Das Schild einer Commerzbank-Filiale ist nahe der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main platziert.  | Bildquelle: dpa

Spekulationen nach Fusions-Aus Übernahmekandidat Commerzbank

Stand: 25.04.2019 15:05 Uhr

Die Aktionäre der Commerzbank reagieren enttäuscht auf den Abbruch der Gespräche mit der Deutschen Bank. Dabei zeigt die Entwicklung des Aktienkurses seit Jahresbeginn, dass das Frankfurter Geldhaus eindeutig als Übernahmekandidat gehandelt wird.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Seit Jahresbeginn hat die Commerzbank-Aktie zeitweise 40 Prozent zugelegt. Zwar musste das Papier zuletzt etwas abgeben, doch das bis heute verbliebene Plus von rund einem Drittel ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass die zweitgrößte, börsennotierte Bank Deutschlands als Übernahmekandidat gilt.

Zwar wird die Commerzbank seit bald 25 Jahren regelmäßig als Kaufkandidat gehandelt - wobei fast alle großen Namen der europäischen Bankenlandschaft schon einmal genannt wurden, von der französischen BNP-Paribas über die italienische UniCredit bis zur Schweizerischen UBS. Doch ob eines dieser Häuser tatsächlich einmal mehr als ein Auge auf die Commerzbank geworfen hat, ist bis heute ungewiss.

Kommt jetzt die ING?

Zuletzt wurde ein neuer Kaufkandidat ins Spiel gebracht, der bisher nicht in Erscheinung getreten war: die holländische ING. Sie betreibt hierzulande seit vielen Jahren mit großem Erfolg eine Onlinebank, früher bekannt unter dem Namen ING-Diba, mit inzwischen neun Millionen Privatkunden. Zudem hatten die Holländer einst die inzwischen untergegangene BHF Bank gekauft, um auf den deutschen Firmenkundenmarkt einzutreten.

Leider erwies sich die Übernahme als Flop, doch das Interesse des Amsterdamer Instituts an einer aktiven Rolle im heimischen Firmenkundengeschäft scheint geblieben zu sein. Das "Manager Magazin" berichtete Mitte April, die ING habe die Commerzbank und die Bundesregierung um Gespräche über eine Übernahme des Frankfurter Geldhauses gebeten. Dabei habe die ING sogar eine Verlegung des Hauptsitzes von Amsterdam nach Frankfurt angeboten.

Weitere Kursinformationen zu Commerzbank

Zielke befürwortet Übernahme

Außerdem habe Bankchef Ralph Hamers versprochen, dass bei einer Übernahme der Commerzbank weniger Stellen abgebaut würden als bei einer deutsch-deutschen Bankenfusion. Zielke habe die Aufnahme formeller Gespräche jedoch abgelehnt, den Kontakt allerdings nicht gänzlich abgebrochen.

Weitere Kursinformationen zu ING

Eine Quelle hierfür wurde nicht genannt. Konkrete Anfragen an den Commerzbank-Vorstand, formelle Übernahmegespräche aufzunehmen, gab es Finanzkreisen zufolge bisher aber nicht. Commerzbank-Chef Martin Zielke gilt grundsätzlich als Befürworter einer Partnerschaft oder eines Zusammengehens mit einem anderen Institut.

In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb Zielke nach dem Abbruch der Gespräche mit der Deutschen Bank: "Ich weiß, dass viele von Ihnen nicht nachvollziehen konnten, warum wir diese Gespräche überhaupt geführt haben. Aber glauben Sie mir: Es gab gute Gründe hierfür. Wir wollen wachsen. Dazu gehört auch, externe Optionen zu prüfen."

Mangelnde Größe

Martin Zielke
galerie

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Denn das alte Problem der Commerzbank, mangelnde Größe in allen Geschäftsfeldern, besteht bis heute weiter. Auch die Übernahme der Dresdner Bank 2009 hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Der Kauf der einst zweitgrößten deutschen Bank hätte der Commerzbank beinahe das Genick gebrochen. Ohne die Hilfe des Staates hätte sie die Transaktion nicht stemmen können. Neue Marktanteile hat sie trotzdem keine hinzugewonnen.

Heute verfügt die Commerzbank mit dem Bund zwar über einen stabilen Ankeraktionär, doch ähnelt sie immer noch einer Art Bauchladen, der von allem ein wenig anbietet, aber nirgends auch nur annähernd eine dominante Stellung besitzt. Aus dem Investmentbanking musste sie sich nach der Finanzkrise sogar komplett verabschieden.

Angesichts der gewaltigen Investitionen in die Digitalisierung des Bankgeschäfts und der teuren Vorgaben der Regulierer wird die Bank einen finanzkräftigen Partner an ihrer Seite brauchen. All dies spricht für eine Konsolidierung.

Keine Frage des ob, sondern des wann

Davon scheinen auch die meisten Analysten überzeugt. So rechnet der Vermögensverwalter Hermes Investment Management nach dem Scheitern der innerdeutschen Bankenfusion mit einer Übernahme der Commerzbank durch einen ausländischen Konkurrenten. "Ich erwarte, dass die Commerzbank von einer anderen europäischen Bank gekauft wird. Es ist eine Frage des 'Wann', nicht des 'Ob'", sagte Filippo Alloatti, Kreditanalyst bei Hermes. Zu den wahrscheinlichsten Käufern gehörten die niederländische ING, die italienische HVB-Mutter UniCredit und die französische BNP Paribas.

Schützenhilfe in dieser Frage kommt auch von Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Generell gelte, dass Größe in der Finanzbranche wichtig sei. "Vielleicht ist unser Problem nicht 'too big to fail' sondern 'too small to scale'. Size matters."

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. April 2019 um 15:40 Uhr.

Darstellung: