage in den USA profitieren und steigerte das operative Ergebnis um 16 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.

Kein Stellenabbau geplant

Konzernchef Zetsche erklärte am Morgen Daimler habe begonnen, umfassende Gegenmaßnahmen zu erarbeiten. Wie genau die aussehen sollen, ließ Zetsche zunächst offen. Ein Stellenabbau sei aber nicht geplant, sagte ein Sprecher. Für die Stammbelegschaft in Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Schon im vergangenen Jahr hatte Daimler angekündigt, wegen hoher Entwicklungsinvestitionen in der Pkw-Sparte bis 2021 vier Milliarden Euro an Kosten sparen zu wollen. Hintergrund sind unter anderem die hohen Investitionen in die neuen Elektro-Modelle. In diesem Jahr kommt das erste Auto der neuen Marke EQC auf den Markt.

In diesem Jahr erwartet Daimler bei anhaltend hohen Vorleistungen für die geplanten neuen Elektroautos oder für autonomes Fahren nur eine leichte Besserung. Umsatz, Absatz und Ebit sollen leicht steigen, was beim Ergebnis einen Zuwachs von mehr als fünf Prozent bedeutet.

Größter Umbruch der Geschichte

Daimler Urbanetic
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Daimler Urbanetic

Die Pkw-Umsatzrendite könnte noch weiter absacken, denn die deutsche Autoindustrie steckt im größten Umbruch ihrer Geschichte. Klimaschutz und Digitalisierung zwingen sie dazu, auf elektrisch und selbst fahrende Autos umzusteigen. Mobilitätsdienste wie Car-Sharing oder Shuttles sollen das lukrative Geschäft von morgen sein.

Das alles erfordert enorme Investitionen, während sich die Autokonjunktur weltweit, belastet von Handelsstreit und Brexit, abkühlt. "Ein profitables Geschäft ist die Voraussetzung, um auch künftig in neue Technologien und Produkte investieren zu können", erklärte Zetsche. Der Stuttgarter Konzern will in den kommenden beiden Jahren weiterhin 7,5 Milliarden Euro im Jahr investieren und neun Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken. Zugleich sollen Effizienzmaßnahmen die Kosten im Zaum halten.

lg/rtr/dpa

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Daimler und Tesla sprechen wieder miteinander

Daimler und Tesla sprechen wieder miteinander

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Februar 2019 um 11:00 Uhr.

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