Daimler Werk | Bildquelle: dpa

Drittes Quartal Autobranche erholt sich

Stand: 06.11.2019 06:45 Uhr

Nach dem katastrophalen ersten Halbjahr geht es in der deutschen Autobranche langsam wieder aufwärts. Der Absatz zog zuletzt wieder an. Daimler fuhr in die Gewinnzone zurück, und VW scheffelt wieder Milliarden-Überschüsse. Ist das die Wende?

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Handelsstreit, Abschwung in China und Diesel-Krise: Noch vor wenigen Monaten sah es in der Autobranche ganz düster aus. Es verging fast keine Woche ohne neue Hiobsbotschaften oder Gewinnwarnungen. Der schwäbische Autobauer Daimler rutschte erstmals seit der Finanzkrise vor zehn Jahren tief in die Verlustzone.

Auf der Messe IAA in Frankfurt zeigten sich viele Manager besorgt. "Wir schlittern nicht in die Krise hinein, sondern befinden uns mittendrin. Es hilft nicht mehr, die Dinge schönzureden", räumte Conti-Chef Elmar Degenhart ein. Bosch-Chef Volkmar Denner prophezeite, dass die Automobilproduktion in den kommenden Jahren stagnieren werde - anders als in der Vergangenheit, als es fast immer aufwärts ging. "Der Rückenwind ist weg."

Goldener Autoherbst in Deutschland

Inzwischen aber mehren sich die Erholungszeichen. Im September und Oktober zog der Automarkt in einigen Regionen wieder an. Alleine in Deutschland wurden im Oktober 12,7 Prozent mehr Autos neu zugelassen. Laut dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) war es der zweitstärkste Oktober der vergangenen zehn Jahre.

Die großen deutschen Hersteller scheinen die Kurve gekriegt zu haben. Daimler konnte im dritten Quartal einen Absatzrekord in der Autosparte einfahren. Gut acht Prozent mehr Mercedes wurden verkauft. Zudem kehrte der Premium-Autobauer in die Gewinnzone zurück, nachdem im zweiten Quartal noch ein Verlust angefallen war. BMW erhöhte den Absatz im September um 4,8 Prozent. Auch bei VW läuft's rund - trotz der sich abschwächenden weltweiten Autokonjunktur. VW steigerte im dritten Quartal den Gewinn auf knapp 3,8 Milliarden Euro.

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Daimler-Chef: "Drei richtig gute Monate!"

Ola Källenius
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Ola Källeenius

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius sprach von "drei richtig guten Monaten" beim Absatz und einem "insgesamt ordentlichen Quartal". Die Zahlen sollten freilich nicht davon ablenken, dass "wir in der Transformation sind". Da komme noch einiges auf Daimler zu.

Tatsächlich steht die Autobranche vor einem strukturellen Umbruch. Wegen der schärferen Klima-Vorgaben müssen sie radikal umsteuern auf Elektromobilität. Das kostet Milliarden und nagt an der Marge. VW und Daimler haben eine jüngst eine große E-Offensive gestartet mit neuen reichweitenstärkeren Modellen. BMW bringt die nächste Generation von Stromern 2021 auf den Markt.

Ferdinand Dudenhöffer
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Ferdinand Dudenhöffer

Wer das Rennen im neuen E-Auto-Markt gewinnt, ist noch ungewiss. Bislang haben Tesla und Renault die Nase vorn. "Der Massenstart beim Elektroauto kommt 2021", prophezeit Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Dann müssen die Hersteller den CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU durchschnittlich auf 95 Gramm pro Kilometer senken.

PSA treibt die Konsolidierungswelle an

PSA-Chef Carlos Tavares befürchtet, dass wegen der Klimawende ein paar Autohersteller auf der Strecke bleiben. Er warnt vor möglichen Pleiten und Fusionen. Die Franzosen haben gerade selbst die Konsolidierungswelle angeheizt – mit den Übernahmen von Opel und jetzt FiatChrysler.

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Auch der chinesisch-amerikanische Zollstreit macht den Autokonzernen zu schaffen. Durch die protektionistische Handelspolitik der USA sei der weltweite Automarkt seit 2017 eingebrochen, hat das Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen in einer Studie festgestellt. Die Experten schätzen den Schaden auf 700 Milliarden Euro. Das ist der Wert der Fahrzeuge, die wegen des Trump-Effekts nicht gebaut wurden.

Hoffen auf Lösung im Zollstreit

Sollte sich der Handelskonflikt entschärfen – wonach es derzeit aussieht -, würde die Autoindustrie klar profitieren. Als ersten Lichtblick feierte die Branche am Montag die Ankündigung der USA, vorerst wohl keine höheren Strafzölle auf deutsche Autos zu erheben. Das schob die Erholung der Autoaktien weiter an.

Falls die zuletzt stotternde Autokonjunktur wieder ins Rollen kommt, würde das der deutschen Industrie helfen. Sie könnte so schneller aus der Rezession herausgekommen, in die sie hineingerutscht ist. Noch ist es aber verfrüht, von einer Wende am Automarkt zu sprechen. 2019 wird voraussichtlich die globale Autoproduktion um fünf Prozent sinken.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell Baden-Württemberg am 24. Oktober 2019 um 19:30 Uhr.

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