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Commerzbank vorsichtiger Finstere Zeiten für die Gelbe Bank

Stand: 07.08.2019 11:54 Uhr

Die Commerzbank nennt ihr eigenes Gewinnziel "ambitioniert". Damit erreicht das Drama um das zweitgrößte deutsche Geldhaus einen neuen Höhepunkt.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Leuchtend gelb strahlt das Logo der Commerzbank. Sei es am Commerzbank Tower in Frankfurt oder an den Fassaden der rund 1.000 Filialen in Deutschland. Doch für das zweitgrößte Geldhaus der Republik sind finstere Zeiten angebrochen.

Das musste nun indirekt auch Vorstandschef Martin Zielke einräumen. Zwar rechnet Zielke für das laufende Jahr weiterhin mit einem etwas höheren Konzernüberschuss im Vergleich zum Vorjahr.

Mehr Geld für faule Kredite

Doch dieses Ziel sei „vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr sowie der sich spürbar eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage und der zunehmend von Unsicherheit geprägten geopolitischen Situation deutlich ambitionierter geworden“.

Tatsächlich musste die Commerzbank im zweiten Quartal bereits deutlich mehr Geld für faule Kredite zurücklegen als ein Jahr zuvor.

Niedrige Steuern verhindern Gewinneinbruch

Belastet vom Zinstief und faulen Krediten hat die Commerzbank im zweiten Quartal nur dank ungewöhnlich niedriger Steuern einen Gewinneinbruch verhindern können. Das Konzernergebnis stagnierte bei 271 Millionen Euro. Damit blieb die Commerzbank deutlich über den Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt nur mit 217 Millionen Euro gerechnet.

Das operative Ergebnis hingegen brach um ein Viertel ein auf 298 Millionen Euro und blieb damit deutlich hinter dem Marktkonsens zurück.

Aktie im Rausch der Tiefe

Die Commerzbank-Aktie rauscht im Laufe des Vormittags bis auf 5,37 Euro in die Tiefe und markiert damit ein neues Zwei-Jahres-Tief. In der Fünf-Jahres-Perspektive hat sich der Kurs der Commerzbank-Aktie nahezu halbiert. Allein in den vergangenen drei Monaten ging es um knapp 30 Prozent abwärts.

Commerzbank
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Commerzbank Chart

Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 6,9 Milliarden Euro ist die Commerzbank im internationalen Vergleich nur noch ein Zwerg. Doch wie konnte es nur soweit kommen? Was steckt hinter diesem Kursverfall?

Zinskrise und kein Ende in Sicht

EZB-Präsident Mario Draghi
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Banken fürchten die finale Zinsattacke von EZB-Präsident Mario Draghi

Ein, wenn nicht gar der wichtigste Grund: Die seit der Finanzkrise extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank minimiert die Ertragschancen der europäischen Banken. Bereits seit fünf Jahren müssen sie der EZB Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei ihr horten wollen. Das trifft hauptsächlich deutsche Institute besonders hart.

Erst Ende Juli hatte Noch-EZB-Chef Mario Draghi die Märkte auf weiter fallende Zinsen eingestellt. Damit will er die zu schwache Konjunktur stimulieren.

Gefahr Konjunktureinbruch

Tatsächlich lauert im Geschäftsmodell der Commerzbank eine nicht zu unterschätzende Gefahr, ist das Geldhaus doch stark im deutschen Firmenkundengeschäft verwurzelt. Jede Eintrübung der Konjunktur würde daher für steigende Kreditausfälle sorgen.

Zuletzt hatten sich diverse deutsche Konjunkturindikatoren, vor allem aus der Industrie, eingetrübt. Vor allem aus dem Automobilsektor häuften sich die Hiobsbotschaften in Form von Gewinnwarnungen.

Geplatzte Übernahmefantasie

Anleger lieben Übernahmen. Kein Wunder also, dass die Fusionsgespräche Anfang des Jahres zwischen Deutsche Bank und Commerzbank die Commerzbank-Aktie bis auf 8,26 Euro in die Höhe getrieben hatten.

Martin Zielke (l.) und Christian Sewing
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Reden jetzt nicht mehr so viel miteinander: Commerzbank-Chef Martin Zielke (l.) und Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing

Seitdem aber die Deutsche Bank die Fusionsgespräche mit der Commerzbank im April abgebrochen hat, ist die Luft raus. Auch ausländische Institute wie ING oder UniCredit, die immer wieder als potenzielle Käufer der Commerzbank gehandelt wurden, haben abgewunken. Eine margenschwache deutsche Großbank? Nein danke!

Knackpunkt niedrige Rendite

Apropos margenschwach: Das wohl größte Problem der Commerzbank ist die extrem niedrige Rendite auf das eingesetzte Kapital. Die Eigenkapitalrendite lag im zweiten Quartal unverändert bei 4,3 Prozent. Ihr mittelfristiges Ziel, im kommenden Jahr eine Rendite von fünf bis sechs Prozent zu erreichen, hatte die Commerzbank bereits nach unten revidiert.

Weitere Kursinformationen zu Commerzbank

Zum Vergleich: Die Citigroup, die nach JPMorgan und der Bank of America drittgrößte Bank der USA, erwirtschaftete im zweiten Quartal eine Eigenkapitalrendite von 11,9 Prozent.

Die Commerzbank hat ihr Ertragsziel damit im internationalen Vergleich sehr niedrig gesteckt. Allein das dürfte die Aktienkursentwicklung noch für viele Jahre hemmen. Ein Ende der Finsternis – für die Commerzbank ist das im Moment nicht absehbar.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 07. August 2019 um 10:09 Uhr.

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