Boeing hat ein weiteres Softwareproblem bei seiner in die Kritik geratenen 737 Max 8-Reihe festgestellt. | Bildquelle: AP

Nach Flugzeugabstürzen Boeing findet weiteres Softwareproblem

Stand: 05.04.2019 09:45 Uhr

Boeing droht weiteres Ungemach: Wie der Konzern nun mitteilte, habe man neben dem defekten Steuerungsprogramm MCAS ein weiteres Software-Problem bei dem Unglücksflieger der Reihe 737 Max 8 festgestellt.

Nach zwei Abstürzen von Boeings Flugzeugtyp 737 Max 8 in weniger als einem halben Jahr hat der US-Hersteller Probleme mit einer weiteren Software eingeräumt. Diese seien bei der Überarbeitung des umstrittenen Steuerungsprogramms MCAS festgestellt worden, stünden aber nicht in direktem Zusammenhang damit, teilte Boeing mit. Das Problem habe Auswirkungen auf Landeklappen der Flieger und andere Elemente zur Flugsteuerung.

Zuvor hatte die "Washington Post" berichtet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksflieger der 737-Max-Serie nicht aufgehoben. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf zwei mit der FAA-Untersuchung vertraute Quellen, dass das Problem als entscheidend für die Flugsicherheit eingestuft werde.

Boeing-Chef räumt weitreichende Probleme ein

Boeing bezeichnete es als "relativ geringfügige Angelegenheit", die zusammen mit dem MCAS-Update adressiert werde. "Wir haben bereits eine Lösung dafür in Arbeit", hieß es in der Stellungnahme des Konzerns. In den "kommenden Wochen" werde das Update soweit sein, dass es der FAA zur Zertifizierung vorgelegt werden könnte. Boeing verfolge einen "umfassenden, disziplinierten Ansatz, um es richtig zu machen".

Vorstandschef Dennis Muilenburg hatte so deutlich wie noch nie Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS eingeräumt. Es scheine nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht zum Absturz in Äthiopien, als ob das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet worden sei, teilte Muilenburg mit.

Zuvor war bekannt geworden, dass sich die Piloten der verunglückten Maschine in Äthopien offenbar genau an die Vorgaben des US-Flugzeugherstellers gehalten hatten.

Damit wird die Theorie, dass ein Softwarefehler die Maschine Richtung Boden lenkte, von oberster Konzernstelle gestützt. Das dringend erwartete MCAS-Update werde sicherstellen, dass Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien "nie wieder passieren", versicherte Boeing-Chef Muilenburg. Die Software soll in Zukunft Daten von zwei Sensoren abgleichen, bevor sie eingreift.

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Grafik 1: MCAS - Über 14 Grad Steigung droht ein Strömungsabriss

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Sicherheitsrisiko MCAS

Bislang hatte der Flugzeughersteller stets bestritten, dass die MCAS-Software ein Sicherheitsrisiko darstellt. Kurz vor Muilenburgs Stellungnahme hatte der Konzern aber bereits versprochen, dass Piloten künftig immer die Möglichkeit haben werden, die Automatik auszuschalten und zur manuellen Kontrolle zu wechseln.

Das eigens für die spritsparende Max-Neuauflage von Boeings 737-Serie entwickelte MCAS-Programm soll eigentlich dafür sorgen, in bestimmten Flugsituationen - wie bei einem zu steilen Aufstieg des Jets - automatisch den Flugwinkel zu korrigieren. Doch die bisherigen Unfallberichte deuten darauf hin, dass das System bei den Abstürzen durch falsche Sensordaten fälschlicherweise aktiviert wurde - mit fatalen Folgen.

Beim Crash der Lion-Air-Maschine in Indonesien Ende Oktober soll der Bordcomputer die Nase der Boeing 737 Max 8 wegen der MCAS-Fehlfunktion automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew gegenzusteuern versuchte. Ein ähnliches Szenario gilt inzwischen auch beim Ethiopian-Airlines-Absturz am 10. März als wahrscheinlich. Insgesamt starben bei den Unglücken 346 Menschen.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2019 um 06:00 Uhr.

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