Das Logo des Rüstungskonzerns Hensoldt  | Bildquelle: dpa

Elektronikhersteller Hensoldt Rüstungskonzern geht an die Börse

Stand: 25.09.2020 19:33 Uhr

Der Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt ist heute an der Börse eingerückt. Die Zukunftsperspektiven sind gut, denn viele Staaten weltweit wollen die Rüstungsausgaben erhöhen – auch die Bundesregierung hat einiges vor. Trotzdem fiel das Börsendebüt ernüchternd aus.

Rund 460 Millionen Euro bringt der heutige Börsengang des bayerischen Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt ein. Das Unternehmen teilte 38,3 Millionen Aktien zu je 12,00 Euro zu. Damit bewegte sich die Aktie bereits am unteren Ende der Preisspanne, die bis 16,00 Euro reichte.

Der erste Handelstag verlief enttäuschend. Nach einem ersten Xetra-Kurs mit 12 Euro genau in Höhe des Ausgabepreises ging es abwärts bis auf 10,57 Euro. Danach erholte sich die Aktie etwas und schloss bei elf Euro.

Der Börsenstart des Wohnmobilherstellers Knaus Tabbert hatte am Mittwoch die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllt. Dabei hatte das Hensoldt-Management und vor allem der Eigentümer KKR durchaus Grund, sich Hoffnungen zu machen.

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Langfristige strategische Beziehungen

Denn Rüstungskonzerne wie Hensoldt oder Rheinmetall leben in goldenen Zeiten. Regierungen geben weltweit immer höhere Beträge für das Militär aus. Aktuelles Ziel beispielsweise der Nato-Staaten sind Rüstungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttosozialprodukts. Das Ziel wird von Deutschland nicht erreicht, obwohl die Militärausgaben des Bundes nach dem Bereich Arbeit und Soziales der zweitgrößte Haushaltsposten sind.

Insbesondere US-Präsident Trump hatte häufiger vehement die Einhaltung des Zieles gefordert und verlangt sogar eine Verdoppelung auf vier Prozent. Das Management von Hensoldt dürfte diese Forderung wohlwollend beurteilen, denn die Bundeswehr ist naturgemäß ein wichtiger Kunde. 43 Prozent des Umsatzes macht Hensoldt in Deutschland. Der aktuell wohl wichtigste Großauftrag ist die Modernisierung des Radars der deutschen und spanischen Eurofighter-Flotte, der dem Unternehmen 1,4 Milliarden bringen soll.

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Hensoldt liefert auch Selbstschutzsysteme für Panzer

Hensoldt profitiere von langfristigen und engen strategischen Beziehungen mit der deutschen Regierung und ausländischen Regierungen, genauso wie von Kontakten zu supranationalen Organisationen wie der Nato, meint Vorstandschef Thomas Müller.

Grenzen, Flughäfen, Naturreservate sichern…

Neben der zumindest für die Branche erfreulichen Hochkonjunktur für Waffensysteme ist Hensoldt in einem besonders schnell wachsenden Segment tätig: der Rüstungselektronik. Nach Unternehmensangaben soll das Wachstum bis zum Jahr 2024 bei sechs Prozent jährlich liegen.

Hensoldt stellt beispielsweise Radarsysteme und Drohnen her, optische Systeme für Panzer, für die Marine hat Hensoldt Periskope im Angebot. Hinzu kommen "Lösungen für den steigenden Bedarf, zivile Einrichtungen und kritische Infrastruktur zu schützen". Als Beispiele nennt Hensoldt den Schutz von Grenzen, Flughäfen oder die Energieversorgung. Selbst die mögliche Sicherung von Naturreservaten vergisst das Management nicht zu erwähnen. Man ist also für viele Szenarien gerüstet.              

Börse 7.45 Uhr: Rüstungsfirma Hensoldt macht Börsengang

25.09.2020 21:47 Uhr

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Hensoldt Firmenzentrale: Grenzen, Flughäfen, Naturreservate, wichtige Gebäude schützen

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres erwirtschaftete Hensoldt mit 5.400 Mitarbeitern einen Umsatz von 440 Millionen Euro, ein Plus von sechs Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Im Gesamtjahr 2019 lag der Umsatz bei 1,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2021 sollen die Erlöse bereits zwischen 1,4 und 1,6 Milliarden betragen.

Mit dem Löwenanteil werden Schulden getilgt

"Mit dem Rückenwind aus dem Börsengang machen wir nun einen großen Schritt, um unsere Position als Europas größter plattformunabhängiger Anbieter von Sensorlösungen im Verteidigungs- und Sicherheitssektor mit globaler Reichweite zu stärken", sagte Vorstandschef Thomas Müller.

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Thomas Müller: 300 Millionen zur Schuldentilgung

Und so drückt man das in Zahlen aus: Von den 460 Millionen, die eingenommen werden, gehen 300 Millionen Euro an das Unternehmen. Sie sollen vor allem zur Schuldentilgung verwendet werden. Der Rest geht an den Eigentümer KKR. KKR ist ein US-Finanzinvestor, der die ehemalige Airbus-Radarsparte 2017 übernommen hatte. 37 Prozent der Aktien sind künftig im Streubesitz.

Sperrminorität der Bundesregierung  

Um deutsche Sicherheitsinteressen im Unternehmen vertreten zu können, hatte sich die Bundesregierung schon beim Verkauf an KKR in einem "Sicherheitsabkommen" die Option gesichert, mit bis zu 25,1 Prozent, der Sperrminorität, bei Hensoldt einsteigen zu können, um den strategischen Einfluss auf den Hersteller von Sensoren, Radarsystemen und Systemen für die elektronische Kampfführung zu sichern.

Die Vereinbarung gilt auch nach dem Börsengang, wie Hensoldt mitteilte. Bis Ende des Jahres müsste der Bund KKR für eine Sperrminorität von 25,1 Prozent pauschal 600 Millionen Euro zahlen. Danach kann er zum durchschnittlichen Börsenkurs zugreifen, wenn KKR seinen Anteil auf weniger als 25 Prozent abschmelzen lässt.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. September 2020 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.

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