Neuwagen von Mercedes-Benz und BMW | Bildquelle: dpa

Dieselaffäre Deutsche Autobranche vor dem Abstieg?

Stand: 07.11.2018 15:40 Uhr

Gewinnwarnungen von VW, Daimler & Co, Diesel-Krise, Abgas-Manipulationen, E-Autos – die deutsche Autoindustrie bekommt derzeit von vielen Seiten Gegenwind. Manager warnen davor, dass die deutsche Schlüsselindustrie kaputt gemacht wird. Wie schlimm ist die Lage wirklich?

Lange hatte VW-Chef Herbert Diess geschwiegen und gute Mine zum bösen (Diesel-)Spiel gemacht. Doch Mitte Oktober platzte dem 60-jährigen Bayer der Kragen. In einer Rede vor Zulieferern in Wolfsburg schimpfte Diess über die "beinahe hysterische Stickoxid-Diskussion um wenige Problemzonen in unseren Städten" und über die neuen strengeren CO2-Richtlinien für Autos, die ab 2030 zugelassen werden. Er sprach von einem "politischen Feldzug gegen die individuelle Mobilität", der existenzbedrohende Ausmaße annehme.

Sollte die Politik die deutsche Autobranche mit immer neuen Umweltvorgaben überfordern, drohe der Abstieg in die Zweitklassigkeit. "Die Chancen stehen 50:50, dass die deutsche Autoindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört", warnte er. Als mahnendes Beispiel nannte er den Verfall der ehemaligen Autohochburgen wie Detroit und Turin. Da sehe man, was mit Städten passiere, in denen Leitindustrien schwächeln.

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Fondsmanager Huber: "Politischer Kreuzzug gegen den Diesel"

Auch Anlage-Experten sehen den deutschen Auto-Standort in Gefahr. Fondsmanager Peter Huber von Starcapital kritisierte jüngst den "politischen Kreuzzug gegen den Diesel", mit dem einer Schlüsselbranche der Garaus gemacht werde, "ohne dass man weiß, ob dies überhaupt etwas bringt". Er ärgere sich über die Verhältnismäßigkeit. Die 15 größten Containerschiffe stießen so viele Schadstoffe aus wie 75 Millionen Autos, ohne dass von politischer Seite etwas gegen die Dreckschleudern auf dem Wasser unternommen werde.

Tatsächlich haben die deutschen Autobauer ein echtes Diesel-Problem. Der Verkauf der Diesel-Fahrzeuge ist eingebrochen. Ihr Anteil sackte bei den Neuzulassungen in Deutschland auf 32 Prozent. 2015 war noch gut jedes zweite abgesetzte Auto eines mit einem Selbstzünder. "Der Diesel ist tot", meint Jacques Aschenbroich, Chef des französischen Autozulieferers Valeo.

Diesel-Autos werden zum Ladenhüter

Die aufgedeckten Abgas-Manipulationen bei VW und später auch bei anderen Herstellern haben zu einer Vertrauenskrise geführt. Seit nun auch Fahrverbote in deutschen Großstädten drohen, ist den Deutschen die Lust auf ein neues Diesel-Auto gänzlich vergangen. Da helfen auch die großzügigen Umtauschprämien nicht viel. Wer weiß, ob nicht bald auch ein Diesel-Fahrzeug der Schadstoffklasse Euro 6 von Fahrverboten betroffen sein wird.

Wegen der Diesel-Krise läuft das Deutschland-Geschäft für die heimischen Autokonzerne schlecht. Bisher hat Mercedes hierzulande im laufenden Jahr sieben Prozent weniger Autos verkauft. Bei BMW lag das Minus bei zwei Prozent.

Zu lange die Elektrowelle verschlafen

Das Selbstmitleid ist jedoch fehl am Platz. Die deutsche Autoindustrie hat zu lange auf alte Technik gesetzt und den Trend zur Elektromobilität verschlafen. VW, Audi, BMW und Mercedes hinken dem Elektroauto-Pionier Tesla hinterher. Nach jahrelanger Verspätung bringen die deutschen Hersteller nun serienreife Stromer mit einer Reichweite von gut 400 Kilometern auf den Markt.

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Die Zeit drängt. Um die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen, bedarf es deutlich mehr Elektrofahrzeuge. "Wenn wir den CO2-Ausstoß unserer Autoflotte bis 2030 um 30 Prozent reduzieren müssen, geht das nur mit einem Drittel reiner E-Autos auf den Straßen", sagt VW-Boss Diess.

In Deutschland wurden im ersten Halbjahr gerade mal knapp 34.000 Stromer und Plug-in-Hybride zugelassen. China ist da schon deutlich weiter. Dort ist ab 2019 ein Mindestanteil von zehn Prozent Elektroautos in der Flotte vorgeschrieben.

Umstieg wird teuer

Experten bezweifeln, ob die deutschen Autokonzerne mit ihren E-Autos hier ähnlich den Markt dominieren werden wie bei den Fahrzeugen mit klassischen Verbrennungsmotoren. Zumal sich mit ihnen auch deutlich weniger Geld verdienen lässt - bisher zumindest. In der Produktion sind sie je nach Modell bis zu 10.000 Euro teurer als herkömmliche Pkws. Kunden sind aber nicht bereit, einen solch hohen Aufschlag zu zahlen. Folglich werden die Stromer zu Kampfpreisen auf den Markt kommen - zu Lasten der Marge der deutschen Autobauer.

Schlimmer noch: Sollten sich die E-Autos zunehmend durchsetzen, fällt ein Teil der Wertschöpfung weg. Kolben, Schaltgetriebe und Abgasvorrichtungen werden dann nicht mehr gebraucht. Die entscheidenden Komponenten sind die Batterien. Diese kommen aber bis jetzt vorwiegend aus Asien. Was bleibt dann noch für die deutsche Zulieferindustrie?

Zulieferer setzen auf die E-Achse

Noch geben sich Conti, Bosch, ZF, Schaeffler und Leoni gelassen. Sie setzen zunehmend auf Elektromobilität und autonom fahrende Autos. Bosch und ZF bieten zum Beispiel elektrische Achsantriebe an. ZF bastelt mit dem Aachener Start-up und StreetScooter-Entwickler an einem Elektro-Kleintransporter, dem e.Go Mover, der sich im Stadtverkehr durchsetzen soll.

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VW-Chef Diess hat denn auch trotz aller Warnungen vor einem Abstieg der deutschen Autoindustrie die Hoffnung noch nicht verloren. "Die Veränderungen in unserer Industrie sind mit Risiken verbunden, aber vor allem auch mit großen Chancen", erklärte er gegenüber den Zulieferern in Wolfsburg. Na, dann mal los!

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete MDR Info am 07. November 2018 um 16:11 Uhr.

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