Erste Trümmerteile der abgestürzten Lion Air sind bereits geborgen worden. | Bildquelle: AP

Nach zwei 737-Max-Abstürzen Boeing startet Entschädigungsprogramm

Stand: 24.09.2019 09:32 Uhr

Der Luftfahrtkonzern Boeing beginnt damit, Betroffene der zwei 737-Max-Abstürze zu entschädigen. Familien sollen jeweils rund 144.500 Dollar erhalten. Ein Ende des Startverbots für den Boeing-Typ ist nicht in Sicht.

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing startet sein Entschädigungsprogramm für Angehörige der Opfer der Flugzeugabstürze in Indonesien und Äthiopien. Die Familien der 346 Menschen, die bei den Unglücken starben, sollen jeweils rund 144.500 Dollar erhalten. Das teilte Boeings Kompensationsfonds mit, der von US-Staranwalt Ken Feinberg verwaltet wird. Dieser war auch schon für Entschädigungen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zuständig.

Im März diesen Jahres war eine 737-MAX-Maschine von Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Wenige Monate zuvor - Ende Oktober 2018 - war zudem ein Lion-Air-Flugzeug des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java abgestürzt.

Rettungskräfte an der Absturzstelle der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien. | Bildquelle: AP
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Absturzstelle der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien: Die Familien der Opfer sollen nun Entschädigung erhalten.

Boeing hatte im Juli bekanntgegeben, 100 Millionen Dollar an Finanzhilfen bereitzustellen. Die Hälfte dieser Mittel soll schon in Kürze an Angehörige der Opfer fließen. Die Familie könnten ihre Ansprüche ab sofort geltend machen und müssten dafür nicht im Gegenzug von Klagen gegen Boeing absehen, versicherte Feinberg. In vielen Fällen gehen Angehörige der Opfer, die bei den Abstürzen von Boeing-Maschinen des Typs 737 Max im Oktober und März ums Leben kamen, vor Gericht gegen Boeing vor.

Geld auch für betroffene Gemeinden

Der Konzern ist mit Vorwürfen konfrontiert, die Sicherheit der 737 Max vernachlässigt zu haben. Als Hauptursache der Unglücke gilt bislang eine fehlerhafte Software.

Längerfristig will Boeing mit den bereitgestellten Hilfsmitteln auch von den Abstürzen betroffene Gemeinden unterstützen. Dafür sollen in den Regionen etwa Programme zugunsten von Ausbildung und Entwicklung aufgestellt werden.

Startverbot bleibt erstmal

Unterdessen kann Boeing sich bei der angestrebten Wiederzulassung der Unglücksflieger vom Typ 737 Max, für die seit Mitte März Startverbote gelten, nicht allein auf die Entscheidungen der US-Luftfahrtbehörde FAA verlassen. Jede Regierung werde abhängig von gründlichen Sicherheitsprüfungen selbst bestimmen, ob die Maschinen wieder abheben dürfen - das bestätigte die FAA nach einer Tagung mit anderen Aufsehern im kanadischen Montreal. Zugleich teilte die FAA mit, dass es ihrerseits keinen festen Zeitplan für eine mögliche Wiederzulassung gebe.

In der Vergangenheit waren die internationalen Behörden in der Regel der Linie der USA gefolgt. Dass es diesmal anders laufen dürfte, ist eigentlich schon länger klar und kommt angesichts großer Kritik an der FAA wenig überraschend. Der US-Aufsicht wird unter anderem vorgeworfen, wesentliche Teile der ursprünglichen Zertifizierung der 737 Max dem Hersteller Boeing überlassen zu haben.

Die europäische Luftfahrtaufsicht EASA kündigte bereits eigene Tests an. Boeing hatte versprochen, die Probleme mit der Steuerungsautomatik MCAS, die als entscheidende Unfallursache gilt, per Software-Update zu beheben. Bislang kam der Hersteller dabei jedoch nicht wie erhofft voran. Stattdessen traten weitere Schwierigkeiten auf, so dass derzeit ungewiss ist, wie es mit der 737 Max weitergeht.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. September 2019 um 06:30 Uhr in den Nachrichten.

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