Gebäude der Deutschen Bank in Frankfurt am Main | Bildquelle: AFP

Deutsche Bank wird 150 Jubiläum in schweren Zeiten

Stand: 10.03.2020 08:00 Uhr

Dies ist zwar nicht der erste runde Geburtstag der Deutschen Bank, der in schweren Zeiten stattfindet, doch so geschwächt wie diesmal war der Konzern noch nie. Und das hat nur bedingt etwas mit Corona zu tun.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Tatsächlich steht die Deutsche Bank im 150. Jahr ihrer Gründung unter dem Eindruck tiefroter Zahlen, einer verunsicherten Mannschaft und einem Aktienkurs auf Rekordtief.

Ganz anders in der Gründerzeit. Die damals aufstrebende Industrie brauchte einen zahlungskräftigen Partner und konzentrierte sich dabei auf das am 10. März 1870 gegründete Geldhaus. Ob Kohle-, Stahl- oder Textilhersteller, alle großen Konzerne des Landes eröffneten in den Folgejahren ein Konto bei der aufstrebenden Bank, die im Zentrum von Berlin in gemieteten Räumen ihre Geschäfte aufgenommen hatte.

Gegründet wurde das Bankhaus zu dem Zweck, "den Betrieb von Bankgeschäften aller Art, ins Besondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten" zu ermöglichen.

Wie die Spinne im Netz

Initiatoren waren der Privatbankier Adelbert Delbrück und der Finanzpolitiker und frühere Bankier Ludwig Bamberger. Die Aktien des neuen Bankhauses stießen auf riesiges Interesse und wurden fast 150-mal überzeichnet. Aus heutiger Sicht ein Traum, haben sich doch die meisten Aktionäre der Deutschen Bank in den letzten Jahren von ihren Papieren verabschiedet. Der Kurs ist in den letzten fünf Jahren von knapp 30 auf zuletzt 5,61 Euro gefallen.

Dabei gehörte die Bank noch vor wenigen Jahren zu den größten Finanzkonzernen der Welt. In Deutschland war sie an allen wichtigen Konzernen beteiligt, saß wie die Spinne im Netz und zog die Fäden. Ihre Vorstandschefs, allen voran Hermann Josef Abs, der die Bank zwischen 1938 und 1945 sowie von 1957 bis 1967 leitete, galten als die "Strippenzieher der Deutschland AG".

Weitere Kursinformationen zu Deutsche Bank

Durch ihre starke Vernetzung profitierte die Deutsche Bank nicht nur von den Eroberungsfeldzügen der Nazis. Auch das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte starke Finanzierer. Eine Zeit, in der die Deutsche Bank mit dem Slogan warb: "Wünsche werden Wirklichkeit".

Kein Umbruch, kein Skandal oder Neuanfang in der Wirtschaft, bei dem die Deutsche Bank nicht beteiligt gewesen wäre. Erinnert sei an das Beinahe-Ende von BMW, die Rettung des Flick-Imperiums oder den Daimler-AEG-Kauf: Jedes Mal stand das Bankhaus Pate.

Diese Rolle endete erst mit der Auflösung der Deutschland AG. Hinzu kamen neue Pläne, die der Deutschen Bank beinahe das Genick gebrochen hätten. Die Rede ist vom Einstieg ins Investmentbanking.

Einstieg ins Investmentbanking

Alfred Herrhausen, Deutsche Bank-Vorstand 1985-1989
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Alfred Herrhausen, Deutsche Bank-Vorstand 1985-1989

Dieses erfolgte ausgerechnet im schicksalhaften November 1989 mit der Übernahme der britischen Bank Morgan Grenfell. Der damalige Vorstandschef Alfred Herrhausen erklärte den Schritt so: "Was wir bewundern und nicht besitzen, ist die angelsächsische Kultur im Geldgeschäft." Welche Umbrüche dies innerhalb der Bank auslösen würde, war der damaligen Konzernleitung wahrscheinlich nicht bewusst. Dennoch wollten Herrhausens Nachfolger, Hilmar Kopper und Rolf Breuer, sogar noch mehr.

Im Jahr 1999 übernimmt die Deutsche Bank für 17 Milliarden Mark die New Yorker Investmentbank Bankers Trust. Zwar hat das Haus den Ruf einer Zockerbude, doch für die Deutsche Bank beginnt eine neue Ära. Das Investmentbanking wird von jetzt an der größte Ertrags- und Ergebnisbringer. Geleitet wird die Sparte von dem Schweizer Josef Ackermann. Der wird schon 2001 Vorstandschef der gesamten Bank und bläht die Bilanzsumme der Bank immer weiter auf.

Josef Ackermann macht beim Auftakt zum Mannesmannprozess ein Victroy-Zeichen
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Ikonisch: Josef Ackermanns Victory-Zeichen zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses

Deutsche Bank Vorstand Anshu Jain 1408
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Investmentbanker Anshu Jain

Im Jahr 2007, auf dem Höhepunkt seiner Amtszeit, verkündet er einen Gewinn von sechs Milliarden Euro, zwei Drittel davon kommen aus dem Investmentbanking. Die Sparte wird mittlerweile von einem gebürtigen Inder geführt: Anshu Jain.

Mit der Finanzkrise beginnt der Niedergang

Doch dann kommt die Finanzkrise. Die übersteht die Bank zwar relativ unbeschädigt, Staatshilfe benötigt sie nicht. Doch die Rechnung für die Machenschaften in den Nullerjahren bekommt sie einige Jahre später - und sie ist gesalzen. Mehr als 12,7 Milliarden Euro muss die Bank allein zwischen 2012 und 2015 für Rechtsstreitigkeiten wegen illegaler Praktiken, Geldwäsche und Zinsmanipulationen aufwenden. Strafzahlungen, die ausschließlich den Zockereien der Investmentbanker geschuldet sind.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
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Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Es ist der Beginn eines beispiellosen Niedergangs, an dessen Ende nun Christian Sewing steht, der jüngste Vorstandschef in der 150-jährigen Geschichte des Hauses. Ihm obliegt es, die Bank aus der schwersten Krise ihrer Geschichte zu führen: Er muss das Haus nach den Skandalen der Vergangenheit neu ausrichten und sich vom Anspruch einer global agierenden Investmentbank verabschieden. Dazu gehört der weitgehende Rückzug aus London und New York, also der Abschied aus der ersten Reihe der global agierenden Banken.

Dabei will sich Sewing wieder an den Wurzeln der Bank orientieren. Kern der neuen Deutschen Bank soll due Unternehmenssparte werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert. Damit habe das Institut "endlich wieder eine Firmenkundenbank, die weltweit da ist", schwärmte Sewing bei der Vorstellung seiner Pläne. "Das ist die DNA der Deutschen Bank, das ist das, wofür die Bank vor 150 Jahren gegründet worden ist."

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 10. März 2020 um 09:40 Uhr.

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