Commerzbank

Commerzbank-Jubiläum Kaum Grund zum Feiern

Stand: 26.02.2020 07:16 Uhr

Die Commerzbank begeht an diesem Aschermittwoch ihren 150. Geburtstag. Grund zum Feiern gibt es eigentlich nicht, ist die Bank doch seit vielen Jahren ein Sanierungsfall. Aber sie lässt sich auch nicht unterkriegen.

Wenn das mal kein böses Omen ist. Ausgerechnet am Aschermittwoch, dem 26. Februar, begeht die Commerzbank ihren 150. Gründungstag, um Rahmen einer eher beschaulichen Matinee im Frankfurter Palmengarten.

Vor 25 Jahren war das noch ganz anders. Damals mietete die Commerzbank das gesamte Frankfurter Waldstadion und alle 21.000 Mitarbeiter waren geladen. Als Starmoderator führte Günter Jauch durch die Veranstaltung. Und zum Abschluss gab es eine spektakuläre Lasershow.

Seit zehn Jahren in der Krise

Dass die Commerzbank zum 150.Jubiläum auf eine opulente Feier verzichtet, ist verständlich. Steckt das Geldhaus doch tief in der Krise und rettet sich von einem Sanierungsplan zum nächsten.

Erst im vergangenen Herbst hat das Management ein neues Sparprogramm aufgelegt, dem 4.300 weitere Stellen zum Opfer fallen sollen. Aus dem Dax, der ersten Börsenliga, ist das Haus längst abgestiegen. Kein Wunder, offenbart doch ein Blick auf die Kursentwicklung seit der Finanzkrise vor zwölf Jahren einen dramatischen Verfall, von 220 Euro je Aktie auf zuletzt noch 6 Euro.

Gründung in Hamburg

Dabei hatte alles sehr hoffnungsvoll begonnen. Am 26. Februar 1870 gründen Kaufleute und Privatbankiers die "Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg". Sie nimmt am 25. April ihre Geschäfte auf und prosperiert.

Im Zuge der raschen Industrialisierung nach der Reichsgründung 1871 steigt sie zu einer der führenden Geldhäuser des Landes auf. Durch die 1905 erfolgte Übernahme der Berliner Bank verlagert sich ihr Schwerpunkt in die aufstrebende Hauptstadt. Mit der Übernahme 1920 der Mitteldeutschen Privat-Bank in Magdeburg steigt die Commerzbank zu einer der größten Filialbanken Deutschlands auf.

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Verstaatlichung 1932

Eine erste Zäsur erlebt die Bank 1932, als sie auf Geheiß der Reichsregierung mit dem Barmer Bank-Verein fusionieren muss. In der Folge ist die Reichsbank mit 70 Prozent der größte Anteilseigner. Doch schon 1936/37 werden die Anteile wieder veräußert. Im Krieg expandiert die Commerzbank in die von der Wehrmacht besetzten Länder West- und Osteuropas.

Nach 1945 wird sie wie alle großen deutschen Konzerne zerschlagen. Erst 1958 kommt es zu einem Zusammenschluss der Nachfolgeinstitute und damit zu einem Neustart. Bis 1989 steigt die Commerzbank dann zu einer der drei führenden deutschen Großbanken auf mit gut vier Millionen Kunden.

Aufstieg und Giftpille

Doch schon damals erweist sich die Übermacht der unveräußerlichen Sparkassen und Raiffeisenbanken als Hemmschuh für die Entwicklung der privaten Banken. 1995 gründete die Commerzbank deshalb ihre erste Onlinebank, die comdirect bank in Quickborn bei Hamburg. Gleichzeitig wächst die Zahl der Kunden auf sechs Millionen. Trotzdem hinkt die Commerzbank den anderen Großbanken hinterher, bleibt der ewige dritte - und wird als Übernahmekandidat gehandelt.

Um mögliche Käufer abzuwehren, begeht der damalige Vorstand einen verhängnisvollen Fehler: er übernimmt die Hypothekenbanken der anderen Großbanken und formt daraus die Eurohypo AG. Doch die als Abschreckung für potenzielle Käufer gedachte Transaktion entpuppt sich für die Commerzbank selbst als Giftpille: Sie muss jahrelang, milliardenschwere Abschreibungen auf Wertpapiere und Beteiligungen vornehmen.

Fataler Kauf der Dresdner Bank

Doch damit nicht genug: Mitten in der Finanzkrise kauft die Commerzbank die schwer angeschlagene Dresdner Bank - und verschluckt sich daran. Statt des erhofften Befreiungsschlags bringt der Kauf die Bank an den Abgrund. Nur dank einer insgesamt 18,2 Milliarden Euro schweren Hilfe des Bundes, zuzüglich einer Garantie von 15 Milliarden Euro für Schuldverschreibungen kann ein Zusammenbruch des Geldhauses verhindert werden.

Somit waren es vor allem Managementfehler, die wesentlich für den Niedergang der Commerzbank verantwortlich sind, erläutern Experten wie der Analyst Dieter Hein von fairesearch. Von der daraus folgenden Schwächung hat sich das Bankhaus bis heute nicht erholt. Auch der Versuch, mit Hilfe eines stärkeren Partners wie der Deutschen Bank in stabileres Fahrwasser zu gelangen, misslang. Die Pläne wurden abgesagt.

Immer noch ein Sanierungsfall

Und nun? Die Commerzbank ist immer noch ein Sanierungsfall, Rendite und Erträge sind rückläufig. Um den Abbau weiterer Stellen finanzieren zu können, muss sie sogar das Tafelsilber verkaufen. Dazu gehört die polnische Tochter M-Bank.

Zugleich setzt der heimische Markt mit Negativzinsen und einer unverändert übermächtigen Konkurrenz aus Sparkassen und Genossenschaftsbanken der Profitabilität von privaten Banken enge Grenzen.

Totgesagte leben länger

Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. So demonstrierte die Commerzbank in ihrem jüngsten Zahlenwerk, dass sie mit den widrigen Umständen besser zurechtkommt als gedacht. So ist der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr um mehr als 300 Millionen Euro auf fast 5,1 Milliarden Euro gestiegen ist - ein Erfolg. Der Provisionsüberschuss ist zwar gesunken, doch in diesem Jahr soll er wieder zulegen.

Gleichzeitig will Vorstandschef Martin Zielke die Bewertung deutlich verbessern, auf den Wert des Eigenkapitals. Ein weiter Weg, denn derzeit wird die Commerzbank an der Börse nur mit acht Milliarden Euro und damit kaum mehr als einem Drittel des Eigenkapitals bewertet.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 26. Februar 2020 um 10:54 Uhr.

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