Menschen vor einem Apple Logo  | Bildquelle: JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX/Shutters

Konkurrenz für Netflix und Co. Wie Apple den Streaming-Thron erobern will

Stand: 03.04.2019 11:47 Uhr

Netflix galt lange als der unangefochtene Streaming-König. Doch jetzt rüttelt der wertvollste Konzern der Welt am Netflix-Thron. Auch Disney und Warner Media könnten der Netflix-Monarchie gefährlich werden.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Es gibt keinen Zweifel: Apple-Chef Tim Cook kommt nicht in Frieden. Am Montagabend stellte er in Cupertino den neuen hauseigenen Streaming-Dienst mit dem Namen "Apple TV Plus" vor. "Apple will einen Dienst, der Netflix schlagen kann", berichtete zuvor ein Apple-Insider im "Wall Street Journal". Hausinterner Name: "Netflix-Killer".

Das Kalkül von Apple ist offensichtlich: Der Silicon-Valley-Gigant will sich angesichts eines übersättigten Smartphone-Marktes von seinen sinkenden iPhone-Einnahmen emanzipieren und breiter aufstellen. Kurz: Ein neuer Wachstumsmarkt muss her!

Boom!

Der Marktforscher IHS Markit hat ausgerechnet, dass 2021 bereits 650 Millionen Kunden weltweit Online-Video-Dienste wie Netflix, Amazon Prime & Co. abonniert haben dürften. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 290 Millionen.

Netflix-Streaming-Abonnenten weltweit von Q3 ‘11 bis Q4 ‘18
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Rasantes Wachstum

Und noch eine Zahl, die Apple-Chef Tim Cook den Mund wässrig machen dürfte: Binnen nur sieben Jahren hat sich die Zahl der zahlenden Netflix-Abonnenten weltweit mehr als versechsfacht auf knapp 140 Millionen Ende 2018.

Glanz und Glamour

Julia Roberts in Homecoming
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Julia Roberts in "Homecoming"

Das neue Hollywood ist im Netz – jederzeit verfügbar. Schauspielikonen wie Julia Roberts haben das schon lange erkannt. Knapp 30 Jahre nach "Pretty Woman" sorgte Roberts kürzlich mit ihrer Amazon-Prime-Original-Serie "Homecoming" für Furore.

An Glamour soll es allerdings auch dem neuen Video-Dienst von Apple nicht mangeln. Das garantieren schon die großen Namen, die Apple bereits im Vorfeld durchsickern ließ.

So sollen Jennifer Aniston und ihre Oscar-prämierte Kollegin Reese Witherspoon in einer Serie über Rivalitäten im Frühstücksfernsehen zu sehen sein. Und Hollywood-Urgestein Steven Spielberg lässt die Mystery-Serie "Amazing Stories" wiederaufleben.

Plattform für mehr

Apple
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Plattform-Unternehmen gehört die Zukunft, so heißt es - Apple will da natürlich mitspielen

Doch im Gegensatz zu Netflix will Apple die Kunden nicht nur mit eigenen Inhalten locken, sondern auch als Plattform-Unternehmen für andere Dienste agieren. Nutzer sollen also auch Zugriff erhalten auf Inhalte verschiedener teilnehmender Dienste wie HBO, Showtime und Starz. Netflix ist nicht dabei – und das soll auch so bleiben, machte Firmenchef Reed Hastings erst vor wenigen Tagen deutlich.

Der erfolgsverwöhnte Streaming-Pionier sieht rauen Zeiten entgegen. Hatte es Netflix bislang vorwiegend mit Amazon Prime Video als halbwegs ernst zu nehmenden Widersacher zu tun, schwillt die Liste seiner Gegner im laufenden Jahr beträchtlich an. Denn nicht nur Apple drängt mit einem eigenen Angebot auf den Markt – auch Disney und die AT&T-Tochter Warner Media wollen am Netflix-Thron rütteln.

"Big Bang" für Netflix

Big Bang Theory
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Für Netflix-Kunden heißt es bald: Bye-bye, Big Bang Theory

Der Launch des hauseigenen Streaming-Dienstes "Disney+" hat für Disney-Chef Bob Iger im laufenden Jahr oberste Priorität. Branchenkenner rechnen mit einem Start Ende 2019.

Auch der eigene Streaming-Dienst von Warner Bros., "WarnerMedia on air", soll noch 2019 an den Start gehen. Das dürften die Netflix-Kunden schmerzlich zu spüren bekommen. Zahlreiche Warner-Inhalte dürften dann nämlich nicht mehr via Netflix abrufbar sein – darunter so beliebte Serien wie "Riverdale", "Supernatural" und "The Big Bang Theory".

Wie viele Helden braucht der Kunde?

Kingsman
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Die "Kingsmen" sind umgezogen - zu Disney

Tatsächlich verfügen Disney und Warner im Streaming-Kampf über einen gewaltigen Vorteil: Sie haben schon eine ganze Fülle an Original-Inhalten. Disney nennt nach der 71 Milliarden Dollar schweren Übernahme von 21st Century Fox sogar ein ganzes Helden-Heer sein eigen. Zu den hauseigenen "Star Wars"-Helden und "Avengers"-Superhelden gesellen sich nun auch die "X-Men" und "Kingsmen" von Fox.

"Wir haben keinen Zweifel, dass Disney+ langfristig zu den Angeboten gehört, die sich durchsetzen", ist Analystin Alexia Quadrani von JPMorgan überzeugt. Sie sieht unter Verweis auf das "umfangreiche Premiumangebot" und das "einzigartige Ökosystem" langfristig ein Abonnentenpotenzial von 160 Millionen.

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Wenn der Vorhang fällt

Um da Schritt halten zu können, muss Netflix radikal in eigene Inhalte investieren: Ende 2018 beliefen sich die "Streaming Content Obligations" auf 19,3 Milliarden Dollar. Das sind Gelder, die Netflix bereits für kommende Produktionen ausgegeben hat, aber als Verlust noch nicht in der Bilanz verbucht werden müssen.

Da muten die kolportierten eine Milliarde Dollar, die Apple laut Branchenkennern jährlich für Eigeninhalte ausgeben will, geradezu mickrig an.

Tatsächlich dürfte es Apple von allen Streaming-Diensten am schwersten haben. Während sich Disney, Warner und Netflix im Filmbereich schon eine große Reputation erarbeitet haben, muss Apple erst noch zeigen, dass es auch Filme und Serien kann.

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Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. März 2019 um 08:34 Uhr.

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