Ein Forscher von Eli Lilly testet  in einem Labor in Indianapolis mögliche COVID-19-Antikörper. | Bildquelle: AP

Corona-Forscher Eli Lilly Rückschlag bei Trumps "Heilmittel"

Stand: 14.10.2020 08:51 Uhr

Nach seiner Corona-Erkrankung hat Donald Trump die experimentellen Antikörpertherapien von US-Pharmakonzernen als "Heilmittel" gepriesen. Nun hat Eli Lilly die klinische Erprobung eines solchen Mittels unterbrochen.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Eine unabhängige Expertengruppe, die unter anderem die Patientensicherheit während klinischen Studien überwacht, habe dies empfohlen, teilte Eli Lilly am Dienstag mit.

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Eli Lilly pausiert seine Covid-19-Forschung vorerst

Bei den klinischen Tests wird Covid-19-Patienten ein Cocktail aus synthetischen Antikörpern gespritzt. Warum der US-Pharmakonzern diese Vorsichtsmaßnahme ergriff, blieb zunächst unklar. Eli Lilly machte dazu keine Angaben.

Trump ist Fan von Antikörper-Cocktails

Besonders pikant: Bei der experimentellen Antikörpertherapie von Eli Lilly handelt es sich um eine ähnliche Therapie, wie sie auch US-Präsident Donald Trump während seiner Corona-Erkrankung bekam.

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Ist nach eigenen Angaben jetzt immun: Donald Trump

Trump wurde mit einem Antikörper-Cocktail des heimischen Eli-Lilly-Konkurrenten Regeneron behandelt. Nach seiner Genesung bezeichnete Trump die experimentellen Antikörpertherapien von Regeneron und Eli Lilly als "Heilmittel", als "Wundermittel", die er jetzt schnell allen Corona-infizierten Amerikanern zugänglich machen wolle, und zwar kostenlos. In der Folge stiegen die Aktienkurse von Regeneron und Eli Lilly rasant.

Experten üben heftige Kritik

Bereits damals hieß es von Expertenseite, dass Trump und seine Ärzte gegen allerlei medizinische Grundsätze verstoßen würden, da sich das experimentelle Medikament von Regeneron erst in der zweiten von drei klinischen Testphasen befindet, seine Sicherheit und Wirkung bei der Behandlung von Covid-19 also noch gar nicht bestätigt ist.

"Es ist schlechte Wissenschaft, schlechte Medizin und schlechte Ethik, mächtigen Leuten unerprobte Dinge zu geben, die man normalen Leuten nicht gibt", sagte damals Medizindozent Vinay Prasad von der Universität von Kalifornien in San Francisco.

Nicht der erste Studien-Stopp

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AstraZeneca kann jetzt weitermachen mit seiner Impfstoff-Studie

Die Ankündigung von Eli Lilly, die klinische Erprobung seiner Corona-Antikörper-Therapie zu stoppen, ist aber nicht der einzige Rückschlag, den Anleger zu verkraften haben. So hat der US-Arzneimittelhersteller Johnson & Johnson seine Impfstoff-Studie am Dienstag vorübergehend gestoppt. Hier wurde als Grund die ungeklärte Erkrankung eines Probanden angeführt.

Zuvor musste bereits der britische Pharmakonzern AstraZeneca seine Corona-Impfstoffstudie zwischenzeitlich pausieren, nachdem ein Teilnehmer ernsthafte Nebenwirkungen zeigte. Am Montag aber gab das Unternehmen dann den Start der dritten und entscheidenden klinischen Testphase bekannt.

Börsen sind noch in der Lernphase

Weltweit ist bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Virus Sars-CoV-2 ein Wettrennen ausgebrochen. Dabei gibt es immer wieder auch Rückschläge. Solche Rückschläge gehören aber laut Branchenkennern zur Impfstoff- und Medikamentenforschung dazu, ja sie sind völlig normal.

Nur die Börsen müssen das in der Corona-Krise noch lernen. Entsprechend heftig fallen derzeit die Kursschwankungen bei Pharma- und Biotech-Aktien aus: Auf Euphorie und raketengleiche Kursexplosionen bei positiven Studienresultaten folgen Ernüchterung und Kursverluste, wenn es zu – erwartbaren – Rückschlägen in den klinischen Testphasen kommt.

Weitere Kursinformationen zu Johnson & Johnson

Weitere Kursinformationen zu Eli Lilly

Am Dienstag verloren die im Dow Jones notierten Aktien von Johnson & Johnson trotz einer Prognoseerhöhung 2,3 Prozent. Papiere von Eli Lilly rauschten 2,9 Prozent in die Tiefe.

Quelle: boerse.ard.de
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