Cannabis Marihuana  Plantage

US-Brauereien Die Cannabis-Revolution des Bier-Geschäfts

Stand: 21.09.2018 06:35 Uhr

Eine Maß Cannabis-Bier, bitte! Bis man diesen Satz auf dem Oktoberfest hört, wird es noch dauern. Doch in den USA ist die Cannabis-Revolution des Bier-Geschäfts im vollen Gange. Amerikanische Brauereien entdecken eine neue Droge für sich: Marihuana. Auch Softdrink-Riesen werden aufmerksam.

Die gesamte Bierbranche hat weltweit mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Selbst im traditionellen Biergebiet Deutschland sinkt der Absatz seit Jahren spürbar. Deshalb sind die großen Braukonzerne auf der Suche nach einem wachstumsträchtigen Konzept für die Zukunft. Der globale Trend zum Craft-Bier ist neben den verschiedenen Bier-Mischvarianten bislang ein Hoffnungsträger, denn hier ist noch Wachstum zu erzielen.

Bierabsatz in Deutschland
galerie

Bierabsatz in Deutschland 2007 bis 2017

In den USA legte der Absatz beispielsweise um fünf Prozent zu, der Marktanteil liegt dort bereits bei 12,7 Prozent, Tendenz steigend. Ob daraus jemals mehr als eine solide Nische wird? Doch es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Die Legalisierung von Marihuana als Genussmittel in mehreren US-Staaten inklusive Kalifornien und vor allem ab Oktober in Kanada bringt die Branche auf Ideen.

Kommt jetzt die Zeit der Haschisch-Trinker?

„Die Cannabis-Revolution ist in vollem Gange, während die Alkohol-Industrie bislang weitgehend abseits steht“, meint Spiros Malandrakis vom Marktforscher Euromonitor. Nun sei es an den Brauereien, die Gelegenheiten zu nutzen: „Die Marihuana-Industrie könnte den nächsten Wachstumszyklus antreiben oder eine bereits in die Defensive geratene Branche abwürgen.“

Mann mit Bier
galerie

Biergenuss: Über Jahrhunderte tradierte Erfahrungen mit Dosierung und Wirkung

Diesen Fehler will die Bierindustrie vermeiden. Der Corona-Hersteller Constellation investierte mehr als vier Milliarden Dollar in den kanadischen Cannabis-Anbieter Canopy. Und der fünftgrößte Brauereikonzern der Welt, Molson Coors, steigt ebenfalls ins Geschäft mit alkoholfreien Cannabis-Getränken ein. Bis Ende September will das Management ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem kanadischen Cannabis-Produzenten Hydropothecary starten. Auch Heineken experimentiert mit Cannabis und bringt mit „Hifi Hops“ in Kalifornien ein alkoholfreies cannabishaltiges Getränk auf den Markt.

Den Mund gespült, nicht getrunken

Natürlich muss der Konsument mitspielen. Üblicherweise nimmt man den Cannabis-Wirkstoff durch Inhalieren auf, wie eine breite Öffentlichkeit spätestens von Bill Clinton gelernt hat. Er habe in seiner Jugend zwar an einem „Joint“ gezogen, aber nicht inhaliert, so der ehemalige US-Präsident.

Wie hoch wird künftig die Bereitschaft sein, den Wirkstoff zu trinken? Und wie sieht es mit der exakten Dosierung aus? Wie verläuft die Anflutungsphase? Was passiert, wenn man zu großen Durst hatte? Diese Fragen sind durch jahrhundertelangen traditionellen Bierkonsum längst mehr oder weniger sozial eingeübt – bei Cannabis-Bier müssen sie erst noch geklärt, beziehungsweise erfahren werden.

Cannabis
galerie

Cannabis: Wer Wirkung will, sollte es mit Inhalieren versuchen

Gewohnheiten können sich ändern und die Jugend ist dafür gewiss offener als die vom traditionellen Gebrauch geprägten Best Ager. Neben dem Hipster-Faktor ist auch schlichte Bequemlichkeit immer ein wesentliches Argument: Flasche öffnen, Flasche leeren, Konsument berauscht.

Es geht auch ohne Rausch

Aber die Möglichkeiten des Cannabis-Gebrauchs sind vielfältig. In etwa der Hälfte der US-Staaten darf Cannabis zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden. International wächst die Zahl der Länder, Deutschland gehört mittlerweile dazu. Europa soll bis 2028 mit jährlichen Umsätzen von 132 Milliarden Dollar zum größten Markt für medizinisches Cannabis aufsteigen.

Cannabis-Kaffee, -Tee, und -Milch-Getränke in einem Kühlschrank in San Diego, Kalifornien
galerie

Cannabis-Kaffee, -Tee, und -Milch-Getränke in einem Kühlschrank in San Diego, Kalifornien

Auch andere Getränkehersteller scheinen sich deshalb zu überlegen, wie man am potentiellen Milliardenmarkt mitverdienen kann. Limonadenhersteller wie Coca-Cola und PepsiCo versuchen seit längerem, Alternativen zu zuckerreichen Getränken zu finden. Der kanadische Finanznachrichtensender BNN Bloomberg berichtete jüngst, dass der weltgrößte Getränkekonzern Coca-Cola mit dem kanadischen Marihuana-Hersteller Aurora Cannabis über einen Einstieg spreche. Wahrscheinlich sei, dass Getränke entwickelt würden, die bei Schmerzen, Entzündungen und Krämpfen wirken.

Denn aus der Hanfpflanze wird auch der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) gewonnen. Anders als THC wirkt CBD nicht berauschend. Aufgrund seiner entkrampfenden, angstlösenden und entzündungshemmenden Effekte ist er für die medizinische Anwendung geeignet. Ein darauf basierendes Getränk könnte auf dem Wellness-Food-Markt reüssieren. Das dürfte auch dem Coca-Cola-Rivalen PepsiCo aufgefallen sein. Deshalb spekulieren Marktbeobachter, dass Pepsi bald aktiv wird.

Wir sehen, wie ein Getränkekonzern den nächsten in den Markt hineinzieht, weil keiner will ein Milliardengeschäft verpassen will. Gleichwohl bleibt Vorsicht geboten, denn noch ist unklar, wie Verbraucher die Produkte annehmen werden. Außerdem weisen Fachleute darauf hin, dass die gesetzlichen Regulierungen - auch bei Staaten, die den Genuss erlauben - viel komplizierter sind, als es der Begriff „Legalisierung“ andeutet.

ts         

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: