Ein Paketverteilungszentrum der Deutschen Post in Groß Schwaß/Mecklenburg-Vorpommern | Bildquelle: dpa

Corona-Boom in der Logistikbranche "Der April war wie Weihnachten für uns"

Stand: 27.08.2020 06:44 Uhr

Für die Deutsche Post und andere Logistik-Firmen ist jetzt schon Weihnachten. Weil immer mehr Kunden online bestellen, transportieren sie so viele Pakete wie sonst im Advent. Die angestaubte Logistik-Branche wird zum Corona-Gewinner.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Die gelben DHL- und die dunkelbraunen UPS-Fahrzeuge sind in deutschen Städten derzeit allgegenwärtig. Sie parken an zahlreichen Straßenecken. Zusteller eilen von Haus zu Haus und liefern Pakete aus. Denn der Online-Handel floriert. Die Deutschen bestellen seit dem Ausbruch der Corona-Krise mehr Waren per Internet denn je.

Über ein Fünftel mehr Pakete bei der Post

Deutsche Post
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Paketzentrum von Deutsche Post und DHL

Die Deutsche Post profitiert vom E-Commerce-Boom. Alleine im zweiten Quartal stieg die Paketmenge um 21 Prozent. Der Paketumsatz erhöhte sich gar um 28 Prozent. In der Osterzeit wurden täglich rund zehn Millionen Pakete zugestellt- so viel wie normalerweise im Dezember. "Der April war wie Weihnachten für uns", freut sich Post-Finanzchefin Melanie Kreis.

Das Geschäft mit der Paketflut kompensiert den Rückgang bei Werbe- und Standardbriefen. Insgesamt stieg der Umsatz des Bonner Post-Konzerns im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte um fast 19 Prozent auf 912 Millionen Euro.

UPS verzeichnet ebenfalls zweistellige Zuwächse

UPS
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UPS-Paketzusteller in Seattle

Auch der größte Konkurrent, die UPS, erlebt einen Paket-Boom. Das Sendungsvolumen des US-Konzerns wuchs im zweiten Quartal um 23 Prozent auf durchschnittlich 21 Millionen Pakete pro Tag. Der Umsatz von "Big Brown" erhöhte sich um über 13 Prozent.

Die kleineren deutschen Post-Mitbewerber berichteten ebenfalls über deutlich erhöhte Mengen an Sendungen. Hermes stellte Ende Mai 40 Prozent mehr Pakete zu als üblich. Und auch DPD sprach von Geschäften deutlich über Vor-Corona-Niveau.

Mit Digitalisierung gegen den Paketstau

Teils konnten die Logistik-Firmen die rasante Nachfrage kaum bewältigen. Bei der Deutschen Post kam es zum Paketstau. Damit sich das nicht wiederholt, baut der gelbe Riese zusätzliche Kapazitäten auf. Die traditionelle Paketflut im Weihnachtsgeschäft werde eine große Herausforderung, erklärte Finanzchefin Kreis Anfang August.

Helfen soll unter anderem eine zunehmende Digitalisierung bei der Auftragsabwicklung. So setzt die DHL auf künstliche Intelligenz. Mittels Algorithmen lassen sich Routen optimieren und Bestellungen bündeln.

Um die Mitarbeiter bei Laune zu halten, gibt ihnen die Post einen Bonus. Sie werden im Herbst jeweils 300 Euro für ihren aufopferungsvollen Einsatz in der Corona-Pandemie bekommen.

Logistik-Aktien kommen in Mode

An der Börse wird die Logistik-Branche, die jahrelang als langweilig und verstaubt galt, neu entdeckt. Die Aktien der Deutschen Post haben seit Jahresbeginn 20 Prozent zugelegt. Seit dem Tiefpunkt im Corona-Crash hat sich der Kurs gar verdoppelt. Die Titel der UPS haben in diesem Jahr gut 30 Prozent gewonnen. Die Papiere von Fedex kletterten gar um mehr als 40 Prozent nach oben. Noch bewegen sich die Logistik-Aktien ein bisschen abseits vom Rampenlicht, in dem die Online-Händler wie Amazon stehen. Die Aktien von Amazon sind seit Jahresanfang um rund 70 Prozent nach oben geschossen - von einem Rekordhoch zum nächsten.

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Als Konkurrenz sehen die Logistik-Konzerne Amazon & Co nicht. Der Online-Riese ist der wichtigste Kunde der Post. In der jüngsten Vergangenheit machte Amazon sechs Prozent am Paket-Umsatz der Post aus. Diese Abhängigkeit will der Bonner Logistik-Konzern nun zunehmend reduzieren.

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Post könnte Corona-Impfstoff weltweit verteilen

Neuen Schub fürs Geschäft könnte ein Corona-Impfstoff bringen. Die Post traut sich zu, die weltweite Verteilung eines Impfmittels gegen das Covid-19-Virus zu übernehmen. "Wir können Impfstoffe unter Einhaltung der Kühlkette in allen Gegenden der Welt liefern", sagt Post-Finanzchefin Kreis.

ARD-Börse: Logistik-Riese Post - Corona-Gewinner?

28.08.2020 11:17 Uhr

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Zudem hat die Post besseren Zugriff auf Frachtflugzeuge als ihre Wettbewerber. Sie betreibt alleine 250 Cargo-Flugzeuge in ihrer Express-Sparte. Zusätzlich könnten verstärkt Passagier-Flugzeuge als Frachter-Maschinen genutzt werden.

Post-Chef: "Geschäftsmodell extrem robust!"

Deutsche Post Frank Appel
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Deutsche Post Frank Appel

An die Gefahr einer De-Globalisierung glaubt Post-Chef Frank Appel nicht. Die Corona-Krise werde nicht die Globalisierung stoppen und Lieferketten dauerhaft verändern, glaubt er. Die Verbraucher seien nicht bereit, 20 Prozent mehr für ein Smartphone zu bezahlen, wenn die Lieferketten lokaler sind.

Der gelbe Riese dürfte ohne große Schrammen durch das Corona-Jahr kommen. "Unser Geschäftsmodell ist extrem robust", sagt Appel, der oberste Postmann. "Wir werden diese Krise extrem stabil durchwandern."

Bekommen die Paketfahrer mehr Lohn?

Freilich: Die Paketfahrer werden davon kaum etwas spüren. Ihre Stundenlöhne bleiben extrem niedrig. Die Post, UPS & Co rechtfertigen dies mit den niedrigen Preisen, die die Online-Händler wie Amazon für den Paketversand zahlen. Immerhin scheint jetzt vorerst der Immer-noch-billiger-Trend gestoppt zu sein. Die Post hat es nach eigenen Angaben geschafft, in weiten Teilen Preiserhöhungen bei den Online-Händlern durchzusetzen.

Quelle: boerse.ard.de
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