Frankfurt: Skyline auf Banken

US-Fonds mit Draht zu Trump Was plant Cerberus mit den deutschen Banken?

Stand: 07.08.2018 06:45 Uhr

HSH Nordbank, Commerzbank und Deutsche Bank: Kaum ein anderer Finanzinvestor hat es derart auf den deutschen Bankenmarkt abgesehen wie der US-Fonds Cerberus. Welche Pläne hat das Unternehmen?

Von Thomas Spinnler, boerse.ard.de

Im US-Präsidentschaftswahlkampf ließ sich Cerberus-Co-Chef Stephen Feinberg von den Tiraden des Milliardärs Donald Trumps gegen die Finanzbranche nicht abschrecken. Er wolle etwas gegen die Jungs an der Wall Street unternehmen, hatte Trump gedroht. Sie verdienten zu viel und zahlten zu wenig Steuern. Feinberg wusste diese Worte als das einzuordnen, was sie waren: Wahlkampf.

Der Investor setzte auf den richtigen Kandidaten. Der ohnehin den Republikanern nahestehende Feinberg unterstützte Trump kurz vor der Wahl mit einer Spende von rund einer Million Dollar - ein Volltreffer.

Stephen Feinberg
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Stephen Feinberg, Co-Chef von Cerberus, hat den heutigen US-Präsidenten Trump im Wahlkampf unterstützt.

Denn der Cerberus-Mitbegründer weiß gut, dass sich für seine Firma die Nähe zur Politik auszahlt. Und dass Politiker ihre Karrieren bei Finanzunternehmen als "Berater" ausklingen lassen, ist nichts Neues. Diese Tatsache wird längst von der Finanzindustrie zur Kontaktpflege genutzt. Im Cerberus-Vorstand sitzt Dan Quayle, ehemaliger US-Vizepräsident unter George Bush. Und John W. Snow, ebenfalls Vorstand, diente unter dessen Sohn George W. Bush drei Jahre als Finanzminister.

Am Tisch mit dem Präsidenten

Die finanzielle Unterstützung für Trump brachte jedenfalls Rendite. Jetzt sitzt Feinberg selbst am Tisch, wenn Weltpolitik gemacht wird: Seit Mitte Mai hat er als Vorsitzender des Geheimdienstberatungsgremiums "Intelligence Advisory Board" einen direkten Draht zum Präsidenten. Was qualifiziert Feinberg für diesen Job? Eine republikanische Senatorin gab zu bedenken, dass jemand, der eine Private-Equity-Firma führe und keine relevanten Erfahrungen habe in diesem Bereich, eventuell nicht der richtige Mann sein könnte.

Das ist Cerberus

Die Männer von Cerberus gelten als knallharte Sanierer und Restrukturierer, die dem Namen ihrer Firma alle Ehre machen. Den Namen soll Stephen Feinberg gewält haben, weil einer der drei Köpfe des Höllenhunds Cerberus immer wach ist. So werden niemals gute Geschäfte verschlafen. Für ihre Investoren will Cerberus eine Jahresrendite von 18 bis 22 Prozent verdienen, schreibt das „Manager Magazin“. Ihre Spezialität sind angeschlagene Unternehmen und Problemfälle. Der Finanzinvestor wurde im Jahr 1992 von Feinberg mitbegründet und verwaltet mit rund 150 Angestellten etwa 30 Milliarden Dollar.

Aber Hauptsache, die Einstellung stimmt: Dass mehr Waffen die Welt sicherer machen, darauf können sich Trump und Feinberg einigen. Seit 2010 ist Cerberus Eigentümer der privaten Sicherheitsfirma DynCorp, die US-Truppen im Irak und Afghanistan unterstützte. Nach Trumps Berufung plant Cerberus der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, das Unternehmen für 1,3 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Seit 2007 gehörte auch der Waffenhersteller Remington Outdoor Company zu Cerberus, der allerdings im Februar dieses Jahres aufgrund sinkender US-Nachfrage nach Feuerwaffen und hoher Schulden Insolvenz anmeldete. Mittlerweile hat sich Remington wieder aus der Insolvenz zurückgemeldet.

Was plant Cerberus?

In Deutschland mischt Cerberus die Bankenbranche auf. Im Februar hat das Unternehmen gemeinsam mit dem Finanzinvestor JC Flowers den Zuschlag zum Erwerb der HSH Nordbank erhalten. Aber noch interessanter ist der Einstieg bei den großen deutschen Finanzinstituten: Cerberus war im Sommer 2017 mit fünf Prozent bei der Commerzbank eingestiegen und hält seit November des vergangenen Jahres auch drei Prozent an der Deutschen Bank.

Das regt die Fantasie an. Wiederholt gab es Spekulationen über eine Fusion. Bislang hat sich bei Cerberus noch niemand zu den Plänen geäußert. Allerdings ist Verschwiegenheit eine wesentliche Tugend für Finanzinvestoren. Kaum jemand will seine Ideen in der Zeitung lesen - außer es dient der Sache oder ist selbst lanciert.

Doppelrolle als Berater und Teilhaber

Und für die Cerberus-Sanierer gibt es bei der Commerzbank und der Deutschen Bank genug zu tun. Die Deutsche Bank setzt sogar auf direkte Hilfe des neuen Großaktionärs. Die Cerberus-Beratungssparte soll das Geldhaus unterstützen, die Kosten zu drücken und neue Gewinnquellen zu erschließen. "Die anerkannte Expertise der Cerberus Operations Advisory Company wird uns auf dem Weg unterstützen, wieder attraktive Renditen für unsere Aktionäre und Investoren zu schaffen", ließ die Bank mitteilen.

An der Spitze des Cerberus-Bankenteams steht Matt Zames, der ehemalige zweite Mann hinter Jamie Dimon, Vorstandschef von JPMorgan. Zames wurde als ein möglicher Nachfolger des ehemaligen Deutsche-Bank-Chef John Cryan gehandelt und ist ein ausgewiesener Spezialist der Materie.

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Wie das "Handelsblatt" berichtet, kommt diese Konstellation und die Doppelrolle von Cerberus einigen aus der Finanzbranche merkwürdig vor. Das Stichwort lautet: Interessenkonflikt. Man müsse sich wie alle anderen Investoren an geltende Wertpapiergesetze halten, zitiert das "Handelsblatt" den Finanzinvestor. Wie gesagt: Verschwiegenheit ist eine wesentliche Tugend in der Branche.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2018 um 17:05 Uhr.

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