Bitcoin | Bildquelle: dpa

Bitcoin-Absturz Vom Rausch zum Ramsch

Stand: 17.12.2018 06:42 Uhr

Die Bitcoin-Blase ist geplatzt, der Markt für Kryptowährungen taumelt von Crash zu Crash. Und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht. Ein Experte beziffert den "wahren Wert" des Bitcoins sogar auf unter null.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Vor einem Jahr war die Krypto-Welt noch in Ordnung: Am 17. Dezember 2017 kletterte Bitcoin auf ein Rekordhoch von rund 20.000 Dollar. Geschichten von Privatanlegern, die quasi über Nacht zu Krypto-Millionären wurden, fluteten das Netz.

Kurseinbruch von über 80 Prozent

Der Bitcoin-Kurs stieg immer weiter – solange sich ein „noch größerer Narr“ fand, der bereit war, noch mehr für einen Bitcoin zu bezahlen („Greater-Fool-Hypothese“). Doch 2018 passierte schließlich das, wovor Experten schon lange gewarnt hatten: Dem Markt gingen die Narren aus. Die Bitcoin-Blase platzte. Auf Euphorie folgte Abscheu.

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Anatomie der Spekulationsblase
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Die Bitcoin-Geschichte folgt genau dem Drehbuch einer Blase, wie es einst die amerikanischen Ökonomen Charles Kindleberger und Hyman Minsky beschrieben haben

Seit dem Allzeithoch steht bereits ein Kurssturz von über 80 Prozent zu Buche. Erst am vergangenen Freitag fiel der Bitcoin auf ein neues Jahrestief von rund 3.200 Dollar. Experten gehen davon, dass nun bald die Marke von 3.000 Dollar fallen dürfte.

In China entrümpeln sie Server

Die "South China Morning Post" berichtete jüngst, dass in China, wo noch immer der Großteil des mit Computern erzeugten Krypto-Geldes „geschürft“ wird, reihenweise Bitcoin-Miner aufgeben. Im Netz kursieren Bilder von Lagerhallen, in denen sich massenweise Server stapeln.  

Fehlende Regulierungen, Hackerangriffe auf diverse Handelsplattformen und warnende Worte von Notenbankern und Finanzexperten verdarben Anlegern zuletzt den Appetit auf das riskante Investment. Außerdem warten Anleger seit langem vergeblich auf die Zulassung eines börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Bitcoin. 

"Bürgerkrieg" in der Krypto-Gemeinde

Als akuten Auslöser für den aktuellen Bitcoin-Crash sehen die meisten Beteiligten allerdings die Spaltung („Hard Fork“) der Schwester-Devise Bitcoin Cash am 15. November. Das führte zu einem regelrechten "Bürgerkrieg" in der Krypto-Community, der große Verwirrung und Panik am Markt schürte. 

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Insider vermuten auch, dass beide Bitcoin-Cash-Lager massiv Bitcoins verkauft haben, um ihren Feldzug zu finanzieren und die von ihnen favorisierte Bitcoin-Cash-Variante zu kaufen.

Was ist ein Hard Fork?

Bei einem Hard Fork wird die Blockchain-Datenbank ab einem Stichtag in zwei unabhängigen Strängen weitergeführt. Aus Bitcoin gingen etwa Bitcoin Cash und Bitcoin Gold hervor. Auch diese Aufspaltungen wurden von Kursturbulenzen begleitet.

720 Milliarden Dollar sind futsch

Dabei ist der dramatische Kursverfall des Bitcoins wahrlich kein Einzelfall im Krypto-Universum. Praktisch alle großen Alternativen wie Ripple und Ethereum haben einen ähnlich großen Crash hinter sich. 

Um das ganze Ausmaß des Krypto-Crashs zu erfassen, lohnt ein Blick auf die Seite CoinMarketCap: Stand heute beläuft sich der Wert aller Cyber-Devisen nur noch auf 104 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Anfang 2018 erreichte die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen noch ein Allzeithoch von rund 824 Milliarden Dollar. 

Krypto-Marktkapitalisierung in Mrd. US-Dollar
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Dramatischer Wertverlust

Mit anderen Worten: Binnen weniger als zwölf Monaten wurden 720 Milliarden Dollar an Anlegergeldern vernichtet. Viel Fantasie braucht es nicht, um sich vorzustellen, dass dabei auch einige Existenzen vernichtet wurden. 

Kurseinbruch, na und?!

Die (unverbesserlichen) Optimisten verweisen nun darauf, dass der Bitcoin auch schon früher heftige Einbrüche weggesteckt hat. So stürzte der Kurs etwa vom 10. bis zum 12. April 2013 um über 80 Prozent und vom 2. bis 15. September 2017 um über 40 Prozent ab. 

In der Vergangenheit konnte der Bitcoin solche Rückschläge stets überwinden und im Anschluss neue Höchststände erreichen. 

Umweltschützer atmen auf

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Hält von Bitcoin weniger als nichts: Nouriel Roubini

Krypto-Untergangspropheten wie Nouriel Roubini sehen sich dagegen durch die jüngsten Ereignisse bestätigt. Der renommierte New Yorker Ökonom beziffert den „wahren Wert“ des Bitcoins auf unter null. Zur Begründung verweist er auf den hohen Energieverbrauch bei der Erzeugung der Computerdevise, dem keinerlei wirtschaftlicher Nutzen gegenüberstehe.

Apropos Energieverbrauch: Immerhin ein Gutes hat der Verfall der Kryptowährungen – die Belastungen für die Umwelt sind deutlich gesunken. Laut dem Bitcoin Energy Consumption Index ist der Energiebedarf für die Produktion von Bitcoins seit November 2018 erstmals wieder rückläufig. Aktuell wird „nur“ noch mit einem Jahresverbrauch von 44 Terawattstunden gerechnet. Vor einem Monat lautete die Prognose noch auf mehr als 73 Terawattstunden.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Dezember 2018 um 12:30 Uhr.

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