Eine Boeing 737 MAX 8 auf einen Rollfeld | Bildquelle: picture alliance / Dirk Waem/BEL

Mögliche Wiederzulassung Boeing-Krise endet nicht bei 737Max

Stand: 18.11.2020 10:07 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA könnte heute die 737Max von Boeing wieder zulassen. Die massiven finanziellen Probleme des Konzerns wären damit aber noch nicht gelöst.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die finanziellen Verluste bei Boeing sind so groß, dass doppelt so viele Mitarbeiter ihren Job verlieren wie zunächst angenommen. Mehr als 30.000 Stellen will der Luftfahrt- und Rüstungskonzern streichen. Sollte die US-Flugaufsicht FAA die 737Max nun nach mehr als 20 Monaten wieder zulassen, reicht das nicht aus, um die dramatische Krise bei Boeing zu beenden. 

 

Hohe Folgekosten bei Rückkehr zum Flugbetrieb

Geparkte Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max im US-Bundesstaat Washington. | Bildquelle: REUTERS
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Seit mehr als eineinhalb Jahren müssen die 737Max-Maschinen auf dem Boden bleiben.

Zum einen müssen Airlines, die bereits Flugzeuge dieses Typs besitzen, ihre Maschinen modifizieren und Piloten schulen. Ein Teil der Flugsteuerung, genannt MCAS, und falsche Annahmen über die Reaktionszeit von Piloten gelten als Ursache für zwei Abstürze mit 346 Toten.

Am 13. März 2019 war die US-Flugaufsicht dem Beispiel anderer Behörden auf der Welt gefolgt und hatte der 737Max die Zulassung entzogen.

US-Flugaufsicht bei Abnahme fertiger Maschinen dabei

Jetzt hat die Behörde angekündigt, die endgültige Abnahme bereits gebauter 737Max nicht länger Boeing zu überlassen. Die Flugaufsicht will persönlich dabei sein, um die Sicherheit zu garantieren. Es könnte länger als ein Jahr dauern, bis die bereits 400 Flugzeuge auf Halde bei ihren Kunden eingeflottet werden können. Das drückt weiter auf das Geschäftsergebnis von Boeing.

Neue Unsicherheiten sind in der Zwischenzeit hinzugekommen. Die weltweite Corona-Pandemie lässt Fluggesellschaften zögern, bestellte Flugzeuge abzunehmen oder gar neue Flieger zu bestellen. Mehr noch: In den vergangenen Monaten musste Boeing mehr als 1000 Bestellungen für die 737-Serie streichen.

 

Belastung durch Subventionsstreit

Zur zusätzlichen Belastung wird der Streit um Subventionen zwischen den USA und Europa: Die Welthandelsorganisation hatte den Europäern zuletzt erlaubt, Flugzeuge aus den USA mit höheren Zöllen zu belegen. Unternehmen wie Ryanair erwarten, dass Boeing die zusätzlichen Kosten trägt.

Boeing habe überlegt, seine Zentrale für zivile Luftfahrt im US-Bundesstaat Washington aufzugeben, um weiter zu sparen, meldet die "Seattle Times". Der Chef der Sparte plant stattdessen mit mobilen Büros. Die Corona-Krise beschleunigte die Pläne offenbar. 

US-Luftfahrtbehörde FAA könnte 737Max wieder zulassen
Torsten Teichmann, ARD Washington
18.11.2020 09:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2020 um 13:30 Uhr in den Nachrichten.

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