Schokolade von Callebaut | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Barry Callebaut Der unbekannte Schoko-Riese

Stand: 10.04.2018 06:40 Uhr

Schokolade heißt für die meisten Milka oder Lindt. Barry Callebaut kennt dagegen kaum jemand. Dabei ist der Konzern der größte in der Branche - der nebenbei an der Schokolade der Zukunft tüftelt.

Von Notker Blechner, boerse.ard.de

Ob in Malaysia, Kamerun, Ghana, der Elfenbeinküste oder Brasilien - fast überall in den wichtigsten Kakaoanbaugebieten ist Barry Callebaut präsent. Die Schweizer betreiben rund um den Globus 55 Fabriken und decken damit ein Viertel der gesamten Kakao- und Schokoladenproduktion weltweit ab.

Tüten mit Barry-Callebaut-Schokolade werden bei der jährlichen Pressekonferenz in Zürich ausgestellt | Bildquelle: REUTERS
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In der Fabrik im belgischen Wieze produziert Callebaut rund 350.000 Tonnen Schokolade.

Rohmasse für Osterhasen, Pralinen und Eiscrème

Die größte Schokofabrik liegt im belgischen Wieze im Umland von Brüssel. Dort werden pro Jahr rund 350.000 Tonnen der dunklen Süßigkeit produziert. Theoretisch würde das für 3,5 Milliarden Tafeln Schokolade reichen.

Die Kakaoprodukte dienen als Rohmasse für die Lebensmittel-Industrie. Unternehmen wie Nestlé, Unilever und Mondelez verarbeiten den Rohstoff der Schweizer zu Weihnachtsmännern, Osterhasen, Pralinen, Tafeln oder Eiscrème. In deutschen Supermärkten taucht der Name Barry Callebaut nirgends auf den süßen Produkten auf.

Kursinformationen zu Barry Callebaut

38 Prozent mehr Gewinn

Die größten Kakao-Verarbeiter der Welt
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Die größten Kakao-Verarbeiter der Welt

Das Geschäft mit den Kakaobohnen läuft gut - trotz steigender Rohstoffpreise. Im vergangenen Geschäftsjahr 2016/17 verdiente der von der Kaffee-Unternehmerfamilie Jacobs kontrollierte Konzern 303 Millionen Franken (261 Millionen Euro) - 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg weniger stark - um zwei Prozent auf 6,8 Milliarden Franken. Die Schweizer sind größter Kakao- und Schokoladenverarbeiter der Welt vor der amerikanischen Cargill und der Firma Olim aus Singapur.

Für Wachstum sorgt vor allem Asien. Besonders die Chinesen und die Inder haben zunehmend Appetit auf Schokolade. Dagegen stagniert die Nachfrage in Europa. Die Diskussion um Zucker als Dick- und Krankmacher dämpft die Ausgabenfreude vieler Europäer für Süßes.

Schokolade mit weniger Zucker

Ruby-Schokolade von Barry Callebaut
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Ruby-Schokolade von Barry Callebaut

Deshalb tüfteln die Schoko-Ingenieure von Barry Callebaut zunehmend an zuckerärmerer oder sogar zuckerfreier Schokolade. So wurden Rezepte entwickelt, bei denen Maltitol und Stevia als Süßstoffe eingesetzt werden und den Zucker ersetzen.

Um die Asiaten auf den "Schoko-Geschmack" zu bringen, hat Barry Callebaut sogar eine ganz neue vierte Schokoladensorte geschaffen: die rosafarbige Ruby. Sie schmeckt fruchtiger - nach Sahne, Karamell und Beere. Der rosa Farbton sei nicht künstlich erzeugt, sondern stamme von natürlichen Farbstoffen der Kakaobohne, teilt der Schokoladenproduzent mit. Als erster Lebensmittelkonzern hat Nestlé die Ruby-Schokolade in Japan auf den Markt gebracht. Wann sie nach Europa kommt, steht noch in den Sternen.

Darüber hinaus haben die Schweizer auch eine kalorienarme Schokolade entwickelt, die große Hitze aushält. Das Produkt mit dem Namen "Volcano" schmilzt erst bei 55 Grad - und eignet sich für tropische Länder.

Die Schattenseiten des Süßmachers

Doch es gibt auch eine bittere Seite des süßen Naschwerks: Viele Kakaobauern leben unterhalb der Armutsgrenze, oft müssen Kinder auf den Plantagen mitarbeiten. Die Landwirte in Afrika sind der Preismacht der großen Schokoladen-Konzerne und der korrupten Führungselite ausgesetzt.

Die Schweizer Schokoladen- und Kakaoindustrie hat sich dazu verpflichtet, bis 2025 mindestens 80 Prozent der Kakaobohnen aus nachhaltigem Anbau zu beziehen. Barry Callebaut will gar eine Quote von 100 Prozent erreichen. Bisher kommen laut Geschäftsbericht des Konzerns erst 36 Prozent der wichtigen Bohnen aus nachhaltigen Programmen.

Quelle: boerse.ard.de
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