Ball der Fußballbundesliga | Bildquelle: ARD-aktuell / Weiss

Bundesliga im Corona-Notbetrieb Existenzkampf mit Ball

Stand: 18.09.2020 08:40 Uhr

Ab jetzt rollt der Ball wieder: Am Freitagabend beginnt die neue Bundesliga-Saison. Wirtschaftlich gesehen steht viel auf dem Spiel. Wegen Zuschauer-Beschränkungen und wegbrechender Werbeeinnahmen müssen einige Klubs um ihre Existenz kämpfen.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Ob der FC Bayern nach seinem "Triple" in der Saison 2020/21 erneut die Meisterschale holt, ist nicht die wichtigste Frage, die sich die Manager der deutschen Fußball-Top-Klubs stellen. Viele sorgen sich vielmehr um die wirtschaftliche Lage ihrer Klubs. Denn von Normalität ist die Liga weit entfernt: Die Zahl der Zuschauer in den Stadien ist auf wenige Tausend begrenzt, es gibt keine Stehplätze, Gästefans bleiben ausgeschlossen, bei einer regional entflammten Infektionslage können Spiele kurzfristig in andere Arenen verlegt werden. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, erwartet "die anspruchsvollste und schwierigste Spielzeit in der Geschichte des professionellen Fußballs in Deutschland".

Nachdem der europäische Fußball in der Spielzeit 2019/20 noch mit einem blauen Auge davon gekommen sei, werde die neue Saison für alle eine noch größere finanzielle Herausforderung darstellen, warnte unlängst schon FC-Bayern-Manager Karl-Heinz Rummenigge. Und auch Eintracht-Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic prophezeit, dass das Sportliche manchmal gar nicht so sehr im Blickpunkt stehen dürfte, "die wirtschaftliche Situation wird fast noch wichtiger werden".

Borussia Dortmund rechnet mit höherem Verlust

So hat bereits der einzige börsennotierte Bundesligist, Borussia Dortmund, einen noch höheren Verlust für 2020/21 als im vergangenen Geschäftsjahr angekündigt. Der BVB rechnet mit einem Minus von mindestens 50 Millionen Euro. Es könnten aber auch 75 Millionen Euro Miese werden. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Dortmunder ein Defizit von 45 Millionen Euro eingefahren.

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"Wir werden erst wieder zu unserem alten Geschäftsmodell zurückkehren können, wenn wir wieder vor ausverkauftem Haus spielen", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. "Da muss man Geduld haben." In der neuen Saison werden vermutlich nur 12.000 Zuschauer im heimischen Stadion, dem Signal Iduna Park, zugelassen. Auch die wichtigen Einnahmen aus dem Hospitality-Bereich mit den VIP-Logen werden wohl größtenteils wegfallen. Immerhin haben die Spieler auf zehn Prozent ihrer Gehälter verzichtet.

Trotz roter Zahlen dürfte der BVB über die Runden kommen. Schließlich winken auch aus der Champions League lukrative TV-Einnahmen. Mit einem Eigenkapital von 305 Millionen Euro haben die Dortmunder zudem ein finanzielles Polster, das sie durch die Krise bringt. "Es ist uns gelungen, ein so hohes Maß an Liquidität zu generieren, dass wir diese Pandemie auch sehr lange durchhalten können", sagt BVB-Manager Watzke. Auch Rekordmeister FC Bayern und die vier Klubs mit Top-Sponsoren (RB Leipzig, VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und TSG Hoffenheim) brauchen sich finanziell nicht all zu große Sorgen zu machen.

Schalke 04 muss Landesbürgschaft in Anspruch nehmen

Dagegen dürfte es für mehrere andere Klubs eng werden. Der FC Schalke 04 zum Beispiel stand in der letzten Saison wegen der Zwangspause kurz vor der Pleite und musste mit einer Landesbürgschaft gerettet werden. Den Königsblauen ging die Kohle aus. Mit 200 Millionen Euro ist der Revierclub tief verschuldet. Im vergangenen Geschäftsjahr rutschte Schalke in die roten Zahlen und machte einen Verlust von 26 Millionen Euro.

Auch Werder Bremen, das nur knapp dem Abstieg entronn, braucht Hilfen. Die Norddeutschen haben einen KfW-Kredit beantragt - genau so wie 15 andere Vereine aus der Ersten und Zweiten Liga. Wenn ab Januar nicht die Fans zurückkommen, braucht Werder weitere Kredite.

