Ein Auto des Herstellers Byton auf der CES in Las Vegas | Bildquelle: ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/REX

CES in Las Vegas Autobranche hofft auf Wende

Stand: 06.01.2020 14:18 Uhr

Für die deutschen Autobauer war 2019 ein Horrorjahr. Sie produzierten so wenige Fahrzeuge wie seit 1997 nicht mehr. 2020 soll die Wende kommen. Eine wichtige Rolle spielt die Tech-Show in Las Vegas, die diese Woche beginnt.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Was haben die Autobauer auf einer Messe mit Software- und Digitalisierungsfirmen zu tun? Mehr als man denkt. Denn das Auto der Zukunft wird zum "Smartphone auf vier Rädern", betont VW-Chef Herbert Diess gerne. Die Wolfsburger wollen das Auto neu erfinden. "Software spielt hierbei die Schlüsselrolle", sagt VW-Markenvorstand Christian Senger, der zuständig für Digitalisierung und Software ist. In einem durchschnittlichen Fahrzeug stecken heute schon 150 Millionen Zeilen an Programmiercode.

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CES wird immer mehr zur alternativen Automesse

So wird für die Autoindustrie die CES in Las Vegas zunehmend zu einer der wichtigsten Messen, die teilweise eine noch größere Bedeutung hat als die traditionellen Autoschauen in Detroit, Paris oder Frankfurt. In der Kasinostadt zeigt sich alles, was in der Autowelt Rang und Namen hat. Kein Wunder, dass der neue Daimler-Chef Ola Källenius am Montagabend die Keynote auf der CES hält.

Für den Schweden, der Ende Mai das Steuer von Dieter Zetsche übernommen hat, endet 2020 die Schonfrist. Nach zwei Gewinnwarnungen und dem angekündigten Sparprogramm muss er nun beweisen, dass er die Marke mit dem Stern zurück auf die Erfolgsspur führt.

Daimler in der Klima-Falle

Daimler steht mächtig unter Druck. Der Stuttgarter Konzern ist nach jetzigem Stand der einzige deutsche Autobauer, der die verschärften Klimaschutz-Vorgaben zu verfehlen droht. Ab Januar müssen alle Autohersteller im Schnitt 95 Gramm CO2- Ausstoß pro Kilometer pro Neufahrzeug einhalten, sonst drohen 2021 milliardenschwere Strafzahlungen. Daimler muss die Kohlendioxid-Emissionen seiner Flotte von 138 Gramm auf etwa 105 Gramm pro Kilometer senken. Um das Ziel zu erreichen, müsste der Anteil der Stromer und Plug-in-Hybride deutlich steigen. Doch danach sieht es zurzeit nicht aus. Daimlers erster vollelektrischer SUV, der EQC, ist bisher offenbar ein Ladenhüter.

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2020 soll endlich der Durchbruch bei Elektroautos in Deutschland gelingen. Davon sind viele Automanager überzeugt. Die Aufstockung der Kaufprämien stimmt sie optimistisch. "Zahlreiche Modelle auch in niedrigeren Preisregionen werden die Elektromobilität für neue Käufergruppen attraktiv machen", meint Peter Fuß, Autoexperte der Beratungsfirma EY. In diesem Jahr starten VW, Porsche und Mercedes ihre E-Auto-Offensive.

SUV-Boom hält an

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach den klimaschädlichen spritfressenden SUVs. Im abgelaufenen Jahr wurden hierzulande erstmals mehr als eine Million der Stadt-Geländewagen zugelassen. Im November verzeichneten die SUVs ein Absatzplus von 30 Prozent. Die Geländewagen bringen gute Margen und kompensieren die Profitabilitätseinbußen durch die E-Mobilität. VW-Chef Diess betont, er brauche die Einnahmen aus den SUVs, um hohe Investitionen für die E-Ära zu finanzieren.

Der SUV-Boom reicht freilich bislang nicht, um die weltweite Autokonjunktur anzuschieben. 2019 wurden fünf Prozent oder gut vier Millionen weniger Autos produziert. Nach Einschätzung von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Uni Duisburg-Essen lag dies vor allem an den von US-Präsident Trump angezettelten Handelskonflikten. In Deutschland wurden so wenig Fahrzeuge gebaut wie seit 22 Jahren nicht mehr.

Experte sieht Mitte 2020 Talsohle erreicht

Für dieses Jahr rechnet Dudenhöffer mit einer weiteren Schrumpfung der weltweiten Pkw-Nachfrage um 1,1 Prozent auf 78 Millionen Fahrzeuge. Bis Mitte 2020 sollte aber die Talsohle erreicht sein, glaubt der Autoexperte.

Die Autobauer hoffen darauf, dass sich der chinesische Markt wieder erholt. Im Reich der Mitte sank 2019 der Markt um rund acht Prozent. Für 2020 prophezeit Chinas Branchenverband CAAM ein etwas kleineres Minus.

Big in USA

CES Las Vegas
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CES Las Vegas

Angesichts der Autoflaute in China hat die Bedeutung des US-Marktes wieder zugenommen. Nicht General Motors oder Ford, sondern BMW ist inzwischen der größte Autoexporteur der USA. Deshalb ist die CES auch so wichtig für BMW, Daimler, VW & Co. Mit neuen Konzeptfahrzeugen auf der Messe in Las Vegas wollen die deutschen Autohersteller gegenüber den US-Kunden punkten.

Mit Bangen blicken die Autobauer nach Washington. Seit Monaten droht die Trump-Regierung mit Strafzöllen auf deutsche Autos. Zuletzt verschob Trump die Zölle.

Konsolidierung dürfte weitergehen

Auch ohne Zölle werden die deutschen Hersteller in den nächsten Monaten viel Gegenwind zu spüren bekommen. Wegen der hohen Investitionen für die Elektromobilität und der Kosten der CO2-Regulierung müssen sie weiter sparen. Um die Ertragskraft aufzupäppeln, streichen Audi und Daimler sowie Zulieferer wie Conti und Bosch in den nächsten Jahren tausende Jobs. Der Ausleseprozess in der Branche könnte sich weiter verschärfen. Die Fusion von Fiat Chrysler mit der französischen Opel-Mutter PSA dürfte der Auftakt für eine neue Konsolidierungswelle sein, glauben Branchenexperten. "Unter dem Strich dürfte es in fünf Jahren etwas weniger eigenständige Hersteller in der Autoindustrie geben", prophezeit Eric Heymann von Deutsche Bank Research.

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Mehrere Branchenbeobachter und Analysten gehen davon aus, dass die Hersteller künftig noch stärker miteinander kooperieren, um sich Entwicklungskosten für neue Modelle zu teilen. So arbeiten BMW und Daimler beim autonomen Fahren und bei Mobilitätsdiensten zusammen. Von einer Fusion wollen die beiden Premiumautobauer freilich nichts wissen. "Wir sind zwei starke Unternehmen, die davon profitieren, dass wir im Wettbewerb miteinander um die Zukunft der Mobilität ringen", sagte jüngst Daimler-Boss Källenius. "Compete" und "Cooperate" wie mit BMW könne auch in der Ära der Transformation funktionieren.

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2020 um 07:35 Uhr.

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