Sony Playstation

Cloud-Gaming Das Ende der Spielkonsole naht

Stand: 03.12.2019 06:45 Uhr

Vor 25 Jahren brachte Sony die erste Playstation auf den Markt. Die nächste Generation der Konsole könnte die letzte sein. Denn Googles Streamingdienst Stadia könnte die gesamte Branche durcheinanderwirbeln.

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

PS1
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PS1: Mehr als 100 Millionen Mal verkauft

Die PS1 war keineswegs die erste Spielkonsole – aber sie hob das Spielen per Konsole auf ein höheres technisches Niveau. Und sie war der Beginn einer ziemlich aufregenden Sony-Erfolgsstory, die bis zur aktuellen Konsolen-Generation geführt hat – das derzeitige Premium-Modell ist die PS4 Pro, das vergleichbare Modell des Konkurrenten Microsoft heißt Xbox one X.    

Spielkonsole, the last Generation

Aber längst fiebern die Gamer der nächsten Konsolen-Generation entgegen. Nach aktuellem Stand dürften Sony und Microsoft ihre neuen Konsolen, die PS5 und die Xbox Scarlett, vor dem Weihnachtsgeschäft 2020 auf den Markt werfen. Die beiden Konzerne arbeiten kräftig daran, den Hype mit Hilfe der modernen Medien so wirksam wie möglich zu entfachen.

Immer wieder sickern Details zur Leistungsstärke durch oder werden von den einschlägigen Fachzeitschriften mitgeteilt. Eine Revolution erwarten Fachleute nicht, eher weitere technische Verbesserungen und Weiterentwicklungen. Evolution heißt also das Stichwort. Viele Spieler interessieren sich vor allem für pure technische Daten. Fragen wie 4K-Auflösung, Grafikqualität, Prozessorleistung oder die Anzahl der Bilder, die pro Sekunde über den Schirm gejagt werden (FPS), werden intensiv und breit diskutiert.

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Verkaufszahlen von Spielkonsolen
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Verkaufszahlen von Spielkonsolen bis Oktober 2019

Es könnte diesmal die letzte Generation sein, wenn man von einem Konsolenzyklus ausgeht, der etwa sieben Jahre dauert. Angesichts der rasend schnellen Veränderungen fällt es schwer, sich vorzustellen, dass die Kunden sich 2027 wie einst in den 90ern den nächsten Kasten an das TV-Gerät stellen.      

"Dann haben wir versagt!"

Die Revolution passiert anderswo, und Google ist mit Stadia an der Spitze der Bewegung. Mit dem Streaming-Dienst können Nutzer direkt und sofort online auf vernetzten Geräten wie Smartphones, Tablets und Computer spielen - auch wenn derzeit noch nicht alle angekündigten Features funktionieren.  

Die Idee ist bestechend, denn Cloud-Gaming senkt die Einstiegshürden für die Verbraucher und lässt die Zielgruppe ins Gigantische steigen. Konsolen oder teure Gaming-Rechner werden überflüssig, da die technischen Grundlagen selbst für höchste Spiele-Ansprüche in der Cloud zur Verfügung gestellt werden.

Der globale Spielemarkt bis 2022
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Der globale Spielemarkt bis 2022

Im Gespräch mit dem deutschen Spielemagazin "Gamestar" zeigt der Stadia-Manager Jack Buser großen Ehrgeiz: Die Vision mit Stadia sei es nicht, den Erfolg einer Spielekonsole nachzumachen. Die erfolgreichsten Konsolen der Geschichte hätten spätestens bei etwa 150 Millionen verkauften Einheiten weltweit ihre Grenze erreicht. "Sollte das alles sein, was wir je mit Stadia erreichen, dann haben wir versagt."

Seid umschlungen, Milliarden!

Google denkt längst nicht mehr in Millionen wie die Konsolenhersteller alter Schule - Milliarden Spieler werden weltweit als Zielgruppe angepeilt. Und das mit gutem Grund: Waren es im Jahr 2014 noch rund 1,8 Milliarden Spieler, sollen es 2021 geschätzt bereits 2,7 Milliarden sein. Besonders Asien hat riesiges Potenzial, dort ist das Zocken zudem besonders populär. 

Die Umsätze steigen mit einer beachtlichen Rate von rund neun Prozent jährlich. Fast 200 Milliarden Dollar werden für 2022 prognostiziert. Diese Zahlen sind aus Unternehmersicht äußerst verlockend. Und sie sind natürlich nicht nur Google aufgefallen.

Stadia
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Stadia: "Dann haben wir versagt"

Andere Anbieter drängen ebenfalls in den Markt für Cloud-Spiele. Sony bietet den Dienst Playstation Now an, es gibt den französischen Dienst Shadow, Microsoft arbeitet an einem Angebot namens XCloud. Amazon und Facebook wollen mitspielen, auch Apple ist mit dem Spieledienst Arcade dabei.

Die Zukunft gestalten - und Milliarden verdienen

Wie ernst die Konkurrenz das neue Google-Angebot nimmt, sieht man auch daran, dass ausgerechnet die beiden Erzkonkurrenten Sony und Microsoft künftig beim Cloud-Gaming zusammenarbeiten wollen, wie sie im Mai dieses Jahres ankündigten. Denn ist Stadia erst einmal enteilt, wird es schwer, Marktanteile zurückzugewinnen – vor allem angesichts Googles technologischen Fähigkeiten, der finanziellen Stärke und vor allem der Marktmacht in Verbindung mit dem Videoportal YouTube.

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Die Konkurrenz hinkt schon hinterher, während Stadia bereits Fakten schafft und die Zukunft des Gamings nach eigenen Vorstellungen gestaltet. Aber im Hintergrund lauert noch der chinesische Konzern Tencent, der im vergangenen Jahr fast 20 Milliarden Dollar mit Videospielen umgesetzt hat und damit der größte Spielekonzern der Welt ist. China wird bei der Verteilung der 200 Milliarden gewiss die Hauptrolle spielen wollen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Dezember 2019 um 11:40 Uhr.

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