Ex-Boeing-Chefingenieur John Hamillton | Bildquelle: dpa

Chefingenieur tritt ab 737-Max-Krisenmanager verlässt Boeing

Stand: 05.12.2019 08:48 Uhr

Nach dem Absturz zweier 737-Max-Maschinen hatte John Hamilton das Krisenmanagement für Boeing übernommen. Nun verlässt der Chefingenieur den angeschlagenen Flugzeugbauer - als zweiter hochrangiger Manager innerhalb weniger Monate.

Boeing muss bei den Bemühungen um eine Wiederzulassung des Unglücksfliegers 737 Max künftig ohne eine der wichtigsten Führungskräfte auskommen. John Hamilton, der Chefingenieur der Verkehrsflugzeugsparte des US-Luftfahrtriesen, verabschiedet sich mitten in der Krise in den Ruhestand. Das teilte der Konzern den Mitarbeitern in einem internen Memo mit. Zuerst hatte die "Seattle Times" darüber berichtet.

Krisenmanager im US-Kongress

Hamilton war erst im Frühjahr mit dem Krisenmanagement nach den beiden verheerenden 737-Max-Abstürzen betraut worden, bei denen im Oktober 2018 und März 2019 insgesamt 346 Menschen starben. Er stand bei den Anhörungen zu den Hintergründen der Unglücke, die zu Startverboten für Boeings bestverkauftem Flieger führten, im US-Kongress an der Seite von Vorstandschef Dennis Muilenburg.

Dem Memo zufolge wollte Hamilton sich eigentlich schon vergangenes Jahr zurückziehen. "Wir baten ihn, noch zu bleiben, um uns mit den 737-Max-Untersuchungen und den Bemühungen um eine Wiederinbetriebnahme zu helfen", erklärten die Boeing-Manager Stan Deal und Greg Hyslop in dem Rundschreiben an die Mitarbeiter. Hamilton war 35 Jahre im Unternehmen tätig, seine Nachfolgerin wird die Ingenieurin Lynne Hopper.

Zweiter Abgang in kurzer Zeit

Hamilton ist der zweite hochrangige Manager, der den kriselnden Konzern innerhalb weniger Monate verlässt. Im Juli war der für den Maschinen-Typ verantwortliche Programmleiter, Eric Lindblad, ebenfalls in den Ruhestand getreten.

Boeing kämpft zudem mit Auftragsverlusten. Immer mehr Airlines bestellen beim europäischen Konkurrenten Airbus. Zuletzt gab die US-Fluglinie United bekannt, 50 Maschinen des Typs A321 XLR im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro zu ordern. Sie sollen von 2024 an die veraltete Boeing-757-200-Flotte ersetzen.

Die Spitze einer Boeing-737-MAX-Maschine. | Bildquelle: dpa
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Wegen der Abstürze der 737 Max steckt Boeing in einer tiefen Krise.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Dezember 2019 um 11:00 Uhr.

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