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Neue Angebote Stolpert Apple in die Amazon-Falle?

Stand: 02.05.2019 14:47 Uhr

Apple sucht verzweifelt Wege aus der iPhone-Falle, will sich als Dienstleister etablieren – und läuft damit direkt in die Arme von Amazon.

Von Angela Göpfert, boerse.ARD.de

Das neue Jahr begann für Apple mit einem Schock: Anfang Januar erlebte die Apple-Aktie ihren schlimmsten Tag seit 2013. Nach einer Umsatzwarnung brach das Papier um knapp zehn Prozent ein auf 142 Dollar. Das Unternehmen büßte damit binnen nur eines Tages fast 75 Milliarden Dollar an Börsenwert ein.

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Apple-Kurs, November 2018 bis April 2019

Doch in den vergangenen Monaten hat sich das Papier prächtig erholt. Mit einem aktuellen Stand von über 200 Dollar fällt das Comeback wahrlich beeindruckend aus. Hat der Markt allmählich verstanden, dass Sorgen um Apples iPhones-Geschäft zwar berechtigt sind – Warnungen vor Apples Niedergang aber übertrieben?

Beunruhigender iPhone-Trend

iPhone Xs und Xs Max
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Das iPhone XS Max ist Apples aktuelles Flaggschiff

Fakt ist: iPhone-Besitzer machen mittlerweile nur noch alle vier Jahre ein Upgrade, 2018 wechselten sie bereits nach drei Jahren zum nächsten Modell. Experten gehen daher von weiter sinkenden iPhone-Absätzen aus. Es ist ein beunruhigender Trend für das Unternehmen, das rund 60 Prozent seiner Umsätze mit dem iPhone generiert.

Doch diese Entwicklung kommt nun andererseits wahrlich nicht überraschend. Die Verantwortlichen in Cupertino wissen, dass das iPhone-Wachstum endlich ist. Sie wollen daher den Schwerpunkt künftig auf den boomenden Dienstleistungssektor legen.

Ehrgeiziges Ziel

Bereits 2016 gab Apple-Chef Tim Cook bekannt, man wolle bis 2020 den Umsatz in der Sparte von 24 auf 48 Milliarden Dollar pro Jahr verdoppeln. Dieses Ziel könnte Apple womöglich schon 2019 erreichen.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 beliefen sich die Erlöse der Service-Sparte auf 10,9 Milliarden Dollar – ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Filme- und Spiele-Abos als Heilsbringer?

Zuletzt hat Apple eine Vielzahl neuer servicebasierter Angebote eingeführt, die in den nächsten Monaten zu seinem neuen "Apple Music Service" zusammengeführt werden sollen.

Tim Cook präsentiert Apple TV+
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Mit freundlicher Unterstützung von Steven Spielberg: Apple TV+

So will Apple mit seinem Streaming-Abo-Dienst "Apple TV+" künftig Netflix Konkurrenz machen. Auch der Spieleabonnement-Service "Apple Arcade" und der Nachrichtendienst "Apple News+" sollen die Service-Sparte stärken.

Raus aus der iPhone- und rein in die Amazon-Falle?

Mit der neuen „Apple Card“, die in Kooperation mit Goldman Sachs und Mastercard angeboten wird, bietet der Konzern zudem erstmals eine eigene Kreditkarte samt Payback-Programm an. Auch hier das Ziel: das Unternehmen unabhängiger vom iPhone machen.

Apple muss aber aufpassen, dass es bei seiner verzweifelten Suche nach Wegen raus aus der iPhone-Falle nicht gleich in die nächste Falle tappt.

Denn um all die schönen Online-Dienste wie App Store, Apple Music und Co. zu betreiben, bedarf es gigantischer Mengen an Serverplatz. Server, die Apple in dieser Größenordnung selbst nicht hat. Dafür aber Amazon.

Apple ist ein hervorragender Amazon-Kunde

Tatsächlich greift Apple für nahezu alle seine Cloud-Angebote auf die Server von Amazon Web Services (AWS) zurück. Laut Recherchen von CNBC zahlt Apple bereits heute dafür stolze 30 Millionen Dollar an Amazon – pro Monat!

Auch in der nahen Zukunft dürfte viel Apple-Geld an Amazon fließen. So soll Apple bereits vor ein paar Monaten ein Abkommen unterzeichnet haben, wonach es in den kommenden fünf Jahren mindestens 1,5 Milliarden Dollar an AWS zahlen wird.

alt Amazon Web Services

Lukratives Cloud-Geschäft

Die Umsätze der Web-Plattform AWS, die Cloud-Services an Firmen verkauft, stiegen im ersten Quartal 2019 um 41 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis der ertragreichen Sparte kletterte um 59 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Damit generierte das Cloud-Geschäft rund die Hälfte des Betriebsergebnisses bei Amazon, obwohl es nur für 13 Prozent der Umsätze sorgte.

Codename "Project McQueen"

Kein Wunder also, dass Apple alles daran setzt, seine eigene Cloud-Infrastruktur aufzubauen, um die Abhängigkeit von Amazon zu verringern. Laut Medienberichten läuft die Strategie im Konzern unter dem Codenamen "Project McQueen". Es ist Apples Versuch, komplett eigene Rechenzentren mit neuer Software und Hardware zu entwickeln.

Allein 2019 und 2020 sollen 4,5 Milliarden Dollar in entsprechende Projekte in den USA fließen. Insgesamt will Apple im Laufe der nächsten fünf Jahre zehn Milliarden Dollar für neue Rechenzentren in den USA ausgeben.

Aber egal, ob das meiste Geld in der Service-Sparte künftig an Amazon, alternative Cloud-Anbieter wie Microsoft Azure und Google Cloud oder in den Aufbau eigener Rechenzentren fließen wird: Unterm Strich wird der Strategieschwenk weg vom Hardware- hin zum Service-Unternehmen ein teures Unterfangen für Apple. Erfolg? Ungewiss.

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Womit Apple sein Geld verdient

Apple-Hoch

Apple ist der Gigant unter den weltweit agierenden Technologieunternehmen: Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 265,6 Milliarden Dollar, der Gewinn bei 59,5 Milliarden. Der Löwenanteil kommt dabei immer noch vom iPhone.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2019 um 15:53 Uhr.

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