Eine Mitarbeiterin einer US-Klinik nimmt eine Palette angelieferter Schutzkleidung entgegen. | Bildquelle: dpa

Mit der Blockchain gegen Corona Steuern, Überwachen, Verifizieren

Stand: 20.04.2020 06:30 Uhr

Viele Entwicklungen in Sachen Digitalisierung bekommen durch die Virus-Pandemie einen weiteren Schub. Das gilt besonders für die Kontrolle über Lieferketten und Produkte, die um den Globus reisen. Die Technik hinter der Bitcoin-Währung wird dabei immer wertvoller.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dem Corona-Virus auch auf digitaler Ebene den Kampf angesagt. Am 28. März hat sich die Organisation mit mehreren Firmen zusammengeschlossen, die die Blockchain-Technik bereits nutzen, um eine Plattform zu entwickeln, auf der Daten zur Bekämpfung des Virus gesammelt und geteilt werden.

IT-Konzerne bei der WHO an Bord

Darunter sind IT-Konzerne wie IBM, Oracle, Microsoft und das Blockchain-Unternehmen Hacera. Auf der Plattform "MiPasa" werden künftig regionale Daten über die Verbreitung der Pandemie zusammengefasst und ausgewertet. Die Informationen werden zwischen Regierungsstellen, Gesundheitsbehörden, aber auch Einzelpersonen ausgetauscht. Die Blockchain, gewissermaßen ein dezentrales Logbuch für Daten, liefert dabei wesentliche Vorteile: Die Daten können gleichzeitig sicher und stets aktuell und verifizierbar übermittelt und vorgehalten werden.

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Laut WHO können durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Big Data Prognosen über die weitere Verbreitung des Virus' gestellt werden. Und nicht zuletzt sollen dabei sogar Infizierte ermittelt werden können, die noch gar keine Symptome aufweisen.

Die Blockchain-Technologie hat aber nach Ansicht von Experten auch das Zeug dazu, die Pandemie in anderer Hinsicht ausbremsen zu helfen und weitere gesundheitliche Gefährdungen der Bevölkerung in der Zeit des globalen Güterhandels zu verringern.

Rückverfolgung per QR-Code

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Handelslogistik: Ein großes Blockchain-Thema

Einer der Vorreiter dabei ist der IT-Konzern IBM, der einst größter Hersteller von Personal Computern war, aber seit vielen Jahren auf Software, Big Data-Analyse und nun auch Blockchain-Technologien spezialisiert ist: Mit seiner Blockchain-Plattform IBM Food Trust können etwa Einzelhändler die Herkunft und den Verbleib einzelner Waren, etwa frischen Fisches oder Gemüse, bis zum Hersteller quasi in Echtzeit zurückverfolgen. Was früher Tage oder Wochen an Forschungsaufwand bedeutete, kann nun in Sekundenschnelle abgefragt werden.

Zu den Kunden der IBM-Plattform zählen etwa große Einzelhandelsketten wie die französische Carrefour. Sie will bis 2022 die Rückverfolgbarkeit von Hunderten Fischprodukten in allen 12.000 Filialen ermöglichen. Kunden können dann einen QR-Code auf der Verpackung scannen und erhalten allen Informationen über die Herkunft eines Produktes.

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Verifikation von Produkten

Mit dem Einsatz der Blockchain geht es den Unternehmen aber längst nicht nur darum, Vertrauen bei den Konsumenten zu stärken und die Frische von Fischen zu garantieren. Das zeigt etwa das Beispiel des Luxusgüter-Konzerns LVMH. Mit den Technologiefirmen Consensys und Microsoft haben die Franzosen eine Anwendung auf Blockchain-Basis geschaffen, mit der sich Luxusgüter verifizieren lassen. Das bedeutet, dass der Handel mit billigen Kopien massiv behindert wird - und dass die eigene Marke gestärkt und die Erlöse tendenziell gesteigert werden können.

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Gerne kopiert: Rimowa-Koffer von LVMH

Für ein Mehr an Sicherheit in der Coronakrise sorgt zudem die Möglichkeit, über blockchain-gestützte Plattformen die Lieferketten stets im Blick zu haben. Experten sehen hier enorme Steuerungs- und Überwachungsmöglichkeiten aus Sicht von Regierungsstellen, aber genauso große Einsparpotenziale für Unternehmen. Schnell zu wissen, wann sich ein Lieferengpass andeutet und reagieren zu können, spart schnell Millionen für große Konzern ein.

Milliardenmarkt wächst durch Corona noch schneller

Der Markt für Blockchain-Anwendungen wird auch durch die Corona-Ausbreitung noch schneller wachsen. Experten schätzen, dass das Volumen von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf 23,3 Milliarden Dollar im Jahr 2023 anwachsen dürfte. Aus Sicht der Marktforscher von Gartner werden vor allem die Dienstleistungs- und Transportbranche davon profitieren. Bereits jetzt spielt die Blockchain in der Finanzbranche eine wichtige Rolle. Die Wachstumstreiber sind: Höhere Effizienz, mehr Transparenz im Waren- und Güterverkehr und die Überprüfbarkeit oder Verifikation von Waren. Errungenschaften, die in der Coronakrise mehr denn je gefragt sind.

AB

Quelle: boerse.ard.de
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