Adyen

Zahlungsdienstleister Adyen Der Profiteur des Wirecard-Skandals

Stand: 21.09.2020 06:32 Uhr

Des einen Leid ist des anderen Freud: Im Markt der Internet-Zahlungsdienstleister hat der Niedergang des ehemaligen Dax-Konzerns Wirecard dem großen niederländischen Konkurrenten Adyen wohl noch einen kräftigen Schub in einem ohnehin stark wachsenden Markt gegeben.

Von Andreas Braun, boerse.ARD.de

Am heutigen Montag notiert die Adyen-Aktie erstmals im europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50. Sie reiht sich damit ein unter Industrie-Giganten wie Siemens oder Philips, Pharmakonzernen wie Sanofi oder BASF und Danone.

Adyen-CEO Pieter van der Does
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Adyen-CEO Pieter van der Does

Der Aufstieg des niederländischen "Fintech" (Kürzel für Finanz-Technologie) ist zumindest in Europa beispiellos: 2006 vom heutigen Chef Pieter van der Does gegründet, ging Adyen erst 2018 an die Börse. Zu 240 Euro wurden die Aktien an Interessenten ausgegeben und vervierfachten sich annähernd bis zum Ausbruch der Corona-Krise im Frühjahr 2020.

Kursverdoppler nach Corona-Delle

Was für die Aktien vieler Unternehmen zunächst ein Desaster war, entpuppte sich für Adyen nur als kleine Delle. Die Aktie gab von 900 auf rund 700 Euro nach - und drehte überschritt bereits im Mai wieder alte Höchststände. Im September 2020 notiert der Titel bei mehr als 1.400 Euro - eine glatte Verdopplung seit dem Corona-Tief.

Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Entwicklungen: Die Corona-Krise hat den Trend zu Bezahlen via Internet und per Smartphone weiter beschleunigt. Adyen bietet als Schnittstelle zwischen Online- (und Offline)-Händlern und dem Endkunden alle Leistungen eines so genannten "Payment Service Providers" an. Egal ob Kauf auf Rechnung, Zahlung per Lastschrift, PayPal oder per Kreditkarte: Von der Kasse über die Betrugserkennung bis hin zur Kreditprüfung stellt Adyen sicher, dass Verkäufer bezahlt werden.

Viele kleine Transaktionsgebühren

Für Händler können damit zusätzliche Transaktionen von bestehenden Kunden fast ohne zusätzliche Kosten abgewickelt werden. Zahlungen gehen zunächst vom Käufer an Adyen und werden nach dem verifizierten Kauf an den Verkäufer übermittelt. Adyen verdient an der Bearbeitungsgebühr in Höhe von 0,10 Euro und einem variablen Anteil abhängig von der Zahlungsart pro Transaktion. Shopanbieter sind damit einerseits vor Zahlungsausfällen gesichert, sparen sich aber vor allem die aufwendige eigene Einbindung von Zahlungsmöglichkeiten.

Der Markt für Zahlungsabwicklungen scheint kaum ein Limit zu kennen. Der Markt für digitales bargeldloses Bezahlen hat laut dem Kreditkarten-Konzern Mastercard derzeit ein Volumen von 225 Billionen Dollar weltweit, Tendenz weiter ansteigend. Dennoch tummeln sich auf dem Markt eine Reihe von Großkonzernen, die hart um Marktanteile und Kunden kämpfen.

Wirecard-Kunden kommen zu Adyen

In diesem Konkurrenzkampf hat auch der ehemalige Dax-Konzern Wirecard mitgemischt - bis die Bilanzfälschungen und Betrügereien des Unternehmen aufflogen. Einer der Profiteure der "Causa Wirecard" zweifelsohne: Adyen.

Adyen-Chef Pieter van der Does räumte etwa gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kürzlich ein, dass ehemalige Kunden von Wirecard auf den niederländischen Finanzdienstleister zugekommen sein, andere habe man selbst angesprochen. Vor allem in der Region Asien und Pazifik kann Adyen nach dem Wegfall der Konkurrenz durch Wirecard Marktanteile an sich ziehen. Dort war das Umsatzwachstum zuletzt noch schwächer als etwa in Nordamerika.

Robuster als die Konkurrenz

Im ersten Halbjahr 2020 wickelte Adyen Zahlungen im Umfang von rund 129 Milliarden Euro ab und damit 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Nettoumsatz legte um 27 Prozent zu auf knapp 280 Millionen Euro. Mit der Entwicklung zeigt sich Adyen auch in der Coronakrise relativ robust, wenn der Konzern auch die hohen Steigerungsraten aus dem ersten Quartal nicht halten konnte. Für die Branche der Zahlungsdienstleister sind Adyens Zahlen in jedem Fall ein Lichtblick.

Bemerkenswert dabei auch: Bei vielen Wettbewerbern hinterließ die Coronakrise eine deutlich tiefere vorübergehende Delle. So fielen die sogar Umsätze im ersten Halbjahr bei den europäischen Anbietern Ingenico und Worldline. Umsatz und Gewinn gingen auch beim US-Kreditkartenanbieter Mastercard weg, Wettbewerber Visa verzeichnete einen Einbruch bei den Transaktionen. Besser lief es dagegen bei Paypal. Auch dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Adyen dank des Wegfalls von Wirecard besser im Markt vorankommt als die Mitbewerber.

Quelle: boerse.ard.de
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