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Teurer Konzernumbau Commerzbank in den roten Zahlen

Stand: 05.11.2020 08:51 Uhr

Während die Deutsche Bank und andere große Geldinstitute im abgelaufenen Quartal Gewinne erzielt haben, hat die Commerzbank Verluste gemacht. Der Stellenabbau und die Vorsorge für Kreditausfälle kamen sie teuer zu stehen.

Das fehlende Investmentbanking machte sich schmerzlich bemerkbar: Unterm Strich fiel im dritten Quartal ein Verlust von 69 Millionen Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte die gelbe Bank noch einen Gewinn von 272 Millionen Euro geschafft. Die Konzernerträge schrumpften leicht auf zwei Milliarden Euro - auch wegen einer Rückstellung für Rechtsrisiken bei der polnischen Tochter mBank.

Schuld an den roten Zahlen ist zum einen der teure Konzernumbau. Die Schließung von 200 der 1.000 Filialen und der Stellenabbau belasteten die Bank mit gut 200 Millionen Euro. Hinzu kamen Rückstellungen. Die Vorsorge für Kreditausfälle hat sich mit 272 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Im Vorjahr waren noch 114 Millionen Euro dafür vorgesehen.

Verlust auch im Gesamtjahr

Der Vorstand rechnet weiterhin auch im Gesamtjahr mit einem Verlust. Wie hoch dieser sein werde, hänge maßgeblich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab, erklärte das Commerzbank-Management. Finanzchefin Bettina Orlopp rechnet im vierten Quartal mit weiteren Belastungen durch drohende Kreditausfälle und Umbaukosten. Im Moment fühle sie sich mit der Prognose von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro an Risikovorsorge für faule Kredite im Gesamtjahr wohl. Die Folgen der neuen Corona-Lockdowns ließen sich noch nicht abschätzen

Etwas optimistischer ist die Bank bei der Kapitalausstattung geworden. Sie erwartet nun eine harte Kernkapitalquote zum Jahresende von mindestens 13 Prozent. "Wir haben ein stabiles Kundengeschäft und eine starke Kapitalausstattung", sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. "Das ist eine gute Basis für künftige Belastungen aus der Corona-Krise."

Im Privatkundengeschäft erwartet die Bank im laufenden Jahr weitgehend stabile Erträge. Dagegen sei im Firmenkundensegment "mit stärkeren Corona-Effekten zu rechnen".

Fällt bald jeder vierte Job weg?

Um aus den roten Zahlen zu kommen, will die Commerzbank stärker auf die Kostenbremse drücken. Doch die geplante radikale Verschärfung des Sparkurses liegt auf Eis, bis der Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof zum Jahreswechsel die Nachfolge von Commerzbank-Chef Martin Zielke antritt. Finanzkreisen zufolge sollen dem verschärften Sparkurs, den die Bank eigentlich schon im Sommer auf den Weg bringen wollte, 10.000 Stellen und damit jeder vierte Job zum Opfer fallen. "Wir müssen bei der Kostenreduzierung vorankommen. Wir können uns keinen Stillstand leisten", sagte Finanzchefin Orlopp am Donnerstag. Analysten rechnen damit, dass die Commerzbank erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird.

Weitere Kursinformationen zu Commerzbank

Mit der Eingliederung ihrer Online-Tochter Comdirect will die Commerzbank den Ausbau digitaler Angebote vorantreiben und Kosten senken, weil Doppelfunktionen wegfallen. Anfang dieser Woche wurde die Verschmelzung der beiden Häuser ins Handelsregister eingetragen. "Mit der Übernahme der Comdirect haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, um profitabler und noch besser zu werden", stellte der scheidende Commerzbank-Chef Martin Zielke fest.

Die Aktie des Frankfurter Geldinstituts steigt vorbörslich leicht um 0,4 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der MDax-Titel über 25 Prozent an Wert eingebüßt.

nb

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. November 2020 um 11:00 Uhr.