Bankengebäude in Frankfurt | Bildquelle: dpa

Zehn Jahre Finanzkrise Warum die Banken weiter sparen müssen

Stand: 16.12.2019 14:15 Uhr

Die laufende Sanierung der deutschen Banken trägt bisher kaum Früchte - trotz des Wegfalls tausender Arbeitsplätze, schreibt die Unternehmensberatung Bain in ihrer jüngsten Studie. Und hat auch gleich eine Empfehlung.

Dass die deutschen Banken noch immer in einer tiefen Ertrags- und Vertrauenskrise stecken, zeigt ein Blick auf die Diskrepanz zwischen dem ausgewiesenen Eigenkapital und der tatsächlichen Marktbewertung. So verfügt etwa die Commerzbank inzwischen über 31 Milliarden Euro Eigenmittel, wird aber an der Börse nur mit knapp sieben Milliarden Euro bewertet.

Ähnlich düster sieht es bei der Deutschen Bank aus. Das noch immer größte deutsche Kreditinstitut besaß Ende 2018 Eigenmittel im Wert von 62,5 Milliarden Euro, bringt es bei der Marktkapitalisierung aber lediglich auf 14 Milliarden Euro. Das bedeutet: Die Aktie der Deutschen Bank müsste eigentlich nahe 22 Euro liegen und nicht bei 6,80 Euro wie zuletzt.

Misstrauen der Anleger

Die Zahlen spiegeln das erhebliche Misstrauen der Anleger in die Fähigkeit der beiden deutschen Großbanken wider, in absehbarer Zeit ihre Ertrags- und Renditeschwäche zu überwinden.

Tatsächlich ist die Rendite der deutschen Banken, also neben den privaten Häuser auch der Sparkassen, Volksbanken, auf das eingesetzte Kapital im vergangenen Jahr auf magere 1,0 Prozent gesunken - der tiefste Stand seit zehn Jahren.

Sparanstrengungen reichen noch nicht

Im Klartext heißt das, dass alle bisherigen Anstrengungen zur Steigerung der Profitabilität und Optimierung der Geschäftsmodelle noch nicht ausreichen. Dabei hat die Branche seit 2008 rund 100.000 Stellen gestrichen und 10.600 Filialen geschlossen.

Doch das reicht nicht: "Die Banken haben keine andere Wahl, als ihr Filialnetz noch mehr auszudünnen und die Zahl ihrer Beschäftigten weiter zu reduzieren", meint Bain-Deutschlandchef Walter Sinn.

Dass es den Banken so schlecht geht, lässt sich übrigens nicht nur durch die Nullzinspolitik der EZB und die verschärften Eigenkapitalregeln erklären. So haben steigende Aufwendungen für die Digitalisierung sämtliche Sparanstrengungen zunichte gemacht.

Zu hohe Kosten

Auch hat sich die deutschlandweite Konsoliderungswelle der vergangenen Jahre nicht ausgezahlt. So ist etwa die Übernahme der einst zweitgrößten deutschen Bank, der Dresdner Bank, durch die Commerzbank, verpufft. Einen Vorteil, etwa durch Millionen zusätzlicher Kunden und Erträge, hat die Commerzbank dadurch nicht erzielen können.

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Auch für die Deutsche Bank hat sich die Übernahme der Postbank nicht gelohnt. Das Privatkundengeschäft des Branchenprimus konnte dadurch weder seine Einnahmen noch sein Ergebnis signifikant steigern. Im Gegenteil: das sogenannte Cost-Income-Ratio, also der Aufwand in Relation zum Ertrag, hat sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert und lag zuletzt bei 93 Prozent. Das heißt: die Bank musste 93 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Eine im internationalen Vergleich lächerlich schwache Rendite.

Besserung nicht in Sicht

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Vielmehr haben die Fachleute von Bain ausgerechnet, dass sich die Eigenkapitalrendite mittelfristig auf 0,5 Prozent halbieren könnte. In einem Negativszenario wollen Experten sogar eine negative Rendite von minus ein Prozent nicht ausschließen.

Im Vergleich zu den europäischen Wettbewerb entspricht dies einer Ergebnislücke von acht Prozentpunkten beziehungsweise 40 Milliarden Euro. Allein um die Eigenkapitelkosten zu decken, müssten die deutschen Banken ihr Ergebnis um bis zu 23 Milliarden Euro steigern

Konsolidierung auf europäischer Ebene

Den Banken bleibt also kein anderer Ausweg, als den derzeitigen Sanierungskurs weiter zu verschärfen. Doch auch das dürfte wohl nicht ausreichen. Letztlich sehen die die Autoren der Bain-Studie nur einen Ausweg aus der Misere: die Konsolidierung.

Ein Zusammenschluss auf europäischer Ebene sei unausweichlich, prognostiziert Sebastian Thoben, Co-Autor der Studie. So könnten die deutschen Institute ihre Eigenkapitalrendite um weitere vier Prozentpunkte steigern und die Ergebnislücke schließen.

Voraussetzung dafür sei jedoch eine politische wie regulatorische Harmonisierung auf EU-Ebene. "Grenzüberschreitende Fusionen erfordern Fortschritte bei der europäischen Bankenunion", betonte Thoben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat kürzlich einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, nachdem Deutschland einen solchen Schritt viele Jahre lang verhindert hatte. Ob es zu demnächst zu einer größeren Harmonisierung des Bankenmarktes in der EU kommen wird, steht derzeit aber in den Sternen. Keine guten Aussichten also für die deutsche Bankenbranche.

lg

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. Oktober 2019 um 09:30 Uhr und das ARD-Morgenmagazin am 24. Juli 2019 um 06:11 Uhr.

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