Fahnen mit dem Logo der Firma Bayer | Bildquelle: AFP

Nach Glyphosat-Urteil Bayer-Aktie bricht massiv ein

Stand: 20.03.2019 17:46 Uhr

Das war zu befürchten: Bayer hat in der ersten Runde eines Gerichtsprozesses in den USA über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat eine schwere Schlappe erlitten. Die Anleger sind entsetzt.

Im Xetra-Handel bricht die Bayer-Aktie bis zum Mittag um über 12 Prozent ein. Das bedeutet bei einem Börsenwert von zuletzt 65 Milliarden Euro eine Vernichtung von 6,5 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Wert des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport.

Die Geschworenen eines Gerichts in San Francisco gelangten einstimmig zu der Überzeugung, dass das glyphosathaltige Mittel Roundup der Bayer-Tochter Monsanto einen "erheblichen Faktor" bei der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman ausgemacht habe.

Damit geht der Prozess am heutigen Mittwoch vor der selben Jury in eine zweite Phase, in der es um die Frage der Verantwortlichkeit des Konzerns und um eventuelle Schadenersatzansprüche geht. Bayer äußerte sich enttäuscht über die Entscheidung. Das Unternehmen sei "weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen", hieß es in einer Stellungnahme.

Bayer steht hinter Glyphosat

Der Konzern sei zuversichtlich, "dass die Beweise in der zweiten Phase des Prozesses zeigen werden, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für die Krebserkrankung von Herrn Hardeman haftbar gemacht werden sollte".

Bayer betont, dass die Entscheidung der Jury in dieser ersten Phase des Verfahrens "keinen Einfluss" auf zukünftige Fälle habe. Jedes zukünftige Verfahren müsse auf der Basis der jeweiligen Umstände und rechtlichen Bedingungen "gesondert betrachtet" werden. Bayer stehe hinter diesen Produkten und wird sie entschieden verteidigen.

Kurs herabgestuft

Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst stufte die Bayer-Aktien nach der in seinen Augen überraschenden Niederlage von "Outperform" auf "Neutral" ab und strich das Kursziel von 90 auf 60 Euro zusammen. Bayer scheine keine überzeugenden Argumente gehabt zu haben, um die Behauptungen des Klägers zu entkräften, erklärte der Experte. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende US-Saatguttochter Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnte.

Der Fall des Kaliforniers gilt als sogenannter "Bellwether Trial" - einer von mehreren repräsentativen Fällen, die bei Produkthaftungsklagen in den USA genutzt werden, um etwa die Schadensspanne und Möglichkeiten für einen Vergleich zu bestimmen. Er könnte die Richtung für mehr als 760 weitere bei dem Gericht in San Francisco anhängige Verfahren vorgeben.

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Bei sachgemäßer Anwendung sicher

Als Erfolg für Bayer war gewertet worden, dass der Richter dem Antrag des Konzerns stattgegeben hatte, das Verfahren in zwei Phasen aufzuteilen. In der zweiten sollen nun die Vorwürfe des Klägers, Monsanto habe versucht, Wissenschaftler, Behörden und die öffentliche Meinung hinsichtlich der Sicherheit seiner Produkte zu beeinflussen, geklärt werden.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemie-Konzern hatte den Glyphosat-Entwickler Monsanto im vergangenen Sommer für 63 Milliarden Dollar übernommen. Bayer sieht sich in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels mit etwa 11.200 Klägern konfrontiert. Der Konzern hat die Vorwürfe bestritten und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Insgesamt sind für dieses Jahr derzeit sieben Verfahren zur Verhandlung angesetzt.

Im vergangenen Jahr hatte ein kalifornisches Geschworenengericht den Konzern zur Zahlung von 289 Millionen Dollar Schadenersatz an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt. Später wurde die Summe zwar auf 78 Millionen Dollar reduziert, doch Glyphosat wurde immer noch für die Krebserkrankung des Mannes verantwortlich gemacht.

lg/rtr

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2019 um 12:00 Uhr.

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