Allianz AG

Covid-19-Pandemie Allianz sucht Corona-Strategie

Stand: 06.11.2020 15:24 Uhr

Die Allianz kippt die volle Beitragsgarantie. Diese Nachricht sorgte zuletzt für einigen Wirbel in der Branche und bei den Kunden. Heute ist für den Versicherungskonzern aber der Tag der Zahlen: Wie meistert die Allianz die Corona-Krise?

Langfristig ist die anhaltende Niedrigzinsphase für die Versicherungskonzerne aber wohl eine größere Bedrohung als die Pandemie. Vor allem die Sparte Lebensversicherungen ist von der Nullzinspolitik der Notenbanken betroffen. Hier hatte die Allianz Anfang Oktober für einen Paukenschlag gesorgt, denn Allianz Leben schafft im kommenden Jahr die 100-prozentige Beitragsgarantie für Neukunden ab.

"Bessere Chancen auf Rendite"

Im Neugeschäft würden ab 2021 nur noch Lebens- und Renten-Policen verkauft, bei denen 60, 80 oder 90 Prozent der Einzahlungen garantiert sind. Je geringer der garantierte Anteil der Beiträge, desto mehr kann die Allianz sie in riskantere, aber lukrativere Anlagen "wie Aktien, alternativen Anlagen, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen" investieren.

Hintergrund ist, dass in Zeiten der Zinsflaute selbst vermeintlich sichere Anlagen häufig keine Rendite bringen. Zum Teil wird bei Anleihen bereits mit Negativzinsen operiert. "Mit angepassten Garantien und flexiblerer Kapitalanlage verbessern sich die Chancen für langfristig attraktive Renditen in Zeiten von Null- und Negativzins", hatte die Allianz mitgeteilt. Branchenexperten rechnen damit, dass die Konkurrenz bald nachziehen wird.

Nullzinspoliik der EZB

Null Prozent und die EZB

"Altersvorsorge neu denken"

Und es soll noch weitergehen: "In einer Welt ohne positiven Nominalzins muss die Altersvorsorge neu gedacht werden - das gilt auch für Riester und die betriebliche Altersversorgung", sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen.

Christian Bardorff, Versicherungs-Experte bei der Ratingagentur Moody's, pflichtet der Allianz bei: "Man muss sich gut überlegen, welche Garantien man anbieten kann, wenn die Zinsen auf risikolose Anlagen negativ sind." Allein in diesem Jahr müssen die deutschen Versicherer die Zinszusatzreserven wohl um elf Milliarden Euro aufstocken, mit der sie die Garantien aus der Vergangenheit absichern.

Sparen

"Altersvorsorge neu denken"

"Ein festes Bündnis mit dem Glück"

Am Kapitalmarkt ist ohne Risiko bekanntermaßen schwer Rendite zu erzielen. In Chancen denken, nicht in Risiken, wie ein etwas abgedroschen klingender Sinnspruch rät. Je niedriger die Beitragsgarantie angesetzt ist, desto höher kann der Anteil "chancenorientierter Anlagen" sein.   

Für den Verbraucher bedeutet das Ende der Beitragsgarantie im Ergebnis, dass er je nach Risikoneigung, sofern er 100.000 Euro Beiträge bezahlt, eventuell davon nur 60.000 zurückerhält. "Das Produkt wird zum Risikoinvestment", zitiert "Die Welt" Axel Kleinlein, den Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV).

"Wer sich Allianz versichert […], der schließt vom ersten Augenblick ein festes Bündnis mit dem Glück", lautete ein Versprechen der Allianz-Werbung aus den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ob die Anlageexperten der Allianz die Renditehoffnungen erfüllen können und aus Chancen echtes Anlegerglück wird, dürfte sich erst in vielen Jahren herausstellen.

"Corona für Sachversicherer bewältigbar"

Bereits jetzt schon ist bekannt, wie teuer den Versicherungskonzern die Folgen von Corona zu stehen kommen. Im dritten Quartal liegt die Belastung für das operative Ergebnis noch bei 100 Millionen Euro. Aus Sicht der ersten neun Monate des Geschäftsjahres sind es immerhin 1,3 Milliarden Euro. Angesichts der sich derzeit verschärfenden Lage ist allerdings davon auszugehen, dass die Kosten wieder steigen werden. Eine Prognose für das Gesamtjahr traut sich das Management jedenfalls nicht mehr zu.

Für die Versicherungskonzerne hat die Pandemie insgesamt zweischneidige Folgen: Corona sei nach Einschätzung von Bardorff für die Sachversicherer bewältigbar. Positive und negative Effekte hielten sich in etwa die Waage, meint der Fachmann.

Oliver Bäte

Allianz-CEO Oliver Bäte

Grundsatzfrage für Versicherer

Sachversicherer sparten sich in der Kfz-Sparte durch den geringeren Verkehr und weniger Unfälle während des ersten Lockdowns im Frühjahr rund zwei Milliarden Euro an Schadenzahlungen. Dem gegenüber stünden laut Bardoff rund 1,5 Milliarden Euro, die sie für vom Staat erzwungene Schließungen von Hotels und Gaststätten ausgeben müssten, und eine halbe Milliarde an Anlageverlusten wegen des Abschwungs an den Märkten.

Die Allianz hatte sich vor einigen Tagen mit einem Gaststättenbesitzer verglichen, der  wegen der coronabedingten Betriebsschließung eine Forderung in Höhe von 1,13 Millionen Euro aufgrund von Umsatzausfällen gegen die Allianz aus  seiner Betriebsschließungsversicherung erhoben hatte.

Überraschend gute Zahlen

Während die künftigen Kunden der Allianz Leben auf Rendite hoffen dürfen, gelingt es dem Allianzkonzern selbst, im dritten Quartal einen deutlichen Gewinn zu erwirtschaften. "In einem Umfeld, das weiterhin herausfordernd bleibt, haben wir solide Ergebnisse erzielt", sagte Oliver Bäte, Allianz-Vorstandsvorsitzender.   

Weitere Kursinformationen zu Allianz

Der Nettogewinn lag mit 2,1 Milliarden Euro sechs Prozent über Vorjahr. Das operative Ergebnis sank um drei Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Beim Umsatz spürte der Versicherer die erschwerten Bedingungen beim Verkauf von Leben- und Kranken-Policen während der Pandemie. Der Konzernerlös schrumpfte um sechs Prozent auf 31,4 Milliarden Euro.

"Die Zahlen des dritten Quartals überraschten nahezu durchweg positiv", kommentierte die LBBW. Deshalb legt die Allianz-Aktie heute zu.

ts

Über dieses Thema berichtete B5 Wirtschaft und Börse am 06. November 2020 um 10:38 Uhr.