Anhänger von Präsidentschaftskandidat Bolsonaro in Brasilia. | Bildquelle: AP

Brasilien Rechtsaußen-Erfolg beflügelt die Märkte

Stand: 08.10.2018 15:47 Uhr

Der klare Sieg des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro bei der ersten Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen sorgt an den Aktien- und Devisenmärkten für große Freude.

Der brasilianische Bovespa-Index gewann zur Eröffnung in Sao Paulo 5,43 Prozent. In Frankfurt gewinnen die Titel des staatlichen Ölkonzerns Petrobras sogar über 13 Prozent.

Auch der Landeswährung Real hat der Wahlsieg Bolsonaros einen Schub verliehen. Der Real wertete zum Dollar um über drei Prozent auf. Somit müssen für einen Dollar nur noch 3,76 Real nach 3,84 Real am Freitag bezahlt werden. "Die Finanzmärkte favorisieren Bolsonaro, der im Falle eines Wahlsieges den Investmentbanker Paulo Guedes zum Superminister für Wirtschaft und Finanzen machen will", sagte LBBW-Analyst Martin Güth.

Markt atmet auf

Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen sieht insgesamt nur ein begrenztes Aufwertungspotenzial für die brasilianische Währung. Denn ein Sieg Bolsonaros sei zu einem großen Teil schon eingepreist. Zudem müsse sich erst noch zeigen, wie viel Einfluss Guedes tatsächlich auf die Wirtschaftspolitik des Landes haben werde, sollte er es ins Amt schaffen.

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Auf Bolsonaro entfielen bei der Wahl am Sonntag 46,3 Prozent der Stimmen. Sein linker Kontrahent Fernando Haddad erreichte 29 Prozent. Bolsonaro zieht nun als klarer Favorit in die zweite Runde der Wahlen am 28. Oktober. "Der Markt atmet auf, da Haddad, dessen Politik Brasilien nicht aus der wirtschaftlichen Talsohle befreien würde, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Präsident werden wird", sagte Edwin Gutierrez, Analyst bei Aberdeen Standard Investments. Bolsonaro kündigte unter anderem einen verschärften Kampf gegen Korruption und verstärkte Privatisierungen an.

Eine Herkulesaufgabe

Der Sieger bei den Präsidentenwahlen werde sich der Herkulesaufgabe stellen müssen, lange überfällige Strukturreformen unter massivem Gegenwind der Bevölkerung und der Opposition umzusetzen, meint Marian Heller, Portfoliomanager der BKC. Hierzu gehören seiner Meinung nach die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und vor allem die bei der Bevölkerung verhasste Reform des Rentensystems.

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Brasilien: Staatsverschuldung 2008 bis 2018 in Relation zum Bruttosozialprodukt

Neben den strukturellen Themen wie Reformbedarf und Korruption ist vor allem das massive Haushaltsdefizit (minus 7,8 Prozent des BIP für 2017, Tendenz weiter steigend) besorgniserregend. Die daraus resultierende wachsende Staatsverschuldung hatte bereits 2017 mit 73 Prozent des BIP ein Niveau erreicht, bei dem es für ein Schwellenland extrem schwierig wird, ohne radikale Reformen zu gesunden.

Nicht verlässlich vorhersehbar

Jair Bolsonaro hat offenbar zugegeben, wenig von Wirtschaft zu verstehen. Die Wahl seines Wirtschaftsberaters, des international anerkannten Ökonomen und Bankers Paulo Guedes, habe ihm jedoch Vertrauen bei Investoren eingebracht, erklärt Portfoliomanager Heller. Bolsonaros Team habe – anders als sein Herausforderer Fernando Haddad – die wirtschaftlichen Herausforderungen klar benannt. Ob die Identifizierung der Probleme nach einem möglichen Wahlsieg tatsächlich angegangen werde, sei derzeit in keiner Weise verlässlich prognostizierbar, so Heller.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. Oktober 2018 um 18:34 Uhr.

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