Ein Boeing 737 Max-Flugzeug in der Produktion. |

Nach zwei Abstürzen Boeing stellt 737-Max-Produktion vorerst ein

Stand: 17.12.2019 02:53 Uhr

Die Flugverbote für Boeings Krisenflieger 737 Max dauern an - nun zieht das Unternehmen weitere Konsequenzen. Die Produktion des Flugzeugtyps, der derzeit nicht ausgeliefert werden darf, wird ab Januar vorübergehend eingestellt.

Boeing setzt die Produktion des Krisenjets 737 Max angesichts der hohen Ungewissheit um eine Wiederzulassung ab Januar vorübergehend aus. Der Flugzeugtyp ist bereits seit Mitte März mit Startverboten belegt. Grund sind zwei Abstürze innerhalb weniger Monate, bei denen zahlreiche Menschen starben.

Boeing hatte die 737-Produktion bereits im April deutlich reduziert und die monatliche Fertigungsrate von 52 auf 42 Maschinen gedrosselt. Doch da Boeing die Maschinen bis zu einer Wiederzulassung nicht ausliefern darf, entstehen hohe Kosten und logistische Probleme. Laut Boeing müssen deshalb derzeit rund 400 Flugzeuge zwischengelagert werden, was zunehmend zu Platzmangel führt.

Geparkte Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max im US-Bundesstaat Washington. | REUTERS

Wohin mit den 737 Max? Boeing kämpft auch mit logistischen Problemen. Bild: REUTERS

FAA hatte Hoffnungen letzte Woche gebremst

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte Boeing vergangene Woche deutlich zu verstehen gegeben, nicht auf eine rasche Wiederzulassung der 737 Max zu setzen. FAA-Chef Steve Dickson habe Bedenken, dass der Flugzeugbauer einen "unrealistischen" Zeitplan verfolge, warnte die Behörde Boeing in einer E-Mail.

Im November hatte der Konzern Zuversicht verbreitet, noch vor dem Jahreswechsel eine Genehmigung der FAA für die 737 Max zu erhalten.

Vorstandschef Dennis Muilenburg betonte allerdings auch schon seit Monaten, dass die Produktion bei weiteren Verzögerungen erneut gedrosselt oder ganz ausgesetzt werden könne, was nun der Fall ist. Das Unternehmen betonte, dass zunächst keine Mitarbeiter aufgrund der Produktionspause gekündigt oder beurlaubt würden. Die Angestellten sollen vorerst weiter Aufgaben im Zusammenhang mit dem 737-Programm verrichten, so Boeing. Die Fertigung auszusetzen, sei auch für das große Netz der betroffenen Zulieferer derzeit die beste Lösung.

Die 737-Max-Abstürze in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober 2018 und März 2019 insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen, haben Boeing in eine tiefe Krise gebracht. Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf dem Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, hat aber verschiedene Fehler und Pannen eingeräumt.

Eine Gefahr für die gesamte US-Wirtschaft

Das Debakel ist nicht nur für den Hersteller eine große Belastung, die bereits immense Kosten und Imageschäden sowie Ermittlungen von Aufsichtsbehörden und hohe Klagerisiken verursacht hat. Da es um Boeings bestverkauftes Modell geht, für das es Tausende Bestellungen gibt, ächzt die gesamte Luftfahrtindustrie unter den Problemen. US-Airlines mussten wegen des Ausfalls bereits zahlreiche Flüge streichen, auch europäische Kunden wie Tui sind betroffen.

Für die US-Wirtschaft insgesamt ist Boeings Krise eine erhebliche Belastung. Die Probleme der 737 Max haben das Wachstum bereits in spürbar gedämpft und könnten die Konjunktur noch stärker bremsen, warnen Experten. Von Boeing hängen zahlreiche andere Firmen ab, die die Schwäche des Flugzeugbauers zu spüren bekommen. Vor allem die Außenhandelsbilanz der USA leidet stark unter dem Auslieferungsstopp der 737 Max. Die Produktionspause dürfte die Lage weiter verschärfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Dezember 2019 um 02:06 Uhr.