In der vergangenen Saison, als der Spielbetrieb mehrere Woche ruhte, standen gut 13 Erst- und Zweitliga-Klubs vor dem Zusammenbruch. 12 verpfändeten ihre letzte Fernseh-Rate, um liquide zu bleiben. Sollte sich nun die Corona-Pandemie weiter verschärfen und es zu einer erneuten Spielpause kommen, könnten erneut mehrere Klubs in Existenznöte geraten.

"Es geht nicht um Millionengehälter, sondern um zehntausende Jobs!"

"Wir sind eine Industrie, wir stellen ein Produkt her, und wenn wir das Produkt nicht mehr herstellen, wird es uns nicht mehr geben", warnte der DFL-Geschäftsführer Seifert in der "Neuen Zürcher Zeitung". "An der Bundesliga hängen direkt oder indirekt über 50.000 Arbeitsplätze. Wir sehen da unten auf dem Rasen elf zweifellos sehr gut bezahlte Fussballer, aber nicht die Marketingabteilung, nicht die Physiotherapeuten, nicht die Greenkeeper, nicht das Sekretariat, nicht das mittelständische Unternehmen als Ganzes." Es geht nicht darum, in erster Linie Millionengehälter zu bezahlen, sondern Zehntausende Arbeitsplätze zu erhalten, mahnt Seifert.

Das Problem sind aber die teuren Gehälter. Sie machen einen wichtigen Teil der fixen Kosten der Bundesliga-Klubs aus. Nur hier lassen sich Einsparungen erreichen, die einen Teil der wegfallenden Ticketerlöse kompensieren könnten. Manche Politiker und Experten fordern schon Gehaltsobergrenzen. Schalke 04 hat eine solche Grenze eingeführt. Aktuell betragen die Bundesliga-Gehälter rund 1,5 Milliarden Euro.

Corona bremst Transfermarkt

Auf dem Transfermarkt hat die Corona-Krise schon erste Spuren hinterlassen. Die teuerste Neuverpflichtung war Leroy Sané, der für 55 Millionen Euro von Manchester City zum FC Bayern wechselte. Vor einem Jahr hätte er noch glatt das Doppelte gekostet. Andere Klubs hielten sich mit Transfers zurück. Ein paar profitierten von teuren Spielerabgängen. Bayer Leverkusen erhielt für Kai Havertz, der zum FC Chelsea geht, rund 100 Millionen Euro. Summen, die in Deutschland unvorstellbar sind!

Auf europäischer Ebene stehen die deutschen Profiklubs finanziell relativ gut da. Sie sind weniger verschuldet als britische, italienische und spanische Top-Vereine. In Spanien wird der Gürtel enger geschnallt. Bislang haben die 20 Klubs der Primera Division deutlich mehr verkauft als sie für Verstärkungen ausgegeben haben. Die Liga steht vor dem Ausverkauf.

Scheichs und Oligarchen stützen die europäischen Top-Klubs

In Großbritannien, Italien und teilweise auch Frankreich verhindern noch reiche Großinvestoren all zu tiefe Einschnitte. Bei Paris Saint Germain haben Investoren aus Katar das sagen, hinter Chelsea steht der russische Oligarch Roman Abramovitsch, ManchesterCity ist fast vollständig im Besitz eines Scheichs aus Abu Dhabi, und Inter Mailand wird mehrheitlich von einem chinesischen Elektronikhändler gesteuert. Die Bundesliga hat bisher die Öffnung für solche Großinvestoren kategorisch abgelehnt.

Fußball-Aktien sind riskant

Börsengänge, die neue Einnahmequellen bilden, sind vorerst vom Tisch. Vor einem Jahr hatte der Drittligist Unterhaching als zweiter deutscher Klub nach dem BVB den Sprung aufs Parkett gewagt. Nachahmer blieben aus. Die Unterhaching-Aktie rutschte seither deutlich ab. Denn der Verein aus dem Münchner Vorort verfehlte sein Ziel, in die Zweite Liga aufzusteigen. Zudem kämpft er wegen Corona mit hohen Verbindlichkeiten. Vor kurzem gab der Drittligist einen Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt.

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Borussia Dortmund wurde durch Corona an der Börse ebenfalls hart ausgebremst. Die Aktien rauschten seit Ende Februar um rund ein Drittel nach unten. "Wir hatten beim BVB zehn gute Jahre. Wirtschaftlich haben wir in den zehn Jahren immer tiefschwarze Zahlen geschrieben. Dann kam Corona, dadurch ist alles anders geworden", sagt Dortmunds Geschäftsführer Watzke. Fußball-Aktien bleiben eben ein riskantes Spiel.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2020 um 11:00 Uhr.

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