Diageo Whisky-Flaschen

Johnnie Walker gegen Chivas Regal Der harte Kampf um Hochprozentiges

Stand: 29.08.2019 08:27 Uhr

Während der Bierkonsum in den westlichen Ländern seit Jahren schrumpft, erlebt der Absatz von hochprozentigen Alkoholika einen Boom. Ein lohnendes Geschäft für die Hersteller - und ein Kampf um die Weltherrschaft mit Spirituosen.

Von Lothar Gries, boerse.ARD.de

Dabei erfreut sich vor allem Whisky zunehmender Beliebtheit. Allein in Deutschland gibt es inzwischen 200 Whisky-Brennereien - mehr als in Schottland. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) trinken rund sechs Millionen Bundesbürger regelmäßig die aus Getreidemaische destillierte und im Holzfass gereifte Spirituose - so viele wie nie zuvor. Den Anteil von Whisky am deutschen Spirituosenmarkt schätzt der BSI auf etwa ein Zehntel - Tendenz steigend.

Auch weltweit nimmt der Umsatz zu. Schätzungen zufolge sollen die Kunden allein für Whisky in vier Jahren 100 Milliarden Dollar ausgeben, nach 55 Milliarden Dollar im Jahr 2010. Doch auch Wodka, Rum und Tequila erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Und der Klassiker Gin erlebt gerade bei den Millennials ein Revival. Inzwischen gibt es Gin nicht nur aus England, sondern aus aller Herren Länder, selbst aus Deutschland und Spanien.

Boom weckt Begehrlichkeiten

Laut Statista erwartet die Branche im Jahr 2023 einen Umsatz mit hochprozentigen Alkoholika von 500 Milliarden Dollar. 2010 waren es noch 300 Milliarden Dollar.

Dieser Boom weckt Begehrlichkeiten - allen voran bei den bereits jetzt weltweit führenden Herstellern Diageo aus Großbritannien und Pernod Ricard aus Frankreich. Branchenführer Diageo mit seinen Marken Johnnie Walker, Smirnoff, Baileys & Co setzte im vergangenen Jahr 14,5 Milliarden Euro um und erzielte damit einen Gewinn von 3,5 Milliarden Euro.

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Auch die Nummer zwei der Branche, Pernod Ricard, hat sich längst vom Anis- zu einem weltweit agierenden Spirituosenanbieter mit über 30 Marken entwickelt. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Pariser Unternehmen einen Umsatz von rund neun Milliarden Euro und einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende Juni rechnet der Hersteller von Absolut Vodka, Havana Club Rum und Jameson Whiskey mit einem weiteren Umsatz- und Gewinnanstieg, vor allem dank guter Geschäfte in Indien und China.

Aktienkurse verdoppelt

Den Aktionären beschert der Boom steigende Vermögenswerte. So hat sich die Aktie von Diageo in den letzten fünf Jahren glatt verdoppelt. Besonders rasant verlief die Entwicklung in den letzten eineinhalb Jahren mit einem Plus von 40 Prozent. Einen ähnlich steilen Verlauf nahm auch die Pernod Ricard-Aktie: Sie konnte ihren Wert seit Oktober 2014 beinahe verdoppeln.

Einigen Investoren reicht das noch immer nicht. So hat der aktivistische Milliardär Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott Ende 2018 eine Beteiligung von 2,5 Prozent an Pernod Ricard aufgebaut. Der Whisky- und Ginhersteller besitze ein herausragendes Portfolio international bedeutender Marken, schrieb Elliott, habe aber in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren und müsse deshalb wieder besser werden.

Bacardi
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Verschiedene Bacardi-Rumsorten

Die weltweite Nummer drei der Branche, Bacardi, ist bis heute ein Familienunternehmen und finanziert sich über Anleihen. Der Rumspezialist mit einem geschätzten Jahresumsatz von sechs bis sieben Milliarden Dollar hält die Rechte an rund 200 Marken, darunter dem Gin Bombay Sapphire, dem Wodka Grey Goose oder dem Wermut Martini.

Geschmäcker ändern sich

Doch das Geschäft mit Spirituosen ist äußerst volatil, denn die Geschmäcker ändern sich rapide, so dass auch erfahrene Experten nicht wissen, welche Brände demnächst im Trend liegen werden. Aufgrund dessen investieren die Marktführer in verschiedenste Produkte, um möglichst jeden Geschmack und jede Mode ihrer Kunden bedienen zu können.

George Clooney Tequila Casamigos
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George Clooney wirbt für Tequila Casamigos

So hat sich Bacardi zuletzt für gut fünf Milliarden Dollar den mexikanischen Tequila-Produzenten Patron Spirits geschluckt, denn die weltweiten Tequila-Umsätze steigen seit 2015 um fünf Prozent pro Jahr. Zuvor hatte sich bereits Branchenprimus Diageo für eine Milliarde Dollar die von Schauspieler George Clooney mitgegründete Tequila-Marke Casamigos einverleibt.

Jüngere Käuferschichten

Gleichzeitig wenden sich die Anbieter zunehmend jüngeren Käuferschichten zu. Aus gutem Grund, sind doch die Zeiten, in denen ältere Herren in gediegenen Salons genüsslich Whisky tranken, schon lange vorbei. Heute ist die Zielgruppe nicht nur jünger, sondern auch weiblicher. Und guter Whisky kommt nicht mehr nur aus Schottland: 2014 wurde ein japanisches Produkt zum weltbesten Whisky gekürt.

Hoch im Kurs stehen auch die USA. Anfang August wurde bekannt, dass Pernod Ricard die texanische Whisky-Brennerei Firestone & Robertson Distilling Co. erworben hat, eine Edeldestillerie, die sich mit ihrer erst 2012 gegründeten Premium-Marke TX einen Namen gemacht hat.

Quelle: boerse.ard.de
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